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Zwei nach Eins

Orhan Müstak

Schauspieler

17. April 2018, 13:05 Uhr

Wenn er derzeit die Bretter seiner Theaterbühnen betritt, tun sich für Schauspieler Orhan Müstak Parallelen zu seiner ganz eigenen Geschichte auf. Vom Ankommen in einem fremden Land, von Träumen und enttäuschten Hoffnungen handelt das Ein-Personen-Stück "Dreck", mit dem der 33-Jährige gerade in Oldenburg zu sehen ist.

Orhan Müstak kam Mitte der Neunziger Jahre in Deutschland an. Zwölf Jahre war er damals alt, und seine kurdische Familie war aus dem osttürkischen Krisengebiet vor Folter und großem Leid geflohen.

Ich selber habe es ganz genau mitgekriegt, wie das Militär wöchentlich in unser Dorf reinmarschiert ist mit ihren Panzern. Wie es unsere Häuser und Wohnungen auseinander genommen hat, kurdische (Musik-)Kassetten zerstört hat. Dann hatten wir gar keine Musik, oder sie haben türkische Kassetten reingetan, damit sie unsere Sprache verbieten und assimilieren mit der türkischen Sprache.
Orhan Müstak [Quelle: Radio Bremen, Kristin Hunfeld]
Orhan Müstak [Quelle: Radio Bremen, Kristin Hunfeld]

Mustaks Familie wurde mit Waffen bedroht und gefoltert, im Alltag fehlte es am Nötigsten, wie fließendem Wasser. Die Müstaks beantragten Asyl im sicheren Deutschland, und so kam Orhan Müstak nach Niedersachsen und verbrachte seine Teenager-Jahre in Berne bei Oldenburg.

"Dreck" im "Theater hof/19".

An der deutschen Schule arbeitete sich Müstak von der Hauptschule bis zur Fachhochschulreife vor. In Lemwerder und Oldenburg entdeckte er Jugendtheatergruppen, sammelte Erfahrungen und wurde schließlich an der Hochschule für Musik und Theater Rostock aufgenommen.

"Dreck" auf der Bühne

Das Stück feierte in Oldenburg am 13. April Premiere im "Theater hof/19". Weitere Aufführungen finden am 17., 18. und 21. April statt. Beginn ist jeweils um 20 Uhr.

Dort hörte er erstmals von Robert Schneiders Theaterstück "Dreck", mit dem Müstak derzeit unterwegs ist. Darin hält der arabisch-stämmige Erzähler "Sad", der sich als Rosenverkäufer durchschlägt, einen Monolog, der vom Ankommen in Deutschland handelt, aber auch vom Abgelehnt-Werden. Eine Geschichte, mit der sich auch Orhan Müstak mit seiner Migrationsgeschichte gut identifizieren kann. Kein Wunder, dass ihm dieses Solo-Stück besonders am Herzen liegt.

Das ist das Krasse an diesem Theaterstück: Das wurde in den Neunziger Jahren, 1991, geschrieben, und seit so vielen Jahren hat sich leider nichts an dieser Situation geändert. Es ist immer noch hochaktuell, und ich glaube, dieses Stück wird auch mindestens in den nächsten zehn Jahren aktuell bleiben.

Angekommen – in Oldenburg und im Schauspielerleben

Aber immer nur den Ausländer zu spielen, darauf will sich der 33-jährige Müstak nicht festlegen lassen. Als Ensemble-Mitglied im Theater in Freiburg hat Müstak in Produktionen wie "Michael Kohlhaas" und "Werther" bewiesen, dass er auch das klassische Theaterfach beherrscht. Am plattdeutschen Ohnsorg-Theater hat sich Orhan Müstak ebenso beweisen können wie vor den Fernsehkameras der Sat1-Produktion "Danni Lowinski" oder der ZDF-Produktion"SOKO München". Er ist angekommen – in seiner Heimatstadt Oldenburg und im Schauspielerleben.

In "Zwei nach Eins" erzählt Orhan Müstak davon, was seine kurdische Familie erlebt hat, wie er seinen Weg in Deutschland gefunden hat und verrät, in welchen Rollen er noch schlüpfen will.

Das Gespräch zum Anhören:
Hochaktuell mit "Dreck" – Schauspieler Orhan Müstak [33:48 Minuten]

Moderation: Kristin Hunfeld

Dieses Thema im Programm: Bremen Zwei, 17. April 2018, 13:05 Uhr

Mehr Informationen:

Schauspieler Edin Hasanović Schauspieler und Autor Mathias Kopetzki Schauspieler Benno Fürmann
Zwei nach Eins
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