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Zwei nach Eins

Heinrich Bedford-Strohm

Ratsvorsitzender der Evangelischen Kirche in Deutschland

2. Januar 2018, 13:05 Uhr

Heinrich Bedford-Strohm hat ein aufregendes, arbeitsreiches Jahr 2017 hinter sich. 500 Jahre Reformation feierte er zusammen mit den 22 Millionen Protestanten, die er als Vorsitzender der Evangelischen Kirche in Deutschland vertritt. Außerdem traf er mehrfach Papst Franziskus, der ihm "Feuer im Herzen attestierte".

Heinrich Bedford-Strohm [Quelle: Heinrich Bedford-Strohm]
Heinrich Bedford-Strohm [Quelle: Heinrich Bedford-Strohm]

Er wird zu allen wichtigen Anlässen gefragt, wenn es um moralische Autorität geht, wenn Fragen der Sozialethik diskutiert werden oder Verwerfungen in der Gesellschaft. Dafür ist der Theologe Spezialist. Als Seelsorger ist Heinrich Bedford-Strohm den Menschen nah – gern den sozial Ausgegrenzten, den Armen, Flüchtlingen und Asylbewerbern. Er liebt das Gespräch, den Dialog. Und sucht ihn auch – so direkt wie möglich. Man könnte ihn auch "Facebook-Bischof" nennen. Bedford-Strohm postet regelmäßig selbst, da bürstet kein Pressesprecher zuvor die Texte.

Ich denk‘ natürlich auch selber ‘n bisschen nach und mach‘ mir schon Gedanken drüber, was ich wie poste. Insofern ist es natürlich immer ein gewisses Risiko, wenn man nicht jedes Mal immer jemanden anderes draufschauen lässt, wenn man sich öffentlich äußert, als ein Mensch, der 22 Millionen Protestanten da vertritt und der deswegen viel Aufmerksamkeit bekommt, aber gleichzeitig braucht es auch die Authentizität für dieses Medium.

Authentisch kommt er auf jeden Fall rüber – der lächelnde, energiegeladene, zugewandte Landesbischof der Evangelischen Kirche in Bayern. Seit 2011 hat er dieses Amt inne, seit drei Jahren zusätzlich das Ehrenamt des EKD-Ratsvorsitzenden.

Papst Franziskus: "Ein Mann mit Feuer im Herzen!"

Bedford-Strohm ist ein Mann mit Leidenschaft. In "Zwei nach Eins" erzählt er, wie er Dinge angeht – offenbar so, dass auch Papst Franziskus begeistert ist. "Wir ziehen an einem Strang", sagt Heinrich Bedford-Strohm, der allein in diesem Jahr Franziskus mehrfach getroffen hat.

Was der Papst da über mich gesagt hat, war ja sehr freundlich: „Ein Mann mit Feuer im Herzen!“ – das ist etwas, was er da irgendwie gespürt hat, was für mich schon immer ganz wichtig war, dass ich einfach ganz in dem drin bin, was ich mache. Das hat ja auch seine Risiken – manchmal rede ich dann zu lang, weil mir das Herz überfließt, und insofern muss man sich da auch immer ein bisschen im Griff haben. Aber es ist schon so, dass ich das, was ich mache, ja, mit großer Leidenschaft mache, das kann man vielleicht schon so sagen.

"Meine Frau, die hat da einfach viel Mut gehabt"

Heinrich Bedford-Strohm [Quelle: Ev.-Luth. Kirche Bayern]
Heinrich Bedford-Strohm [Quelle: Ev.-Luth. Kirche Bayern]

Die Leidenschaft begleitet ihn, den Pfarrerssohn aus Franken, schon seit seiner Jugend. Er war politisch aktiv, ist seitdem SPD-Mitglied, war friedensbewegt in den Siebzigern mit 15, 16 Jahren. Damals lernte er auch seine Frau kennen, eine Austauschschülerin aus Amerika. Es ist eine der wenigen privaten Geschichten, die Heinrich Bedford-Strohm, der damals nur Strohm mit Nachnamen hieß, ganz gezielt über sein Privatleben erzählt – wie sie sich näherkamen, dann fünf Jahre nicht sahen und das Ganze in einer inzwischen 31-jährigen glücklichen Ehe mündete.

Es war irgendwo immer klar: Wir wollen uns wiedersehen, und meine Frau, die hat da einfach viel Mut gehabt, und die hat das sehr klar auch gesehen, und ich wollte dieses Mädchen aus Amerika auch wiedersehen, und so ist es dann auch gekommen, aber der Rest ist dann privat, den erzähle ich jetzt nicht hier auf dem Radio!

Er mache keine Home-Stories, sagt er EKD-Chef, sein Privatleben habe er immer schon geschützt. Aber dass er ein Familienmensch ist, sich sehr auf seine Frau Deborah bezieht, mit der er drei erwachsene Söhne hat, das scheint immer wieder durch – ob er mit ihr ins Fitnesscenter geht oder sich im Terminkalender mit "FA" einen "freien Abend" mit ihr reserviert, möglichst einmal die Woche.

Eine Predigt muss mitreißen

Im Advent hatte Heinrich Bedford-Strohm einen ganzen Marathon an den Feiertagen vor sich und viele Reden zu schreiben. Die Predigt ist ihm wichtig in der Kirche, an ihnen arbeitet er intensiv, und gelernt hat er als Student bei den schwarzen Lutheranern im kalifornischen Oakland, wie man Menschen richtig anspricht, sie mitreißt.

Eine Predigt ist irgendwo auch schon ein Stück ein Kunstwerk, eine gute Predigt! Und da muss jedes Wort sitzen, da muss ich genau wissen, wer sitzt da vor mir und wie wirkt welches Wort auf wen.

Neues wagen und nicht am Alten klammern

Das sagt ein Mann des Wortes, der bei allem politischen Engagement das Wort Gottes verkündet. Und die Bibeltexte liebt, sie auslegt für heute wie bei seiner Reformationspredigt im ausgehenden Lutherjahr:

Macht Euch frei von der Fixierung auf das Frühere, klammert Euch nicht am Vorigen fest! Wagt das Neue aus der Kraft des Alten! Hört auf, verliebt zu sein in die Krise!

So predigte Heinrich Bedford-Strohm in Wittenberg. In "Zwei nach Eins" spricht er darüber, warum in Deutschland immer das Defizit, also das, was fehlt, angesprochen wird – und das in einem der reichsten Länder der Welt. Bedford-Strohm, der viel herumgekommen ist, auch in Südafrika und Ruanda, meint, ein glücklicher Mensch freut sich und ist dankbar für das, was er hat. Er habe viele arme Menschen gesehen, die trotzdem glücklich waren.

Wer ihn noch geprägt hat, zum Beispiel sein akademischer Lehrer und Amtsvorgänger Wolfgang Huber, wie er gemeinsam mit Kardinal Marx, dem Vorsitzenden der Deutschen Bischofskonferenz, die Ökumene voranbringen will, wie er auch gegenüber Politikern in Bayern Forderungen vertritt, das erzählt Heinrich Bedford-Strohm in "Zwei nach Eins".

Das Gespräch zum Anhören:
Feuer im Herz: Theologe Heinrich Bedford-Strohm [36:27 Minuten]

Moderation: Birgit Kolkmann

Dieses Thema im Programm: Bremen Zwei, 2. Januar 2018, 13:05 Uhr

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