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Zwei nach Eins

Roger Willemsen (†)

Publizist

7. Februar 2018, 13:05 Uhr

Nur wenige Monate nachdem er seine Krebserkrankung öffentlich gemacht hatte, starb Roger Willemsen im Alter von 60 Jahren. Er zählte zu den bekanntesten Intellektuellen unserer Zeit, der trotzdem bodenständig geblieben war. Zu seinem 2. Todestag am 7. Februar 2018 wiederholen wir ein Gespräch mit Willemsen, das wir kurz vor seiner Erkrankung aufgezeichnet haben.

Roger Willemsen [Quelle: DPA, Arno Burgi]
Roger Willemsen [Quelle: DPA, Arno Burgi]

Sechs Jahrzehnte Roger Willemsen. Kurz bevor seine Krebserkrankung öffentlich wurde, erschien ein Buch der Autorin Insa Wilke, das seinen Lebensweg mit allen verschiedenen Stationen beschreibt: "Der leidenschaftliche Zeitgenosse. Zum Werk von Roger Willemsen", erschienen am 13. August 2015, zwei Tage vor seinem 60. Geburtstag. Es enthält frühere Texte von Roger Willemsen, die noch keiner kannte: Zum Beispiel seine Abiturrede aus dem Jahr 1976.

Bei einem so abwechslungsreichen Leben kann dem Leser schon mal schwindelig werden. Roger Willemsen selbst behielt aber stets den Überblick.

Ich arbeite mit Leidenschaft. Und solange man am Faden der Leidenschaft arbeitet, fällt einem alles leicht. Dann sind am Ende plötzlich viele Fäden da – das Reisen, das Kulturhistorische, das Politische und das Filmische – die gehen so durcheinander. Aber es fühlt sich nicht so richtig schwierig an!"

(Roger Willemsen im August 2015 im Nordwestradio)

Den Moment genießen

Mit 60 innehalten und zurückschauen oder rastlos weiter den Blick nach vorne werfen? Nein, das sei ein Moment zum Innehalten, sagte Willemsen im August 2015 im Nordwestradio. Ein wichtiger Begriff war für ihn "Vergegenwärtigung": Einfach mal in die Bäume gucken, am Fluss oder am Meer sitzen. Ein wenig "verrentnert". Für den Publizisten ein angenehmer Zustand, der das Leben verdichtet. Er sei zwar immer noch entflammbar, aber die ganz großen Abenteuer müsste er jetzt nicht mehr haben, so Willemsen im Sommer 2015.

Adorno auf dem Pausenhof

Als Schüler beschrieb sich Roger Willemsen so:

Langhaariger Kiffer, der irgendwie zur Gang gehörte. Schwierige Texte las und schwierige Musik hörte – Jazz. Aber nicht Streber war. Also eher zur Bohème gehörte. Eher zu denen gehörte, die außerhalb der Schule wichtig waren, aber nicht innerhalb.

(Roger Willemsen im August 2015 im Nordwestradio)

Auf dem Pausenhof wurde damals Adorno gelesen. Man verstand ihn zwar nicht, aber man hat sich gegenseitig Stellen aus dem Buch lachend vorgelesen, erinnerte sich Willemsen. Bereits zu dieser Zeit steckte der junge Roger seine Fühler Richtung Journalismus aus. Einer seiner ersten Arbeitgeber war damals Radio Bremen: Sechsmal für jeweils eine halbe Stunde sendete der Kirchenfunk seine geschriebenen Streitdialoge. Er dachte sich damals: "Wenn das öffentlich-rechtliches Senden ist, na dann: Hurra!"

Scheitern erlaubt

Nach dem Abitur studierte der Grimme-Preisträger Germanistik, Philosophie und Kunstgeschichte in Bonn, Florenz, München und Wien. Seine Habilitation brach er ab und ging für ein halbes Jahr nach Südost-Asien und anschließend für drei Jahre nach London, um als Journalist zu arbeiten. "Das Beste, was mir passieren konnte" war sein Fazit. Auch das Scheitern sei eine wichtige Lebenserfahrung, so Willemsen.

In Erinnerung an Roger Willemsen

Im Sommer 2015, wenige Tage vor seinem 60. Geburtstag und der Bekanntgabe seiner Krebserkrankung, blickte Roger Willemsen in der Sendung "Zwei nach Eins" im damaligen Nordwestradio (heute Bremen Zwei) zurück auf seine Abenteuer und sein Werk: Wie reagierten Mitschüler und Lehrer damals auf seine flammende Abiturrede, was war der häufigste Satz in seinen Tagebüchern aus seiner Zeit in London, und warum verreiste er am liebsten alleine? Das alles beantwortete der Publizist in "Zwei nach Eins". Das Gespräch wiederholen wir anlässlich seines zweiten Todestages am 7. Februar 2018.

Das Gespräch zum Anhören:
In Erinnerung – Publizist Roger Willemsen (†) [32:36 Minuten]

Moderation: Tobias Nagorny

Dieses Thema im Programm: Bremen Zwei, 7. Februar 2018, 13:05 Uhr

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