Livestream

Bremen Zwei Veranstaltungen Bremen Zwei unterwegs

Jetzt neu: butenunbinnen.de, alles wichtige aus der Region

Bremen Zwei unterwegs

Krawall am Spielfeldrand

Tumulte im Amateurfußball

Nationalsport Fußball. Freizeitbeschäftigung, Spaß, entspannte Erfüllung... Nicht unbedingt. Immer häufiger hört man von Tumulten auf und neben dem Platz. Auch und besonders im Amateurbereich. Schiedsrichter werden angegriffen, Eltern gehen aufeinander los, man beschimpft sich, und auch in Bremen gab es schon Ausschreitungen. Über Ursachen und Gegensteuern diskutierten wir in Bremen Zwei unterwegs.

Eine Gruppe von Männern steht in einem Saal vor einem Plakat. Einer hält ein Mikrofon in der Hand. [Quelle: Radio Bremen, Levke Behrens]
Die Gesprächsteilnehmer von links nach rechts: Frank Dahlenberg, Darius Wöhrmann, Moderator Stefan Pulß, Björn Fecker, Günter Hermann. [Quelle: Radio Bremen, Levke Behrens]

Das Klima als gereizt zu bezeichnen, ist in vielen Fällen eine Untertreibung. In der Bremen-Liga musste in dieser Saison erstmals eine Partie wegen Ausschreitungen abgebrochen werden. Es wird gerne behauptet: "Fußball verbindet". Er trennt eben auch. Der Präsident des Bremer Fußball-Verbandes, Björn Fecker, formuliert es vorsichtig: "Der respektvolle Umgang miteinander hat sich verschlechtert." Betroffen seien alle Spielklassen – leider auch schon der Kinderfußball.

Gewalt im Fußball ist ein schleichender Prozess, der auch in der Gesellschaft wiederzufinden ist. – Björn Fecker

Bestes Beispiel dafür sei der Umgang der Menschen miteinander in den sozialen Netzwerken. Da werde gepöbelt, Menschen würden beschimpft. Das setze sich auf dem Sportplatz fort. Diskussionsteilnehmer Frank Dahlenberg, Trainer beim DFB-Stützpunkt Bremen-Stadt, sagt: "Fußball bedeutet Emotionen, aber es muss auch Grenzen haben.".

Günter Hermann, Fußball-Weltmeister und langjähriger Trainer, sieht die Stimmung am Spielfeldrand vieler Partien deutlich angespannt. "Der Einfluss der Eltern von draußen ist extremer geworden. Es geht um den Erfolg, die Leistung. Schon im Jugendbereich oder bei den ganz Kleinen."

Ich bin mal in der B-Jugend brutal gefoult worden... da ist mein Vater mit dem Regenschirm zum Schiedsrichter gelaufen. – Günter Hermann

Zum Glück sei der Vater aufgehalten worden. Auch früher habe es mal Ausschreitungen gegeben. Heute würden es die Medien aber öfter aufgreifen, und dadurch entstehe der Eindruck, dass es brutaler geworden sei, so Hermann.

Darius Wöhrmann leitet als Schiedsrichter Fußballspiele in Bremen. Er kennt Situationen, in denen vor allem Eltern, Trainer oder Zuschauer am Spielfeldrand außer Kontrolle gerieten. "Im Jugendbereich vor allem. Wenn das Kind umgehauen wird, dann rennt die Mutter aufs Spielfeld und meckert den Schiri an". Es komme aber auch darauf an, wie der Schiedsrichter sich vor dem Spiel verhalte. "Wenn der kommt und schon nicht Hallo sagt, dann hätte ich als Spieler auch keinen Respekt vor dem Schiedsrichter."

Fußball ist eine der liebsten Freizeitbeschäftigungen. Umso erschreckender, dass es offenbar immer mehr Gewalt am Spielfeldrand gibt. In Bremen musste im vergangenen Jahr sogar eine Partie nach Ausschreitungen abgebrochen werden. In "Bremen Zwei unterwegs" haben wir dieses Thema mit Experten diskutiert.

Autor/-in: Stefan Pulß
Länge: 36:18 Minuten
Datum: Mittwoch, 10. Januar 2018
Sendereihe: Bremen Zwei unterwegs | Bremen Zwei

Mehr zum Thema:

Krawall am Spielfeldrand

Eltern und Trainer sollten Vorbilder sein

"Das ist das, wo Kinder hingucken und sich auch vieles abgucken", sagte DFB-Trainer Dahlenberg. Eltern sollten für eine sinnvolle Freizeitbeschäftigung ihrer Kinder sorgen. Das biete der Fußball. Mehr Gelassenheit sei nötig, meinte Verbandschef Fecker. Mittlerweile habe man sogar "Elternzonen" eingerichtet, damit die Eltern bei Jugendspielen nicht mehr an der Seitenlinie stehen. "Damit die das Ganze mit etwas mehr Gelassenheit beobachten können, weil sie weiter weg sind. Das sind immer so zehn, fünfzehn Meter und das beruhigt schon."

