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Zwei nach Eins

Marko Letonja

Designierter Generalmusikdirektor Bremens

1. Februar 2018, 21:05 Uhr

Seine Arbeit bezeichnet der designierte Generalmusikdirektor Bremens als bezahltes Hobby. Marko Letonja dirigiert in den großen internationalen Konzert- und Opernhäusern und leitet derzeit das tasmanische Symphonie-Orchester und die Straßburger Philharmoniker.  Im Sommer beginnt er seine neue Aufgabe in Bremen.

Marko Letonja [Quelle: Bremer Philharmoniker , Sean Fenness]
Marko Letonja [Quelle: Bremer Philharmoniker , Sean Fenness]

Die Bremer Philharmoniker kennen und schätzen Marko Letonja als Gastdirigent bereits seit einem guten Jahrzehnt. So wurde er auch ihr Wunschkandidat als Generalmusikdirektor. Diese Liebe beruht auf Gegenseitigkeit. Für Marko Letonja muss vor allem die Chemie stimmen zwischen Dirigent und Orchester.

Es ist wie bei einem Flirt. Wenn man merkt, dass man sich mit einem Menschen versteht. Es geht um das Übertragen von Energie und Emotionen. Man muss sich gegenseitig inspirieren oder auch verführen lassen.

"The Doors" und "Led Zeppelin"

Marko Letonja wurde 1961 in Slowenien geboren. Die Liebe zur Musik entdeckte er als 3-Jähriger, obwohl er kaum die Tasten erreichen konnte, als er zum ersten Mal vor einem Flügel stand. Klavierunterricht folgte sechs Jahre später, allerdings musste ihn die Mutter zum Üben antreiben. In der Schulband spielte er Klavier, Bass oder Drums – am liebsten Songs von "The Doors" und "Led Zeppelin".

Mit einem Zirkus flüchtete er aus dem Balkankrieg

Nach dem Abitur wollte Marko Letonja aber erst einmal Zahnarzt werden. Doch der Formaldehyd-Geruch beim Tag der offenen Tür an der Universität Ljubljana schreckte ihn ab und er bewarb sich stattdessen für die Musikakademie. Er studierte in Ljubljana und in Wien und wurde 1991 Musikdirektor der slowenischen Philharmonie in Ljubljana. Im selben Jahr brach der Balkankrieg aus.

Ich hatte ein Engagement an der "Arena di Verona". Ich musste dort "Romeo und Julia" dirigieren.  Aber die Grenzen waren geschlossen. Und ich kam an eine Grenze und habe dort Wohnwagen gesehen und große Laster und in einem war ein Löwe. Es war der Zirkus "Orfei", mit dem ich dann gemeinsam aus Jugoslawien geflüchtet bin.

Abschied von den Känguruhs

Seit fünf Jahren leitet Marko Letonja das tasmanische Orchester in Hobart und das "Philharmonie Orchester Straßburg". Aus dem australischen Hobart wird er sich demnächst verabschieden. Nicht nur Orchester und Publikum werden ihn vermissen, sondern vermutlich auch die Kängurus und Opossums, die ihn dort regelmäßig in seinem Garten besuchen.

In Bremen möchte Marko Letonja neue Formate ausprobieren und Barrieren zwischen Orchester und Publikum aufbrechen. Er bringt viele Ideen mit, aber vor allem seine Liebe zur Musik.

Ich bin sehr glücklich, dass es Menschen gibt, die wir mit dem, was wir machen, emotiv verführen können nach einem schweren Tag. In einer schwierigen Welt, wie wir sie gerade erleben, ist es unsere Aufgabe zu sagen, Musik ist die Sprache, die jeder verstehen sollte oder könnte.

Das Gespräch zum Anhören:
"Musik überträgt Energie und Emotionen" – Bremens neuer Generalmusikdirektor Marko Letonja [38:29 Minuten]

Moderation: Christine Gorny

Dieses Thema im Programm: Bremen Zwei, 1. Februar 2018, 13:05 Uhr

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