Livestream

Bremen Zwei Veranstaltungen Live-Gäste

Jetzt neu: butenunbinnen.de, alles wichtige aus der Region

Wintergäste 2018

Christian Sievers – Kaffeefreak und Rückwärtsparker

ZDF-Moderator

17. Februar 2018, 11:00 Uhr | Theater Bremen, Rangfoyer

Wir begrüßten einen Mann auf der Wintergäste-Bühne, der uns die guten und die schlechten Nachrichten ins Haus bringt. Seit etwa drei Jahren präsentiert Christian Sievers die ZDF-"Heute"-Nachrichten und das "Heute-Journal". Sein neues Buch "Grauzonen" bringt er als Wintergast mit ins Bremer Theater.

Ein Mann mit schwarzem Pullover und Mikrofon in der Hand sitzt auf einem weißen Sessel vor einer violetten Wand. [Quelle: Radio Bremen, Sebastian Bredehöft]
Christian Sievers ist "kaffee-verrückt". Das muss er auch irgendwie sein, da er als Frühmoderator oft um vier Uhr aufgestanden ist. [Quelle: Radio Bremen, Sebastian Bredehöft]

Gleich zu Beginn der Sendung unternahm Moderatorin Katrin Krämer mit dem Wintergast eine kleine "Winterreise". Station 1: Tel Aviv, wo Sievers längere Zeit Korrespondent war. "Wo gibt's hier den coolsten Platz für einen Espresso?" Klare und schnelle Antwort: "An jeder Ecke. Die Leute sind kaffeeverrückt. Vor allem die Tankstellen haben sich alle mit italienischen Kaffeeketten zusammengeschlossen. Da gibt es an jeder Tanke guten Kaffee".

Station 2: Jerusalem. "Da gibt es ganz viele mobile Kaffeeverkäufer. Die haben auf dem Rücken so Geräte, mit denen man Kaffee aufbereiten kann. Nach arabischem Brauch – siebenmal aufgebrüht."

Station 3: Jordanien. "Ich habe noch nie in meinem Leben einen so starken Kaffee getrunken – unglaublich stark und unglaublich süß"

Station 4: ZDF in Mainz. Kaffee aus'm Automaten.

Erster Becher, aber mit Geschmack Gemüsebrühe... mit dem Zweiten schmeckt man dann besser – Moderatorin Katrin Krämer über den Kaffeegenuss von Sievers in der Heimatredaktion.

Christian Sievers ist rumgekommen. Schon als Kind fragt Christian Sievers, der 1969 in einem hessischen Dorf geboren wird, seinen Eltern ein Loch in den Bauch und reist mit ihnen begeistert durch die Welt – eine Welt, die der Junge sich auch mit den Büchern erobert, die er stapelweise in der Dorfbücherei ausleiht.

Ganze Sendung zum Nachhören - Wintergast Christian Sievers [45:16 Minuten]

"Wundertüte des Journalismus"

Er ist acht, als die Familie ins damalige West-Berlin zieht, wo er als Schüler seine ersten Straßenumfragen fürs Radio, seinen Lieblingssender Rias 2 schneidet. "Als ich bei Rias 2 in Berlin ein Praktikum gemacht habe, da bin ich durch die Räume gelaufen und habe gedacht: Wow, so sehen meine Radiohelden aus... da gab es positive und negative Überraschungen".

Meine Eltern haben mir mitgegeben, dass es keine falschen Fragen gibt!

Das entscheidende Rüstzeug für Mikrofon und Kamera erarbeitet sich der junge Journalist in den USA, beim Regional-TV New Haven in Connecticut, wo er über entlaufene Hunde, Autounfälle und das "Haus der hundert Katzen" berichtet – "die Wundertüte des Journalismus bis heute", lobt Sievers. Den 9. November 1989, den Tag des Mauerfalls, erlebt er während eines Studentenjobs als Tresenkraft eines Partyservices in Berlin. "Das war im Süden von Berlin. Abends. Als plötzlich ein Mann reinstürmte. Er hatte eine verwaschene Jeansjacke an und eine Mütze mit der Aufschrift "Grenztruppen der Deutschen Demokratischen Republik – und er rief immer: "Ich bin aus'm Osten, ich bin aus'm Osten!" Da war die Party beendet. "Auf zum Brandenburger Tor!!!"

Jeder, wirklich jeder hat gemerkt: Da passiert gerade Geschichte und dass man mittendrin ist – Christian Sievers über den Mauerfall.
Ein Mann und eine Frau unterhalten sich auf einer Bühne vor einem violetten Hintergrund. Beide haben Mikrofone in der Hand. [Quelle: Radio Bremen, Sebastian Bredehöft]
Bremen-Zwei-Moderatorin Katrin Krämer fachsimpelte mit ZDF-Kollege Christian Sievers über den besten Kaffee im Nahen Osten. Dort war Sievers längere Zeit Korrespondent. [Quelle: Radio Bremen, Sebastian Bredehöft]

Die Schönheit des Morgens

Nach der Rückkehr aus den USA muss er sich ans Aufstehen um vier Uhr früh gewöhnen: Beim Morgenmagazin, dem "Moma" aus Mainz, ist er fünf Jahre als Reporter, Redakteur und Moderator dabei und gewöhnt sich an, die Schönheit des Morgens zu schätzen: Nachtschwärmer, Frühaufsteher und Amselgesang.

