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Zwei nach Eins

Michael Schulte-Markwort

Kinder- und Jugendpsychiater

7. September 2017, 21:05 Uhr

Was fehlt unseren Kindern? Der Hamburger Kinder- und Jugendpsychiater Michael Schulte-Markwort kennt die Antwort. Er sagt: Eigentlich könnten wir Erwachsenen sehr zufrieden darüber sein, wie sich unsere Kinder in den vergangenen Jahren entwickelt haben. Die Probleme sieht er eher in zweifelhaften Vorbildrollen, die Eltern und Schulen übernehmen.

Michael Schulte-Markwort [Quelle: Radio Bremen, Christian Erber]
Michael Schulte-Markwort [Quelle: Radio Bremen, Christian Erber]

Wir leben in einer Leistungsgesellschaft, in der immer mal wieder propagiert wird, dass Stagnation Stillstand bedeutet. Deswegen täten sich Eltern schwer, sich dem allgemeinen Erziehungsehrgeiz zu entziehen, so Michael Schulte-Markwort. Die Folge: immer mehr Kinder fühlten sich ausgebrannt und überfordert.

Das richtige Maß finden

Wenn Eltern sich im dritten Lebensjahr ihres Kindes schon Gedanken darüber machen, auf welchem Weg es wohl später Abitur macht, wenn Dreijährige plötzlich chinesisch lernen oder unbedingt zu einem Instrument gezwungen werden sollen – all das hält der Hamburger Kinderpsychiater für übertrieben.

Und wenn Eltern auf den Smartphones ihrer Kinder eine App installieren, mit der sie immer sehen können, wo das Kind sich gerade aufhält – dann, denke ich, ist das Maß komplett überschritten. Es gibt einen wichtigen Satz bei uns in der Klinik und der heißt: Kontrolle ist gut, Vertrauen ist besser. Weil nur so Beziehungen entstehen und Kinder überhaupt Vertrauen gewinnen können.

Mitten ins Herz

Seinen Job macht Schulte-Markwort auch nach mehr als 25 Jahren immer noch genauso gerne wie am ersten Tag. Dass seine jungen Patienten ihm ihr Vertrauen schenken, sich ihm öffnen, das sei für ihn ein großes Geschenk. Von Routine kann trotzdem keine Rede sein. Täglich in seelische Abgründe zu blicken – das hinterlässt Spuren. Da fließen nach Feierabend schon mal die Tränen, verrät er:

Ich verstehe die Kinder ja nur, wenn ich sie komplett in mein Herz lasse. Sonst verstehe ich die nicht. Das ist also nicht nur eine Frage von Kognition. Dann ist es manchmal so, dass ich das Gefühl habe, ich laufe gerade etwas voll. Und dann brauche ich ein Ventil zu Hause.

Warum  inzwischen sogar schon Grundschüler unter Burnout leiden, warum "Superkids" vielen Eltern nicht mehr genügen, und warum Psychiater für ihn weniger Beruf, sondern mehr Berufung ist – das und mehr erzählt Michael Schulte-Markwort in "Zwei nach Eins".

Das Gespräch zum Anhören:
Kinderpsychiachter Michael Schulte-Markwort [35:08 Minuten]

Moderation: Christian Erber

Dieses Thema im Programm: Bremen Zwei, 7. September 2017, 21:05 Uhr

Mehr Informationen:

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