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Zwei nach Eins

Manfred Bruns

Bundesanwalt a.D. und Homosexuellen-Aktivist

28. Dezember 2017, 13:05 Uhr

Als der Bundestag am 30. Juni 2017 die "Ehe für alle" beschloss, wurde auch sein Lebenswerk gekrönt. "Eine wahnsinnige Erleichterung, ein Aufatmen und sehr schön", freute sich Manfred Bruns über diese denkwürdige, politische Entscheidung. Denn als Bundesanwalt in Karlsruhe kämpfte er nach seinem Outing jahrzehntelange für die Rechte Homosexueller.

Manfred Bruns [Quelle: privat]
Manfred Bruns [Quelle: privat]

In "Zwei nach Eins" kommen in dieser Woche Menschen zu Wort, deren Leben uns in diesem Jahr zum Staunen gebracht hat. Manfred Bruns war ein Mann, der alles zu haben schien: Eine Bilderbuchkarriere als Bundesanwalt, er war verheiratet und hat drei Kinder. Doch in der Mitte seines Lebens wird ihm klar: Er kann so nicht weiterleben. Er ist schwul und will das nicht länger verstecken, vertuschen und verheimlichen. Und so wird der strebsame Beamte plötzlich zum Vorkämpfer in der damals sehr abschätzig behandelten Schwulen-Bewegung.

Als ich mein öffentliches Coming-Out hatte, hat mein Dienstvorgesetzter, das war der Justizminister, prüfen lassen, ob gegen mich ein Disziplinarverfahren einzuleiten ist.

"Ehe für alle"

Am 30. Juni 2017 hat der Bundestag die Öffnung der Ehe für gleichgeschlechtliche Paare beschlossen. 393 Abgeordnete, darunter 75 aus der Union, stimmten dafür, nachdem SPD, Grüne und die Linke einen Gesetzentwurf der Länder auf die Tagesordnung gesetzt hatten. Der Grüne Volker Beck dankte Manfred Bruns in seiner Rede für dessen Engagement.

Kämpfer gegen § 175

Manfred Bruns setzte sich viele Jahre für die komplette Abschaffung des Strafrechtsparagrafen 175 ein, der sexuelle Handlungen zwischen Männern in Deutschland lange Jahre immer noch unter Strafe stellte. Sein großes Leitmotiv: Er hat so lange seine Homosexualität verstecken müssen, solche Lebensläufe sollen sich nicht wiederholen. Deshalb hat er auch die Lebenspartnerschaft mitentwickelt und in einem jahrelangen Kampf gegen alle Widerstände durchgeboxt. Ein Schritt in die richtige Richtung, fand er.

Es gab damals sehr viele Leute, die gesagt haben: "In meinem Umfeld gibt es keine Lesben und Schwulen, ich kenne überhaupt niemanden." Und da haben wir gesagt: "Wenn wir die Lebenspartnerschaft haben, werden dadurch zwangsläufig die Lesben und Schwulen sichtbar."

2017: Öffnung der "Ehe für alle"

Seit 2001 gab es hierzulande das Lebenspartnerschaftsgesetz, dass es auch Menschen mit homosexueller Orientierung ermöglichte, eine eheähnliche Verbindung einzugehen. Doch gleichgeschlechtliche Paare hatten damit vor allem viele Pflichten und wenig Rechte. Fortschritte wurden erst durch Nachbesserungen in Gesetzen oder durch Gerichtsurteile erstritten. Nur – der Status "Ehe" fehlte noch. Mitte 2017 brachte Kanzlerin Angela Merkel das Thema unfreiwillig ins Rollen, und eine fraktionsübergreifende Allianz aus SPD, Grünen und Linkspartei setzte das Thema am Ende der Wahlperiode auf die Tagesordnung des Bundestags. In einer historischen Entscheidung stimmt der Bundestag für die "Ehe für alle".

Das ist etwas, wo wir seit 30 Jahren drauf hingewirkt haben, und wenn es dann endlich kommt, ist das eine wahnsinnige Erleichterung, ein Aufatmen und – ja, sehr schön!

Privat ist Bruns übrigens noch immer mit seiner Frau verheiratet. Auch wenn er mit seinem Partner seit über 20 Jahren Tisch, Bett und Haushalt teilt. Sein Partner kocht, Manfred Bruns macht die Wäsche.

Ich habe insgesamt ein gutes Gefühl, dass ich doch meinen Teil dazu beigetragen habe, dass ein Teil von dem, was ich mir vorgenommen habe, auch verwirklicht wurde.
Manfred Bruns [Quelle: Manfred Bruns, Gustavo Alàbiso]
Kämpfte jahrelang für die Rechte von Schwulen und Lesben: Manfred Bruns [Quelle: Manfred Bruns, Gustavo Alàbiso]

Für seinen Kampf für die Rechte Homosexueller hat Manfred Bruns inzwischen viele Preise bekommen, unter anderem das Bundesverdienstkreuz. Sein ungewöhnlicher Lebenslauf und sein Mut, für sich und seine Überzeugungen auch gegen Mehrheiten zu stehen – das alles ist Thema im "Zwei nach Eins"-Gespräch.

Das Gespräch zum Anhören:
Kämpfte für die "Ehe für alle" – Manfred Bruns [37:01 Minuten]

Moderation: Julia Meichsner

Dieses Thema im Programm: Bremen Zwei, 27. Dezember 2017, 13:05 Uhr

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