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Zwei nach Eins

Hasso Kulla

Ex-Betriebsratsvorsitzender der Bremer Vulkan-Werft

24. August 2017, 21:05 Uhr

Vor 20 Jahren wurde zum letzten Mal auf der Bremer Vulkan-Werft gearbeitet. Am 15. August 1997 ging damit eine fast 200-jährige Schiffbau-Geschichte zu Ende. Rund 4.500 Menschen verloren ihre Arbeit, die Auswirkungen auf den Standort und die indirekt betroffenen Arbeitsplätze nicht mitgerechnet. In "Zwei nach Eins" blicken wir mit dem Ex-Betriebsratsvorsitzenden Hasso Kulla zurück.

Hasso Kulla [Quelle: Radio Bremen]
Hasso Kulla blickt zürch – 20 Jahre nach der Vulkan-Schließung.

Vulkan heißt der Gott der Schmiedekunst und mit diesem Namen wurde die bekannte Bremer Werft 1805 im Stadtteil Grohn gegründet. Anfangs ist es nur ein kleiner Betrieb, aber die Branche wächst schnell. Sie profitiert vor allem davon, dass die Werft auf beiden Seiten der Weser liegt. Viele Schiffe kommen zur Reparatur oder kaufen Material. 1817 wird dort das erste deutsche Flussdampfschiff "Die Weser" gebaut. Gut 30 Jahre später bekommt die Werft den Auftrag für die ersten zwei deutschen Kriegsschiffe. Kurz vor der Jahrhundertwende wird aus dem Betrieb die Vulkan Aktien-Gesellschaft. Diese hatte 60 Mitarbeiter. Von da an wurden es immer mehr.

Über 190 Jahre im Geschäft

Vulkan-Werft [Quelle: Staatsarchiv Bremen]
Vulkan-Werft: Luftaufnahme um 1914 [Quelle: Staatsarchiv Bremen]

Nach der Pleite auf der AG Weser, der anderen Großwerft in Bremen-Nord, Ende der Achtziger, geriet auch der Vulkan in die Krise. Vor allem durch Liquiditätsprobleme. Zu lange hatte man die Konkurrenz der Niedriglohnländer wie Korea ignoriert, die Containerschiffe zu einem Bruchteil des hiesigen Preises bauten. Damals musste der Vulkan 350 Leute entlassen.

Für den Vulkan änderte sich Anfang der Neunziger Jahre vieles. Die Vulkan Verbund AG wurde gegründet. Der Vorstandsvorsitzende Friedrich Hennemann kaufte Werften in Ostdeutschland und weitere Betriebe im ganzen Land. Die Anzahl der Beschäftigten stieg auf mehr als 25.000. Durch einen Skandal geriet der Vulkan endgültig in die Krise. Mitte der Neunziger leitete der Konzernchef mehr als 350 Millionen Euro EU-Fördermittel, die ausschließlich für ostdeutsche Werften bestimmt waren, illegal in die Kasse des Gesamtkonzerns. Trotzdem hatte der Bremer Vulkan ein Finanzproblem. Die Schuldenlast von knapp drei Milliarden Euro war erdrückend.

Es folgte die Pleite. Der Vorstandsvorsitzende Hennemann musste sich wegen Untreue und Steuerhinterziehung vor Gericht verantworten und wurde zu einer Geld- und Bewährungsstrafe verurteilt. Anfang 1996 wurde er durch Udo Wager ersetzt, doch auch er konnte den Konkurs nicht mehr abwenden und verkündete diesen am 1. Mai 1996.

Kran der ehemaligen Werft Bremer Vulkan. [Quelle: Radio Bremen]
Vor 20 Jahren schloss die Bremer Vulkan-Werft ihre Tore.

"Einmal Vulkanese – immer Vulkanese“

Hasso Kulla war Vorsitzender des Vulkan-Betriebsrates. Für ihn gilt wie für viele ehemalige Mitarbeiter der Werft: "Einmal Vulkanese – immer Vulkanese“. Die Mitarbeiter verband häufig mehr als denselben Arbeitsplatz.

Es war so, dass häufig Generationen beschäftigt waren. Es war eine riesig große Familie. Jeder kannte jeden.

An den letzten Arbeitstag am 15. August 1997 kann sich Hasso Kulla noch ganz genau erinnern:

Wir sind dann mit drei Kollegen mit schwarzem Trauerflor auf den Bockkran gefahren und haben dann um 12 Uhr den schwarzen Trauerflor runterhängen lassen. Die Beerdigung der Werft.

Bei "Zwei nach Eins" erinnert sich Hasso Kulla an seinen ersten Arbeitstag als Lehrling bei der Vulkanwerft. Er erklärt, warum der Vulkan eine eigene Welt war, zieht nach 20 Jahren Bilanz und erzählt wie es mit den "Vulkanesen" weiterging.

Das Gespräch zum Anhören:
Ex-Vulkan-Betriebsratschef Hasso Kulla [30:06 Minuten]

Moderation: Jochen Grabler

Dieses Thema im Programm: Bremen Zwei, 24. August 2017, 21:05 Uhr.

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