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Zwei nach Eins

Johanna Gastdorf

Schauspielerin

23. August 2017, 13:05 Uhr

Johanna Gastdorf fühlte sich als erster Sommergast von Bremen Zwei pudelwohl: "Als ich hier vorhin ins Bremer Theater kam, habe ich gleich nach den Garderoben gefragt. Das ist der typische Theatergeruch, der Stallgeruch". Also Heimspiel für die Schauspielerin, die so lange an Theatern gearbeitet hat.

Eine blonde Frau sitzt mit einem Mikrofon in der Hand vor einem violetten Plakat mit weißer Schrift. [Quelle: Radio Bremen, Laura Pientka]
Johanna Gastdorf schilderte, wie es ist, Theater- UND Filmschauspielerin zu sein. [Quelle: Radio Bremen, Laura Pientka]

Johanna Gastdorf gehört zu den vielbeschäftigten Darstellerinnen im deutschen Fernsehen, dabei hat sie sich erst spät für den Sprung vor die Kameras entschieden. Ihre erste Karriere hat Johanna Gastdorf am Theater gemacht: Ein Vierteljahrhundert spielte sie auf großen deutschen Bühnen, um dann mit Sönke Wortmanns "Wunder von Bern" ihre beeindruckende Filmkarriere zu starten. "Wenn jetzt ein Schauspieler hier am Bremer Theater ausfallen würde, könnten Sie sofort einspringen?", fragte Moderator Alexander Brauer? "Ja. Aus Gerhard Hauptmanns "Die Ratten" Selma Knobbe. Der letzte Monolog von Selma, den könnte ich immer noch", schmunzelte Gastdorf.

Johanna Gastdorf war unser Sommergast [4:04 Minuten]

Bekannt durch das "Wunder von Bern"

Grundsätzlich ist die Schauspielerei am Theater laut Gastdorf komplett anders als am Filmset. Manchmal hat sie damit sogar Mühe: "Weil ich nicht so großen Einfluss habe". Privat geht Johanna Gastdorf nicht mehr so oft ins Theater, da sie durch ihren Job wenig Zeit habe.

Aber mit meinem Sohn bin ich früher schon öfter ins Kino, so Pixar-Filme, das war herrlich.

Ihren eigenen Film "Das Wunder von Bern", mit dem sie einem größeren Publikum bekannt wurde, hat Gastdorf selbst nur "drei-, viermal" gesehen. Die Dreharbeiten im Jahr 2002 seien für sie ebenfalls eine Art Heimspiel gewesen, da sie zu dieser Zeit am Schauspielhaus in Bochum engagiert war.

Wir haben für den Film viel in Essen gedreht. Regisseur Sönke Wortmann hat mir damals viel Freiheit gelassen, das waren tolle Dreharbeiten.

Filmmutter von berühmten Kindern

Ein Saal mit verschiedenen Menschen an Tischen [Quelle: Radio Bremen, Laura Pientka]
Zuschauer im Rangfoyer des Bremer Theaters. Dort fühlte sich auch unser Sommergast Johanna Gastdorf sehr wohl. [Quelle: Radio Bremen, Laura Pientka]

Mit dem Film "Das Wunder von Bern" wurde auch der Impuls für ihre weiteren Rollen gesetzt. Denn die gebürtige Hamburgerin scheint die erste Wahl bei Mutterrollen im TV und auf der Kinoleinwand zu sein: Sie war die Mutter von Hildegard Knef, die Mutter der Turnschuh-Pioniere Dassler und die Mutter der Soldaten im international gefeierten Weltkriegsdrama "Unsere Mütter, unsere Väter". Von treusorgend bis übergriffig, von leicht naiv bis bodenständig – Gastdorf spielt subtil und unprätentiös, ohne Klischees zu bedienen.

Mütter mit Brüchen in der Figur – ungeliftet und unbearbeitet, das ist meine Marktlücke !

