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Zwei nach Eins

Ilija Trojanow

Schriftsteller

1. September 2017, 13:05 Uhr

Ilija Trojanow ist ein Schriftsteller, der immer irgendwo in der Welt unterwegs ist – ein produktiver Unruhegeist, der in Indien, den USA und in vielen europäischen Städten gelebt hat. Und der in Kenia und Deutschland aufgewachsen ist. Es gibt also viel zu erzählen bei "Zwei nach Eins".

Ilija Trohanow [Quelle: Imago, Michael Gottschalk]
Ilija Trohanow hat viel von der Welt gesehen – und erzählt davon. [Quelle: Imago, Michael Gottschalk]

Er war sechs Jahre alt, als seine Eltern sich 1971 dazu entschlossen, aus Bulgarien zu flüchten. Das kommunistische System hat die Trojanows drangsaliert und bespitzelt, das Leben wurde für die Familie unerträglich. Eine Zeit, die Ilija Trojanow auch literarisch aufgearbeitet hat. Sein Roman "Macht und Widerstand" erzählt von dem bulgarischen Widerstandskämpfer Konradi und dem Offizier Metodi, Repräsentant des kommunistischen Machtapparats.

Verlust der Heimat

Für sein neues Buch "Nach der Flucht" hat sich Ilija Trojanow mit der Frage auseinandergesetzt, wie der Verlust von Heimat das ganze weitere Leben prägt. Welche Sorgen, Nöte und Ängste verfolgen einen? Was bedeutet es, wenn man nach und nach seine Muttersprache und die Zeugen seiner Kindheit und Jugend verliert? Dafür hat Trojanow aus seinen eigenen Flucht-Erfahrungen geschöpft, aber auch mit Menschen gesprochen, die sein Schicksal teilen. Aber haben am Ende die, die mal neu angefangen haben, womöglich den "Alteingesessenen" etwas voraus?

Es gibt eine bestimmte Merkwürdigkeit bei Menschen, die als Kinder geflohen sind: Sie wurden natürlich nicht gefragt. Das heißt, meine Eltern haben über meinen Kopf hinweg die vielleicht wichtigste Entscheidung meines Lebens getroffen. Und ich habe mir gedacht, dass ich ihnen nachträglich eine Art Genehmigung erteile durch eine Widmung.

Trojanow spielt die Facetten von Verlust und Aufbruch durch, setzt den Demütigungen und Verletzungen, die Geflüchtete erleiden, einen auf den ersten Blick verstörenden, auf den zweiten Blick betörenden Gedanken entgegen: "Heimatlosigkeit muss nicht falsch sein".

Weltensammler

Für ihn scheint das jedenfalls zuzutreffen. Denn sein Drang, in der Welt zu Hause zu sein, hat ihm auch seine produktive Energie beschert. Und die setzt er dann in große Romane wie "Der Weltensammler" um, für den er in Indien gelebt und dort recherchiert hat. Bei Zwei nach Eins erzählt Ilija Trojanow, welche Erinnerungen er an Bulgarien und die Flucht in den Westen hat und wie er es schafft, die Ruhe zum Schreiben zu finden.

Das Gespräch zum Anhören:
Autor Ilija Trojanow [34:48 Minuten]

Moderation: Katrin Krämer

Dieses Thema im Programm: Bremen Zwei, 1. September 2017, 13:05 Uhr

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