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Zwei nach Eins

Hannelore Sommer

15 Jahre Dinner im Dunkeln, 50 Jahre blind

4. Januar 2018, 21:05 Uhr

Ein Drei-Gänge-Menü, Getränke und jede Menge gewechselte Worte: Eigentlich dachte sie, ist die Sache mit dem "Dinner im Dunkeln" nach einem halben Jahr erledigt. Doch Hannelore Sommer gehört inzwischen schon 15 Jahre zum Team, das das Dinner in einem komplett abgedunkelten Raum im Bremer Erlebnismuseum Universum ausrichtet. Da muss sie schon mal den Gästen beim Fleisch schneiden helfen. "Manche Gäste fangen dann tatsächlich mit den Händen an zu essen. So nach dem Motto: Uns sieht hier ja keiner."

Hannelore Sommer [Quelle: Radio Bremen , Mario Neumann]
Hannelore Sommer ist seit ihrem 14. Lebensjahr erblindet. [Quelle: Radio Bremen , Mario Neumann]

Hilfe ein Leben lang

Dabei ist eigentlich sie es, die auf Hilfe angewiesen ist. Tuberkulose und eine Hirnhautentzündung kurz nach der Konfirmation, die 14-jährige Hannelore fällt im Krankenhaus ins Koma, wacht auf und wundert sich, warum ihre Mutter sie mitten in der Nacht besucht. Nach einer Zeit entwickelt sich immerhin noch ein Sehrest, so dass Hannelore Sommer beispielsweise in einem Zimmer erkennen kann, wo sich ein Fenster befindet. Auch eine Mülltonne, die auf dem Gehweg im Weg steht, kann sie an den Umrissen erahnen.

Auf der Blindenschule in Hannover lernt sie ihren Mann kennen, der nach einem Verkehrsunfall total blind ist. Hannelore lernt Telefonistin, Werner Masseur, die beiden schmeißen ihren eigenen Haushalt, gründen eine Familie, drei Kinder, es funktioniert. "Bilder an den Wänden, Blumen auf der Fensterbank, Deko – bei uns ist alles ganz normal", sagt Hannelore Sommer und schmunzelt. Nur einkaufen kann sie nicht alleine, alle 14 Tage kommt eine Putzhilfe, und sowohl beim Töpfern als auch beim Wandern brauchen die Sommers sehende Helfer.

Tandem-Touren und tolle Urlaube

Weißer Stock, sprechende Uhr, Farberkennungsgerät – selbst einen Leseautomaten und einen Einkaufsfuchs, der anhand des Barcodes sagen kann, was man da gerade für ein Produkt aus dem Regal genommen hat, gehört bei den Sommers zu den unabdingbaren Hilfsmitteln. Seit zweieinhalb Jahren aber auch ein Smartphone, von dem Hannelore Sommer ziemlich begeistert ist.

Als das älteste Kind 12 ist, kaufen die Sommers zwei Tandems, erkunden mit dem Sohn und einem Freund von ihm die Region. Auch an die Urlaube auf dem Bauernhof bei der lieben Verwandtschaft in Schleswig Holstein hat sie gute Erinnerungen und ist mir ihrem Mann regelmäßig in speziellen Hotels für Blinde: Timmendorfer Strand, Boltenhagen und Saulgrub im Oberammergau. Tatsächlich gibt es dort auch freiwillige Helfer, die die blinden Menschen auf Ausflüge begleiten und durch ihre Schilderungen und Worte die Dinge vor Augen führen.

Happy trotz Handycap

Unterm Strich ist Hannelore glücklich und zufrieden. "Es geht uns gut, wir sind soweit gesund, außer dass wir halt nicht gucken können. Wir haben keine finanziellen Sorgen, Enkel werden mehr, von daher ist soweit alles gut, wenn man ab und zu mal einen sehenden Helfer hat." Da ist es übrigens besser, mehrere Leute als eine Person für alles zu haben. Wenn jemand mal mitwandern möchte – die Gruppe ist immer offen für neue Begleiter!

Das Gespräch zum Anhören:
Ohne Augenlicht: Hannelore Sommer [33:16 Minuten]

Moderation: Mario Neumann

Dieses Thema im Programm: Bremen Zwei, 4. Januar 2018, 21:05 Uhr.

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