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Zwei nach Eins

Simone Buchholz

Gewinnerin des Radio-Bremen-Krimipreises 2017

25. September 2017, 13:05 Uhr

Es war ein mittelmäßiger Tag im Leben von Simone Buchholz. Ein Tag, der im Klein-Klein des Alltags, zwischen Familien-Terminen und Haushalt zu versinken drohte. Doch ein "Pling" im E-Mail-Postfach hob Buchholz' Laune schlagartig. Da erfuhr sie, dass sie den Radio-Bremen-Krimipreis erhalten soll. "Ich habe mich wahnsinnig gefreut", so die Hamburger Autorin.

Eine Frau in einem blauen Kleid mit weißen Punkten steht lächelnd auf einer Straße. [Quelle: Achim Multhaupt Suhrkamp Verlag, Achim Multhaupt]
Simone Buchholz [Quelle: Achim Multhaupt Suhrkamp Verlag, Achim Multhaupt]

Simone Buchholz reiht sich in eine Reihe großer Namen ein. In den vergangenen Jahren wurde der Radio-Bremen-Krimipreis unter anderem an Liza Marklund, Arne Dahl oder Friedrich Ani verliehen. 2017 hat Buchholz nun mit ihrer Reihe um Staatsanwältin "Chastity Riley" die Krimipreis-Jury überzeugt. Dabei sei die Protagonistin ihrer Krimis niemand, der mit offenem Herzen auf Menschen zugeht, ist Buchholz überzeugt. Auch sie selbst habe ein bisschen gebraucht, um mit "Chastity Riley" warm zu werden.

Früher hatte ich immer das Gefühl, da läuft so eine komische Frau durch meine Wohnung, zieht nie ihre Jacke aus, weil sie immer auf dem Sprung ist. Und ich würde schon mal mit ihr einen trinken gehen, aber sie macht mir schon auch ein bisschen bange. Und inzwischen ist das ganz anders. Wir sind uns doch sehr nahe gekommen, und ich verstehe ganz viel von ihren Nöten, glaube ich.

"Chastity Riley", Tochter eines amerikanischen Offiziers, ist Staatsanwältin, lebt in Hamburg und treibt sich in ihrer Stadt häufig um die Hafenbecken der Hansestadt herum. Die Namen ihrer Figuren findet Buchholz übrigens häufig beim FC St. Pauli oder ganz klassisch in ihrem Freundeskreis.

Dorf gegen Großstadt eingetauscht

Geboren wurde die Wahl-Hamburgerin in Hanau, aufgewachsen ist sie im Spessart. "Sehr frei", sagt Simone Buchholz und hat fast ein schlechtes Gewissen gegenüber dem eigenen Sohn, der auf St. Pauli groß wird.

Es gibt so einen Spielplatz bei uns vor der Tür, da stehen hinten so ein paar verkrüppelte Bäume. Und als die Kinder klein waren, haben die auf dem Spielplatz immer gesagt "Komm wir gehen in den Wald!". Und dann dachten immer alle Eltern: "Um Gottes Willen. Verdammt! Wir müssen umziehen!".

Als Teenager war das Dorfleben aber natürlich "die Hölle", schmunzelt Simone Buchholz. Busfahren, um in Kneipen abzuhängen, dann wieder jemanden finden, der einen nachts nach Hause bringt. Oder selber mit dem Mofa fahren. Weil Alkohol dann aber nicht drin war, musste es der exzessive Griff zum Glimmstengel für Simone Buchholz sein.

Hamburg zieht sie magisch an

Mit 21 Jahren folgte dann erst einmal ein Umzug nach Würzburg. Aber: Das ist noch nicht die große weite Welt, stellte die junge Studentin fest und zog weiter nach Hamburg.

Ich bin nach Hamburg, weil ich so furchtbaren Liebenskummer hatte. Ich musste abhauen. Ich hatte das Bedürfnis, weit weg zu gehen.
Cover: Beton Rouge [Quelle: Suhrkamp Verlag]
"Beton Rouge", Suhrkamp Verlag, 2017 [Quelle: Suhrkamp Verlag]

Sie fuhr zu Tante Anne, blieb vier Wochen und entschied: "Hier gehöre ich hin." Sie besuchte die renommierte Henri-Nannen-Journalistenschule, lernte zu recherchieren und das Handwerkszeug zum guten Schreiben. Stück für Stück zog sie erst von der Alster nach Eimsbüttel und schließlich nach St. Pauli. Ein Ort, an dem ihr Sohn inmitten aller Farben der Gesellschaft aufwächst und lernen konnte, dass es Armut gibt und viele verschiedene Lebensweisen.

"Chick-Lit" für die Rockstar-Biografie

Rund 15 Jahre arbeitete Buchholz als freie Autorin für Frauen-Magazine. Bevor sie aber mit ihren Krimis richtig durchstartete, schrieb die Autorin Bücher über "Die erste Liebe" oder ein "Orgasmus-Buch", sogenannte "Chick-Lit" für Mädchen und junge Frauen.

Es fliegt mir regelmäßig wieder um die Ohren, und das ist auch richtig so. Das gehört zu einer Rockstar-Biografie dazu!

Mit einer Kurzgeschichte fing sie später an, sich im Krimi-Genre auszuprobieren. Buchholz' Agent nervte so lange, bis die Wahl-Hamburgerin daraus einen Roman schrieb. Kein richtig guter, sagt Buchholz, aber ihr Interesse war geweckt und "Chastity Riley" trat langsam in ihr Leben.

So seit dem fünften Band der Riley-Reihe weiß ich ungefähr, wo die Reise hingehen soll. Mit "Beton Rouge", dem siebten Band, weiß ich nicht nur, wo die Reise hingehen soll, jetzt habe ich auch mein Gepäck gefunden, das ich dafür packen muss.

In "2 nach 1" verrät Buchholz, warum das Wetter in Hamburg so gut ist und warum "auf die Schnauze fallen" so wichtig ist. Und sie stellt klar: St. Pauli ist ein Dorf in der Stadt. Und wie geht es mit Riley weiter? Dazu kann Buchholz noch nicht viel sagen, da das Buch noch nicht geschrieben ist. Aber eines kann sie verraten: Es geht nach Bremen! Zunächst kommt sie aber erst einmal selber nach Bremen, um am 30. September um 19 Uhr im Finndorffer Bücherfenster aus ihrem aktuellen Krimi "Beton Rouge" zu lesen.

Das Gespräch zum Anhören:
Krimipreisträgerin 2017 Simone Buchholz [36:31 Minuten]

Moderation: Britta Lumma

Dieses Thema im Programm: Bremen Zwei, 25. September 2017, 13:05 Uhr

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