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Zwei nach Eins

Hermann Krause

ARD-Hörfunk-Korrespondent in Russland

4. September 2017, 13:05 Uhr

Seit 30 Jahren berichtet Hermann Krause für den ARD-Hörfunk aus Russland, Weißrussland, Moldawien, dem Kaukasus und aus der Ukraine. Es war noch die Sowjetunion, als er 1986 zum ersten Mal nach Moskau kam. Aber das System bröckelte bereits, und er konnte die gewaltigen und weltumspannenden Umbrüche, die dann folgten, miterleben: von Gorbatschow über den Zerfall des alten Systems bis zum Putin-Regime.

Hermann Krause [Quelle: WDR/Herby Sachs]
Hermann Krause kam 1986 das erste Mal nach Moskau. [Quelle: WDR/Herby Sachs]

Das Hotel Ukraina, eines der sieben Moskauer Stalin-Bauten, das Krause von seinem Fenster aus sehen kann, ist für ihn ein Sinnbild dieses Wandels: Damals wie heute Hotel, nahmen ihm zu Sowjetzeiten gemütliche alte Männer am Empfang den Mantel ab, und Etagendamen, die die Flure überwachten, luden spätnachts zum Tee, während sich in den einfachen Zimmern ab und an eine Kakerlake blicken ließ. Heute dagegen: Elegant, cool, perfekt, bis 1.000 Euro die Zimmer – eben typisch "5 Sterne", sagt Krause mit ein bisschen Wehmut.

Waltschuks Reise

Der Journalist mit deutschem Wohnsitz Köln liebt die Spontaneität der Russen, ihre Herzlichkeit und unkomplizierte Gastfreundschaft. Er bewundert seine Freunde für ihre "Dirka"-Mentalität, dass sie nämlich trotz aller Einschränkungen immer ein „Schlupfloch im Zaun“ finden und in jeder Lebenslage mehr als einen Trinkspruch bereit halten. Deshalb pendelt er immer mit der Familie zwischen Köln und Moskau.

Mit dabei auch Hund Waltschuk, den Krause im kaukasischen Beslan einer Bäuerin abgeschwatzt hat. Bei 2nach1 erzählt er die Geschichte der Reise Waltschuks von Ossetien via Moskau nach Köln, ein Abenteuer, das so nur in Russland und vermutlich nur Hermann Krause passieren kann.

100 Jahre Oktoberrevolution

Der Journalist  berichtet von dem Kopfzerbrechen, das der 100. Jahrestag der Oktoberrevolution von 1917 der politischen Führung im Kreml bereitet, und von den interpretatorischen Verrenkungen, die Putin und die systemkonformen Historiker unternehmen, um diese Revolution ins heutige System einzupassen.  

Bewaffnete Fabrikarbeiter und Büroabeiter [Quelle: DPA, Ria Novosti/Sputnik]
2017 jährt sich die Oktoberrevolution zum 100. Mal. [Quelle: DPA, Ria Novosti/Sputnik]

Einen Aufstand zu feiern – seien es die Menschenwiki 1905 oder die Bolschewiki 1917 – passt in jedem Fall nicht. Und so versucht man, die Geschichte der Oktoberrevolution, die den Russen 70 Jahre Sowjetmacht bescherte, in Richtung Patriotismus, Größe und Einheit des russischen Volkes umzudeuten.

Aufbruch Richtung Westen?

Putins autoritärer Patriotismus sei ein System, das auf Kosten der eigenen Wirtschaft und zu Lasten der Menschen auf Expansion setzt – wie auf der Krim, das Protest unterdrückt und dessen Akteure ins Gefängnis steckt. Ein System, das aber zum Beispiel neben dem gelenkten Staatsfernsehen hier und da auch freie Medien ermöglicht.

Es ist ein System, erfährt Krause in den Interviews, das inzwischen an Zustimmung verliert, weil die Löhne sinken und die Renten nicht reichen und immer weniger Menschen einsähen, für Putins Außenpolitik zu bezahlen. Vor allem junge Leute rund um den Blogger und Menschenrechtler Alexei Nawalny gehen auf die Straße, gegen Bereicherung und Korruption, wie zuletzt anlässlich der Enthüllungen über die Immobilien von Regierungschef Dmitri Medwedjew. Und so hofft Hermann Krause auf einen "Wind of change" in Richtung Aufbruch, Europäische Werte und Gemeinsamkeiten mit dem Westen.

Das Gespräch zum Anhören:
Journalist Hermann Krause [39:06 Minuten]

Moderation: Ulrike Petzold

Dieses Thema im Programm: Bremen Zwei, 4. Seeptember 2017, 13:05 Uhr

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