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Zwei nach Eins

Sven Rottenberg

Polizist und Ansprechpartner für Homosexuelle bei der Bremer Polizei

25. August 2017, 13:05 Uhr

Schwul-Sein bei der Polizei oder in der Bundeswehr? Das ist immer noch schwierig. Während seiner Zeit bei der Bundeswehr hat Sven Rottenberg noch Kameraden und Vorgesetzte aus Angst angelogen, wenn es um sein Privatleben ging. Inzwischen arbeitet er bei der Bremer Polizei und setzt sich dafür ein, dass das Thema dort grundsätzlich sensibler behandelt wird.

Sven Rottenberg [Quelle: Radio Bremen, Cengiz Tarhan]
Sven Rottenberg [Quelle: Radio Bremen, Cengiz Tarhan]

Seit mehr als einem Jahr ist Rottenberg "Ansprechpartner für gleichgeschlechtliche Lebensweisen" bei der Bremer Polizei. Er hilft in dieser Funktion Kollegen, die Fragen zum Thema Homosexualität haben: Soll ich mich outen? Wie mit Kollegen umgehen, die blöde Sprüche reißen? Rottenberg ist aber auch für Bürger ansprechbar. Denn Erfahrungen zeigen, dass manche Straftaten nicht zur Anzeige kommen, wenn das Opfer homosexuell ist und sich nicht zur Polizei traut. Gründe können Angst vor einem ungewollten Outing oder Angst vor Ressentiments der Beamten sein. Dann leistet Rottenberg Aufklärungsarbeit.

Viele haben ein gespaltenes Verhältnis zur Polizei

Erst 1994 wurde ein Paragraf aus dem Strafgesetzbuch gestrichen, der Homosexualität unter Strafe stellte, erläutert Rottenberg die Hintergründe:

Auch aus dieser Zeit gibt es noch Menschen, die die Polizei noch nicht als Freund und Helfer ansehen.

Seine Arbeit zeigt erste Erfolge. Ein Opfer homophober Gewalt konnte Rottenberg überzeugen, Anzeige zu stellen. Allerdings sprechen Studien von einer hohen Dunkelziffer: Fast 80 Prozent der Opfer gehen demnach nicht zur Polizei. "Da möchte ich ansetzen", sagt Sven Rottenberg. Die Menschen sollen der Polizei wieder vertrauen.

Angst, etwas auf die Nase zu bekommen

Rottenberg arbeitet bei der Verkehrsbereitschaft der Polizei. Sein Revier sind unter anderem Autobahnen und Schwertransporte, die begleitet werden müssen. Ein Viertel seiner Arbeitszeit darf er dem Thema Homosexualität widmen. Andere Bundesländer wie Niedersachsen haben schon solche Ansprechpartner – Bremen seit etwas über einem Jahr also auch. Während seiner Zeit bei der Bundeswehr log Rottenberg seine Kollegen noch an und erfand Diskobesuche, bei denen er Frauen kennenlernte. Er hatte Angst, dass sein Schwul-Sein rauskommt, Angst vor "Mobbing oder eine auf die Nase".

Faszination Flughäfen

In "Zwei nach Eins" gibt Sven Rottenberg einen breiten Einblick in sein Privatleben und berichtet, wie sein Outing bei Familie und Freunden funktionierte. Und er berichtet von einem eher ungewöhnlichen Hobby: Denn Sven Rottenberg baut Modell-Flughäfen in seiner Freizeit. Dabei setzt er sich bis ins Detail auch mit Bauvorschriften, korrekten Markierungen auf der Landebahn und den Laufwegen der Passagiere auseinander.

Moderation: Cengiz Tarhan

Das Gespräch zum Anhören:
Polizist Sven Rottenberg [34:46 Minuten]

Dieses Thema im Programm: Bremen Zwei, 25. August 2017, 13:05 Uhr

Mehr Informationen:

Sven Rottenberg wird Ansprechpartner für gleichgeschlechtliche Lebensweisen
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