Aber auch die Fußballverbände könnten laut Schiedsrichter Darius Wöhrmann dazu beitragen, dass Fußballspiele im Amateurbereich entspannter über die Bühne gehen. "Anti-Aggressionsschulungen bei den Vereinen, Verhaltenstraining für Schiedsrichter mindestens einmal im Jahr."

Ein anderer Aspekt, warum es zu Krawallen am und auf dem Spielfeld kommt, teilweise mit tätlichen Angriffen, ist die Herkunft von Spielern. "Das sagt man ja immer, dass die Emotionalität bei Spielern mit ausländischen Wurzeln höher ist und das können auch viele auf den Fußballplätzen bestätigen. Aber die Frage ist ja, ob man Menschen deswegen immer gleich in eine bestimmte Ecke stellen kann.", sagt dazu der Präsident des Bremer Fußballverbandes, Björn Fecker.

Wie man in den Wald hineinruft...

Schiedsrichter Darius Wöhrmann glaubt, dass man mit Problemvereinen, "ganz normal" umgehen sollte. "Wenn man da nicht schon mit der Einstellung hingeht, "oh nein, ich muss Vatan Spor pfeifen, da sind wieder die bösen Schläger", das merken dann die Spieler, fühlen sich ungerecht behandelt, dann passiert das, dass die sich provoziert fühlen, ausrasten und es Schlägereien gibt." Ex-Werder-Profi Günter Hermann, jetzt Trainer beim FC Oberneuland, sagte im Bremen Zwei unterwegs zu diesem Thema: "Trainer sind gefordert. Als Trainer muss ich den Jungs mal klar und deutlich sagen, wie sie sich zu verhalten haben." Vorbild sei wichtig, TV-Spots zur Integration könnten hilfreich sein, aber es komme auf den Trainer an.

Bremer Fußballverband plant Einsatz von "Konfliktberatern" bei Risikospielen

Björn Fecker will mögliche Gewalt bei Amateurspielen mit neuen Ideen begegnen. So sollen zum Beispiel Mediatoren an der Seitenlinie eingesetzt werden. "Das sind Leute, die ganz bewusst zu Mannschaften gehen, wo man weiß, es gibt Konflikte. Vielleicht eine Vorgeschichte im Hinspiel, da macht es vielleicht Sinn, dass wir im Rückspiel mal ein Auge drauf werfen. Die aber auch ganz konkret mit einer Mannschaft arbeiten, die Dinge vorbesprechen, um Konflikte auf dem Platz zu vermeiden."

Dies waren die Fragen:

  • Ist die Entwicklung dramatisch, oder wird das Ganze schlimmer empfunden, als es objektiv ist?
  • Was können Trainer tun, damit sich die Aggressivität ihrer Spieler innerhalb der Regularien bewegt?
  • Gibt es – Einwanderungsgesellschaft hin oder her – ethnische oder kulturelle Auffälligkeiten?
  • Was kann der Verband tun, um die Unparteiischen zu schützen?
  • Lässt der Ehrgeiz der Eltern Verstand und Anstand vergessen?

Das waren die Gesprächsteilnehmer:

  • Frank Dahlenberg, Trainer beim DFB-Stützpunkt Bremen-Stadt
  • Björn Fecker, Präsident des Bremer Fußball-Verbandes
  • Günter Hermann, Fußball-Weltmeister und langjähriger Trainer
  • Darius Wöhrmann, Schiedsrichter

Moderation: Stefan Pulß
Redaktion: Martin Busch

Die Sendung wurde am 10. Januar um 12 Uhr aufgezeichnet.

Nationalsport Fußball. Der Deutsche Fußball-Bund (DFB) hat über sieben Millionen Mitglieder. Hinzu kommen wahrscheinlich genauso viele Straßenfußballer. Nationaltrainer gibt es 80 Millionen. Umso erschreckender ist, dass man immer häufiger von Tumulten auf und neben dem Platz hört. Auch und besonders im Amateurbereich. Schiedsrichter werden angegriffen, Eltern gehen aufeinander los, man beschimpft sich auf das Derbste. Das diskutieren wir in Bremen Zwei unterwegs.

Autor/-in: Tom Grote
Länge: 3:47 Minuten
Datum: Mittwoch, 10. Januar 2018
Sendereihe: Der Morgen | Gespräch mit Martin Busch, Redakteur der Sendung

Dieses Thema im Programm: Mittwoch, 10. Januar 2018, 18.00 Uhr.

Genaue Adresse:
Lidice Haus
Weg zum Krähenberg 33a
Bremen

Veranstaltungstermin:

Krawalle im Bremer Amateurfußball Nachbericht: "Unterwegs" zum Thema Gewalt im Amateurfußball
Veranstaltungen