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Zwei nach Eins

Irene Dische

Schriftstellerin

11. Oktober 2017, 13:05 Uhr

Ihre Leser haben lange warten müssen, aber zur Frankfurter Buchmesse legt die deutsch-amerikanische Autorin Irene Dische ihren neuen Roman vor. "Schwarz und Weiß" entwirft ein großes Zeitbild der letzten Jahrzehnte Amerikas, während er die Geschichte einer scheinbar unzerbrechlichen Liebe erzählt. Sie beginnt im New York der frühen 1970er Jahre.

Irene Dische im Hörfunkstudio. [Quelle: Elke Schlinsog]
Irene Dische [Quelle: Elke Schlinsog]

Die Liebe zwischen Lili und Duke aus Disches Roman "Schwarz und Weiß" könnte kaum gegensätzlicher sein. Sie stammt aus einer intellektuellen, weißen "Upper West Side"-Familie, während er als junger Schwarzer voller Hoffnungen aus dem Süden in den "Big Apple" kommt. Eine Geschichte voller Verführungen und Verletzungen, voller Abenteuer und Abgründe.

Ich wollte mal über eine Ehe sinnieren, in der man es nicht so schnell satt hat. In der man dranbleibt.

Während diese Ehe für Duke eine Aufsteiger-Geschichte ist, entwickelt sich Lili im Laufe der Jahrzehnte zur abgehobenen Kunstfigur. Die Grundstimmung verändert sich, bei Lili tritt eine mörderische Wut zu Tage. "Schwarz und Weiß" ist eigentlich ein Buch über eine Serientäterin – eine Mörderin – so Dische.

Ich glaube, dass die Lili den Duke sehr liebt. Aber sie liebt ihn, weil er ein Teil von ihr ist. Sie liebt primär sich selber und nimmt sich selber wahr. Duke ist nicht so. Er liebt sie für das, was sie ist.

Buchtipp:
Irene Dische: Irene Dische: Schwarz und Weiss

New York: "Eine gequälte Liebe"

1952 wurde Irene Dische selbst als Tochter jüdischer Immigranten in New York geboren. Ambivalente Gefühle verbindet die Autorin mit ihrer Geburtsstadt. Denn in Wahrheit ist die Stadt "sehr grausam und böse", sagt sie.

Ich empfinde das so: Die Gesellschaft ist böse, und eigentlich ist es eine gequälte Liebe zwischen mir und New York.
Cover: Schwarz und Weiß [Quelle: Hoffmann und Campe Verlag]
Irene Dische: Schwarz und Weiß, Hoffmann und Campe Verlag, 2017 [Quelle: Hoffmann und Campe Verlag]

In New Yorker Familien sitze immer auch ein unsichtbarer Therapeut mit am Tisch, sagt Irene Dische, die in ihrem New Yorker Freundes- und Bekanntenkreis kaum jemanden kennt, der nicht schon einmal therapiert wurde. "Das gehört zur Kultur" dazu, so die Autorin.

Die Beobachterin entdeckte ihre Wurzeln in Berlin

Durch die Straßen streifen, genau hingucken, die Wirklichkeit sezieren: Irene Dische saugt die Kleinigkeiten des Lebens auf. Während sie in New York selbst das Gehen von einem Ort zum anderen als anstrengend empfindet, genießt sie in Berlin die Ruhe, die die Straßenzüge ausstrahlen. Hier lebt sie an ihrem zweiten Wohnsitz seit 1977 mit ihrem deutschen Mann und entdeckte, obwohl katholisch erzogen, ihre jüdischen Wurzeln.

Ich habe meine eigene Kultur zum ersten Mal wirklich in Deutschland gefunden – unter einer Gruppe von Kindern von Holocaust-Juden, die sich in Frankfurt einmal im Monat trafen. Das war für mich die größte Offenbarung. Ich hatte in meinem ganzen Leben noch nicht solche Gespräche gehabt.
Irene Dische und Elke Schlinsog im Hörfunkstudio. [Quelle: Elke Schlinsog]
Irene Dische und Elke Schlinsog haben sich in Berlin getroffen. [Quelle: Elke Schlinsog]

Warum sie heute mit dem orthodoxen Judentum mehr anfangen kann als als junge Frau, und warum Woody Allen mit seinen New York Filmen gar nicht so falsch liegt – davon erzählt die deutsch-amerikanische Autorin Irene Dische in "Zwei nach Eins".

Autorin Irene Dische [33:47 Minuten]

Moderation: Elke Schlinsog

Dieses Thema im Programm: Bremen Zwei, 11. Oktober 2017, 13:05 Uhr

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