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Zwei nach Eins

Milo Rau

Theaterregisseur

12. Februar 2018, 13:05 Uhr

Milo Raus Inszenierungen sind streitbar. "Die Zeit" beschrieb ihn als "den einflussreichsten Regisseur des Kontinents". Auf der Suche nach Tabubruch und Terror bewegt sich der Theaterregisseur zwischen den aktuellen Themen der letzten 50 Jahre. Was ist der Mensch? Wann kommt das Beste zum Vorschein und wann seine Abgründe?

Milo Rau [Quelle: DPA, Keystone/AP Photo/Urs Flueeler]
Milo Rau [Quelle: DPA, Keystone/AP Photo/Urs Flueeler]

Der in der Schweiz geborene und aufgewachsene Milo Rau schafft Ereignisse außerhalb der klassischen Inszenierung mit Schauspielern und Bühnenbild. Sein Projekt "Das Kongo-Tribunal" ist mit "richtigen Akteuren" – Anwälten der Region, Anwälten aus Den Haag und von Menschenrechtsorganisationen – besetzt und findet nicht auf einer Theaterbühne statt.

Stattdessen wurden Rebellenführer und Minister inmitten des Bürgerkriegsgebietes im Kongo vor dieses Volktribunal gebracht und das gesamte Tribunal gefilmt. Das war nicht ganz ungefährlich, denn zwei Experten wurden dabei entführt, kamen aber später wieder frei. Dass es ihm gelungen ist, die Verantwortlichen für Bürgerkrieg und Korruption zur Teilnahme eines solchen Ereignisses zu bewegen, erklärt sich der Regisseur so:

Diese Menschen, in solchen Regionen, in denen die Demokratie sehr schwach ist, sind es gewohnt, eigentlich alles sagen zu können, und sie kommen damit durch. Sie waren teilweise auch sehr erstaunt, dass sie wirklich hart befragt worden sind, unterbrochen wurden und zum Schluss entlassen wurden. Auf der anderen Seite glaube ich, dass sie sich tatsächlich im Recht fühlten und dass sie deshalb teilgenommen haben.

Mit künstlerischer Freiheit nahe an die Realität

Milo Rau möchte eintauchen in Realitäten, um einen wirklichen Blick dafür zu bekommen. Er möchte Ungerechtigkeiten bekämpfen und herausfinden, warum diese überhaupt geschehen können. Dies ist ihm mit dem Film "Das Kongo Tribunal" gelungen. Das Projekt rüttelt auf und stellt Fragen, die jeder für sich beantworten muss.

Tabus gibt es für ihn wenige. Nur beim Thema Gewalt wird er gerade. Gewalt gegen Kinder und körperliche Gewalt überhaupt verwirren ihn, das kann er sich nicht erklären.

Der Gewalt-Instinkt – der fehlt mir ziemlich.

Seine Protagonisten vertrauen ihm seit 15 Jahren. Er selbst ist erstaunt, wie wenig eigentlich ernsthaft passiert ist. In einige Länder darf er nicht mehr einreisen, aber schwerwiegende Konsequenzen, gar lebensbedrohliche, gab es bisher nicht.

Sein Lebensprinzip? Vorwärtspanik

Milo Rau ist ein Macher und weltweit unterwegs. Mit seinen Ideen nach vorne zu gehen hat er durch seine Mentoren – Professoren und Schauspieler – gelernt. Nur auf die Bühne tritt er selten. Er agiert meist aus dem Hintergrund, unterstützt und leitet, denn die Hauptakteure wissen, was zu tun ist, sagt er. Seine Arbeit betrachtet er dabei nicht als Arbeit, sondern als natürlichen Handlungsantrieb.

Ich glaube, es ist eine Art Gier. Ich nenne das ab und zu Vorwärtspanik. Es ist eine Gier, immer noch was zu machen, immer noch was hinzulegen.

Das ist sein Lebensprinzip. Milo Rau braucht dieses Gefühl, dass ständig immer jemand etwas von ihm will. Dabei bleibt der kreative Schweizer, der sich mit den schwierigen Themen des Völkermords in Ruanda, den Millionentoten im Kongo und Kindermördern in Belgien beschäftigt hat, ruhig und angenehm entspannt.

Das Gespräch zum Anhören:
Der Tabubrecher – Theaterregisseur Milo Rau [36:14 Minuten]

Moderation: Timo Grampes

Dieses Thema im Programm: Bremen Zwei, 12. Februar 2018, 13:05 Uhr

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