Dann wechselt der leidenschaftliche Reporter nach Israel und berichtet ab 2009 fünf Jahre lang für das ZDF aus Jerusalem und Tel Aviv, aus Gaza oder der jordanischen Wüste. Dieses Gebiet ist nach wie vor eine hoch instabile, explosive Region. Mit schwierigen Arbeitsbedingungen für Journalisten. So wollte Katrin Krämer von ihrem Gast denn auch wissen, wie man an gesicherte und seriöse Informationen kommt. "Jetzt in Mainz ist mein erster Anlaufpunkt die neue ZDF-Korrespondentin in Israel, Nicola Albrecht. Sie wiederum hat dann ein Netz von Leuten, die vor Ort sind." Zudem gebe es in Israel eine Art "Frühwarnsystem" vor Spannungen oder möglichen Anschlägen. Per SMS würden permanent Meldungen von Vorfällen oder möglicherweise gefährlichen Situationen verschickt. "Das nervt manchmal auch, weil die ständig kommen..."

In einem großen Raum sitzen viele Menschen an kleinen Tischen [Quelle: Radio Bremen, Sebastian Bredehöft]
Volles Haus im Bremer Theater. Viele wollten Bremen-Zwei-"Wintergast" Christian Sievers mal nicht auf dem Bildschirm, sondern live erleben. [Quelle: Radio Bremen, Sebastian Bredehöft]

Naher Osten ist hochbrisanter Arbeitsplatz

Christian Sievers erlebt zwei Kriege, berichtet über Bombenanschläge und Partynächte, Flüchtlingsdramen oder Regierungskrisen, vom Papstbesuch, vom Konzert der “Toten Hosen“ und vom Zoo in Gaza, in dem ein angemalter Esel als Zebra auftritt und so die Kinder beglückt. "Ich habe immer noch dieses Reporter-Gen, das kriegt man einfach nicht los. Das ist in meinem jetztigen Job nicht ganz so einfach, weil die Hauptarbeit in der Zentrale ist." Gelernt habe er als Korrespondent im Nahen Osten Geduld. Nicht alle Gesprächspartner sind immer zur verabredeten Zeit da. Nicht alles läuft zuverlässig, wie man es aus Deutschland kennen würde.

Der Nahe Osten ist eine Gegend, in der nichts geht und doch alles klappt !

Anekdote vom Rabbi, der Fisch kaufen wollte... - Christian Sievers, Ex-ZDF-Korrespondent im Nahen Osten [29 Sekunden]

Die Liebe zum Journalismus

Christian Sievers zeigt seit seiner Rückkehr aus Tel Aviv in den "Heute"-Sendungen, wie sich der Nahost-Konflikt verschärft, jüngst durch den eskalierten Konflikt zwischen Israel, Syrien und Iran. Das ist nur eines von vielen brisanten Themen, die der 49-Jährige mit wenigen Sätzen einordnet und verständlich macht. Was liebt Sievers am Journalismus? "Am Morgen aufstehen und nicht wissen, was der Tag bringt", sagt er.

"Vergessen Sie Schwarz-Weiß-Denken!"

Christian Sievers hat über seine Arbeit, auch als Korrespondent, ein Buch geschrieben. "Grauzonen". Darin beschreibt er unter anderem, dass man vor allem bei der Gemengelage im Nahen Osten "jegliches Schwarz-Weiß-Denken" vergessen könne. Auf eine Frage bekäme man manchmal keine Antwort, sondern 100 neue Fragen. "Das gilt aber für den Journalismus allgemein, und ich glaube, das gilt ebenso für das ganze Leben!" Die Welt sei nicht so einfach, wie man sie gerne hätte. "Man stellt immer wieder fest: Es gibt viel mehr Schattierungen als man gedacht hat!"

Der leidenschaftliche Reporter Christian Sievers ging für das ZDF nach Israel und berichtet ab 2009 fünf Jahre lang aus Jerusalem und Tel Aviv, aus Gaza oder der jordanischen Wüste. Dieses Gebiet ist nach wie vor eine hoch instabile, explosive Region - aber auch eine Gegend voller Charme und Gegensätze.

Autor/-in: Katrin Krämer
Länge: 1:00 Minuten
Datum: Samstag, 17. Februar 2018
Sendereihe: Bremen Zwei

Journalisten müssten erkennen, das Neugier etwas Besonderes sei – dass man Spaß daran haben sollte, zu staunen. Kompliziertes könne eine Bereicherung für das Leben sein. Auch wenn Routine im Alltag natürlich eine Rolle spielt. Studio-Atmosphäre, klare Sendezeiten, geregelte Abläufe.

Es gibt diesen alten Witz von Fernsehleuten, weil über der Kamera immer Rotlicht ist: Einige moderieren schon im Auto an der Ampel los.

Die mediale Entwicklung sieht Sievers in Bezug auf die häufig kritisierten sozialen Netzwerke grundsätzlich positiv: "Ich finde soziale Netzwerke grundsätzlich super! Weil sie eine ganz direkte Verbindung zwischen Publikum und Fernseh,- oder Hörfunkleuten schaffen." Sievers betrachtet sich als Anwalt des Zuschauers und versucht, "interessante Antworten auf die wichtigsten Fragen des Tages" zu bekommen. Generell bei Politikern sei es im Interview sehr wichtig, eine Gegenposition einzunehmen. Egal, welcher Partei dieser Politiker angehöre. Man müsse immer erst herausfinden, wo die brisanten Punkte sind.

Als Pressesprecher eines Politikers zu agieren, das wäre die völlig falsche Berufsauffassung eines Journalisten.

Christian Sievers im Porträt [3:35 Minuten]

Moderation: Katrin Krämer

Dieses Thema im Programm: Bremen Zwei, 17. Februar 2018, 11:05 Uhr

Genaue Adresse:
Theater Bremen, Rangfoyer
Goetheplatz 3-5
28203 Bremen

Veranstaltungstermin:
17. Februar 2018, 11:00 Uhr

Veranstaltungen