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Zwei nach Eins

Peter Valtink

Geschäftsführer der Bremer "Suppenengel"

21. Dezember 2017, 21:05 Uhr

Im Winter 1997 erfror in der Nähe des Bremer Hauptbahnhofs ein Obdachloser. Er wollte in einer Ecke des Bahnhofs übernachten, wurde vertrieben und starb draußen in der eisigen Kälte. Das war der Gründungsmoment der Bremer Suppenengel. Geschäftsführer Peter Valtink kam selbst als Arbeitsloser dazu. Heute sucht er ein neues Haus für den Verein.

Peter Valtink [Quelle: Radio Bremen, Annika Beil]
Peter Valtink [Quelle: Radio Bremen, Annika Beil]

Seit 20 Jahren versorgen die Ehrenamtlichen des Vereins "Die Bremer Suppenengel" Bedürftige mit Nahrung, Kleidung und Hilfen im Alltag – zum Beispiel bei Arztbesuchen oder Behördengängen. Geschäftsführer Peter Valtink ist eigentlich Doktor der Physik, ein Mann der Zahlen, ein Manager. Bis 2010 war er selbstständig – er leitete ein eigenes Unternehmen. Doch dann geschah das, wovon er heute sagt, "es kann jedem von uns passieren": Er verlor seinen Job.

Die Suppenengel kannte er aus seiner Nachbarschaft in der Bremer Neustadt, wo sie in der Küche der Jakobi-Gemeinde täglich Essen für inzwischen bis zu 350 Personen zubereiten. "Ich wollte wenigstens ein paar Stunden am Tag etwas Sinnvolles tun", sagt Valtink heute über seinen ersten Kontakt zu den Bremer Suppenengeln. Also ging er einfach mal hin – und er blieb.

Viel zu tun für helfende Hände

Heute, als Geschäftsführer, beobachtet er immer wieder, dass es Ehrenamtlichen nach dem ersten Kontakt ähnlich geht.

Man wird hier mit offenen Armen empfangen. Die helfende Hand wird immer gesucht. Und es finden sich sehr schnell Aufgaben, die zu jedem passen, der etwas tun möchte.
Bahnhofsvorplatz [Quelle: Radio Bremen, Denise Nestler]
Am Bahnhofsvorplatz geben die Suppenengel regelmäßig Essen aus. [Quelle: Radio Bremen, Denise Nestler]

Die Jobs bei den Suppenengeln sind vielfältig: die Vorbereitung, das Kochen und die Verteilung der Mahlzeiten, die Betreuung der Kleiderkammer, das Einwerben von Spenden oder Behördengänge gemeinsam mit den "Kunden", wie Valtink die Gäste der Suppenengel nennt. Denn viele Menschen, die keinen Wohnsitz und keinen Alltag mehr haben, tun sich schwer damit, sich eigenständig um ihre Belange zu kümmern. Mit einem Alkohol- oder Drogenkranken einen Termin auf einem Amt zu vereinbaren, um einen Ausweis zu beantragen? "Unmöglich", sagt Valtink.

Und so planen wir auch nicht. Wir gehen da einfach hin. Im Zweifel bleiben wir so lange, bis wir die Dokumente haben, die unsere Kunden brauchen, um zum Beispiel weitere Hilfen zu beantragen. Und ich bin sehr oft positiv überrascht, wie sehr uns die Mitarbeiter entgegenkommen. Wie so oft im Leben muss man halt einfach miteinander reden.

An der Grenze des Lebens

Natürlich gibt es Fälle, in denen Hilfe nicht so einfach zu leisten ist: Kunden zum Beispiel, die über viele Jahre die Hilfe der Suppenengel in Anspruch nehmen und eines Tages einfach nicht mehr wiederkommen. "Wir sind im Kontakt mit anderen Institutionen, die mit Obdachlosen arbeiten, und wir unterrichten uns dann gegenseitig, was mit der- und demjenigen los ist", sagt Valtink. Vier- bis fünfmal im Jahr bekommt er die Nachricht, dass ein Kunde verstorben ist. "Klar geht das jedes Mal an die Nieren", so Valtink.

Schließlich hat man denjenigen über mehrere Jahre gut gekannt und auch immer mal miteinander gescherzt und den ein oder anderen dummen Spruch ausgetauscht. Das macht einen immer wieder betroffen – und das bleibt auch so. Trotz aller Professionalität.

Ein Haus für die Suppenengel

Mobiler Lebensmitteltransport [Quelle: Radio Bremen, Denise Nestler]
Mit Lastenrädern wird das Essen zu den Verteilstellen gebracht. [Quelle: Radio Bremen, Denise Nestler]

Die Zahl der Kunden, die die Bremer Suppenengel täglich versorgen, ist in den vergangenen Jahren gestiegen: "Auch viele Alleinerziehende, Rentner oder Einwanderer kommen jetzt zu uns", sagt Valtink. Deshalb suchen die Suppenengel nach einem neuen Gebäude, damit die neue, größere Einbauküche, die bereits im Keller lagert, auch installiert werden kann. Denn bislang kochen die Suppenengel auf nur einer Herdplatte. Pünktlich zum 20-jährigen Bestehen haben die Suppenengel deshalb nun eine große Spendensammlung gestartet.

Das Gespräch zum Anhören:
"Suppenengel" Peter Valtink [30:24 Minuten]

Moderation: Stephanie Giese

Dieses Thema im Programm: Bremen Zwei, 21. Dezember 2017, 21:05 Uhr

Mehr Informationen:

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