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Zwei nach Eins

Ulrike Krumbiegel

Schauspielerin

31. Januar 2018, 13:05 Uhr

Auf der Bühne stand Ulrike Krumbiegel schon als Teenager. 1976 hörte sie im damaligen DDR-Radio einen Aufruf "Schauspieler gesucht". Heute ist sie überaus erfolgreich und dem TV-Publikum vor allem aus der ARD-Serie "Bloch" als Partnerin an der Seite des mittlerweile verstorbenen Dieter Pfaff bekannt. Das Bremen Zwei-"Wintergäste"-Publikum lernte sie nun etwas besser kennen.

Ulrike Krumbiegel und Alexander Brauer sitzen auf einer Bühne vor einem violetten Plakat und lächeln. [Quelle: Radio Bremen, Sebastian Bredehoeft]
Ulrike Krumbiegel und Alexander Brauer [Quelle: Radio Bremen, Sebastian Bredehoeft]

Als die junge Ulrike Schauspielerin werden wollte, formulierte sie in ihrem Tagebuch schon sehr klare Vorstellungen, welche Rollen sie spielen wollte. "Ein bisschen größenwahnsinnig" sei sie damals gewesen, schmunzelte Ulrike Krumbiegel auf der Wintergäste-Bühne im Bremer Theater. Deutsches Theater stand schon im Tagebuch. Das war Ulrike Krumbiegel später allerdings derart peinlich, dass sie es verbrannte. Die ersten Schritte auf der Schauspielschule waren dann auch ziemlich hart.

Erst musste man zum Ernteeinsatz, dann hatte man ein Grundlagen-Seminar, man konnte auch wegen minderer Begabung geext werden. Daran denkt man später nicht mehr.

Heute gehört die Berlinerin zu den renommiertesten Charakterdarstellerinnen Deutschlands. Für ihre TV-Rollen wurde sie mit dem Deutschen Fernsehpreis und der Goldenen Kamera ausgezeichnet. Jetzt ist sie im Kino zu sehen – als eine vom Leben verbitterte Ärztin, die sich ihren Kindheitstraum erfüllt.

Im Kino mit "Die Anfängerin"

Und das ausgerechnet auf Schlittschuhen! Als Annebärbel Buschhaus (Ulrike Krumbiegel) von ihrem Mann verlassen wird, bricht für die Ärztin eine Welt zusammen. Gegen den Willen ihrer dominanten Mutter wagt sie einen Neuanfang auf dem Eis. Diesen Traum hatte sie sich als Kind von ihrer Mutter ausreden lassen. Der Kinofilm "Die Anfängerin" zeigt Ulrike Krumbiegel wieder einmal in einer Hauptrolle und mit waghalsigen Eislaufmanövern, die ohne Double gedreht wurden. Sympathisch ist Hauptfigur Annebärbel allerdings nicht wirklich.

Ja, es ist für die Arbeit auch nicht so einfach, bei so einer unsympathischen Schauspielerin zu bleiben. Man möchte ja vom Publikum gern gehabt werden. Es ist ja auch keine reine Komödie, es ist eine Mischform zwischen Drama und Komödie.

Eisprinzessin oder Schauspielerin?

Eine Frau mit rotem Haar und Mikrofon in der Hand sitzt vor einem violetten Hintergrund. [Quelle: Radio Bremen, Sebastian Bredehoeft]
Wintergast Ulrike Krumbiegel im Bremer Theater. [Quelle: Radio Bremen, Sebastian Bredehoeft]

Zurückgreifen konnte sie bei "Die Anfängerin" auf ihre eigenen sportlichen Erfahrungen in der Kindheit: Denn im Ost-Berlin der Sechziger Jahre war sie selbst mit großer Begeisterung auf den Eisflächen unterwegs. Den Traum von der Eisprinzessin verfolgte sie aber nur halbherzig – größer ist die Begeisterung für das Theater. Mit 15 Jahren spielt Ulrike Krumbiegel in der Laienspielgruppe der Berliner Volksbühne. Nach der Ausbildung an der renommierten Ernst-Busch-Schule schafft die zierliche Künstlerin zu DDR-Zeiten scheinbar mühelos den Sprung ins Filmgeschäft und auf die Bühne.

Mit der Mitfahrzentrale nach München – Kind als "Stasi-Pfand" zu Hause

Ulrike Krumbiegel durfte zur dieser Zeit – noch vor der Maueröffnung – mit ihrem Ensemble auch in westliche Staaten reisen. Frankreich, Griechenland und sogar Duisburg im Ruhrgebiet. Von dort aus fuhr sie per Mitfahrgelegenheit in ihrer freien Zeit nach Bayern, um sich München anzuschauen. Der Staatssicherheit der DDR konnte dies aber relativ egal sein, ist Krumbiegel überzeugt.

Mich da vom Ruhrgebiet nach München und zurück zu verfolgen, das wäre jetzt ein großer Aufwand gewesen. Ich hatte ein Kind zu Hause, was ich ja nie mitnehmen konnte, das war sicherlich das größte Pfand, was man haben konnte.

Dennoch hätte die Stasi auch ihre Briefe geöffnet. Später fand sie auch Einträge in ihrer Akte über Besuche einer Freundin, die zuvor in den Westen ausgewandert war.

Partnerin von "Bloch"

15 Jahre lang ist die heute 56-Jährige Ensemblemitglied am Deutschen Theater in Berlin und glänzt in Inszenierungen von Star-Regisseuren wie Frank Castorf oder Thomas Langhoff. Als ein neuer Intendant ihren Vertrag nicht verlängert, wechselt Krumbiegel wieder vor die Kamera. Dem TV-Publikum ist sie zum Beispiel als Partnerin an der Seite des mittlerweile verstorbenen Dieter Pfaff in der ARD-Serie "Bloch" bekannt. Im vergangenen Jahr brillierte sie auch im "Polizeiruf 110" – als verzweifelte Mutter, die ihren wegen Mordes verdächtigten Sohn verteidigt.

Abschied von den düsteren Mutterrollen

Ulrike Krumbiegel spielte viele Frauen, deren Kindern etwas zustößt – bis ihre eigene Tochter protestierte.

Ist wahrscheinlich schon ein bisschen komisch, wenn man als Mutter andere Leute umbringt oder am Grab trauert und das eigene Kind sieht es dann...

Krumbiegel ist daher auch froh, mittlerweile auch völlig andere Figuren zu spielen.

Mich reizt es, mit Regisseuren oder Kollegen zu arbeiten, die gute Sachen gemacht haben und die ich schätze. Es gibt aber auch Kollegen, mit denen ich nicht so gerne drehen möchte.

Das Gespräch zum Anhören:
Auf Kufen ins Bremer Theater – Schauspielerin Ulrike Krumbiegel [45:02 Minuten]

Moderation: Alexander Brauer

Dieses Thema im Programm: Bremen Zwei, 31. Dezember 2018, 13:05 Uhr

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