(Johanna Gastdorf über ihre Rollen)

Familienzeit und grüne Oasen

Ihre zweite Karriere hat die Darstellerin, die schon mit dem "Grimme-Preis" und dem "Bayerischen Filmpreis“ ausgezeichnet wurde, ihrer privaten Rolle als Mutter zu verdanken. Denn mit der Geburt ihres Sohnes vor nun 20 Jahren haben sich die Prioritäten bei Johanna Gastdorf verschoben: Statt der zeitraubenden Arbeit am Theater, wo sie in Hannover, Bochum und München engagiert war, übernahm sie Film-und TV-Rollen, die sich besser mit Mutterrolle und Privatleben koordinieren ließen. Denn auch ihr Mann Jan-Gregor Kremp ("Der Alte") ist als Darsteller gefragt und viel unterwegs.

Mein Mann ist eine sichere Bank für mich.(...) Wir geben uns gegenseitig Rat.

In Leverkusen, wo Gastdorf mit ihrer Familie lebt, ist der Rückzugsraum der Schauspielerin. Dabei ist ihr der Garten extrem wichtig.

Obwohl ich ja gar keinen grünen Daumen habe. Ich habe mich von Gärtnern beraten lassen, das musste ein Garten sein, der unheimlich schön ist, aber wenig Arbeit macht. So sieht der jetzt auch aus!" (lacht)
Eine Frau und ein Mann halten ein Mikrofon in der Hand und sitzen vor einem violetten Plakat mit weißer Schrift. [Quelle: Radio Bremen, Laura Pientka]
Johanna Gastdorf und Moderator Alexander Brauer im Gespräch vertieft... [Quelle: Radio Bremen, Laura Pientka]

Im Herbst im Fernsehen: Martin-Luther-Zweiteiler

Johanna Gastdorf hat in zahlreichen Rollen ihre Wandelbarkeit unter Beweis gestellt. Auch in diesem Jahr ist sie wieder stark im Fernsehen und auf der Kinoleinwand vertreten: Im November spielt sie in dem neuen Film von Oscar-Preisträger Florian Henckel von Donnersmarck mit, dann ist sie im ZDF als Äbtissin im Martin-Luther-Zweiteiler "Himmel und Hölle" zu sehen. Auch komödiantische Sachen liebt die Schauspielerin, die sich darüber freut, dass sie sich ihre Rollen inzwischen aussuchen kann.

Das ist das größte Kompliment von den Leuten, die mich besetzen. Dass die mich nicht nur in dieser einen Kiste haben. Ich sag` da dann auch zu oder ab. Wenn jetzt das ganze Jahr nur Drama, Mord und Totschlag war, dann sag ich "Nee komm, jetzt nicht noch `ne Mörderin".

Ein wichtiges Vorbild: Ihre eigene Mutter

Gastdorf (Jahrgang 1959) wuchs in Hamburg-Tonndorf auf und erinnert sich sehr gerne an ihre Kindheit und Jugend. Ihre Große Leidenschaft damals: Ballett. Mit ihrer Freundin räumte sie das Wohnzimmer aus und tanzte stundenlang auf den Zehenspitzen. Von ihren Eltern bekam sie nur wenige Regeln: "Ich bin so ein bisschen mitgelaufen als jüngstes Kind, und ich habe mir die Regeln ein bisschen so selbst gemacht". Ganz ohne ging es aber auch nicht.

Meine Mutter hat da sehr auf Tischmanieren, Pünktlichkeit, Verantwortung übernehmen, Teilen geachtet. Da war nicht Tohuwabohu bei uns.

Die alleinerziehende, früh verwitwete Mutter habe bedingungslos hinter den Kindern gestanden. Das war auch für Johanna Gastdorfs eigene Mutterrolle ein wichtiges Vorbild. Die jetzt 92 Jahre alte Mutter der Schauspielerin hatte noch mit 70 in Hamburg Altenforschung studiert.

Als erster Sommergast von Bremen Zwei erzählte Johanna Gastdorf von ihrem Tagebuch, welches sie als "Büchlein" im Alltag nutzt, spricht über Mütterrollen und ihrem Weg von der Theater- zur Fernsehschauspielerin.

Das Gespräch zum Anhören:
Schauspielerin Johanna Gastdorf [41:39 Minuten]

Moderation: Alexander Brauer

Dieses Thema im Programm: Bremen Zwei, 23. August 2017, 13:05 Uhr

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