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Zwei nach Eins

Günter Wallraff

Enthüllungsjournalist

28. September 2017, 13:05 Uhr

Am 1. Oktober feiert "Mr. Undercover", Enthüllungsjournalist Günter Wallraff, seinen 75. Geburtstag. Einmal so alt zu werden, das sei für ihn stets jenseits seiner Vorstellungskraft gewesen. Wo und wie er seinen Ehrentag feiern will? Da gibt sich der Jubilar ungewöhnlich wortkarg. Nur so viel will er verraten: Nicht in Köln – und eine große Feier wird es auch nicht geben.

Günter Wallraff [Quelle: Radio Bremen, Christian Erber]
Günter Wallraff neben einer Skulptur in seinem Garten. [Quelle: Radio Bremen, Christian Erber]
In größeren Festivitäten fühle ich mich meist unwohl. Im kleinen Kreis zu feiern, das macht Spaß. Aber wenn das über fünf oder zehn Personen hinausgeht, dann ist das für mich Stress. Da trinke ich dann manchmal auch zu viel. Deshalb hau‘ ich zu solchen Gelegenheiten lieber ab. Mehr möchte ich dazu aber noch nicht sagen.

Der Mann, der Hans Esser war

Ob er zu seinem Geburtstag wieder eine neue Identität annimmt? Ausgeschlossen ist das nicht. In seinen 50 Berufsjahren als Enthüllungsjournalist ist er in Dutzende Rollen geschlüpft, um soziale Missstände aufzudecken. Unter anderem als Mitarbeiter eines Callcenters, als Obdachloser oder als Paketbote, dem nach 16-Stunden-Tagen sämtliche Knochen wehtaten. Berühmt gemacht haben Wallraff aber zwei andere Rollen. Als Hans Esser gelang es ihm, sich 1977 für vier Monate in die Bild-Redaktion Hannover einzuschleichen. Das war sogar vergleichsweise einfach, erinnert sich Wallraff:

Ich hatte einen Doppelgänger, mit dem ich Papiere und Identität tauschte. Beim Vorstellungsgespräch gab ich an, dass ich Leutnant bei der psychologischen Kriegsführung war. Da strahlte mich der Redaktionsleiter geradezu an und sagte: ‘Jaaa! Das machen wir ja auch, wir schießen hier nur mit ganz anderen Waffen!‘ Und so war mein Entree: Esser wie Messer, und ich gehörte sehr schnell dazu.

Ganz unten

Noch berühmter machte ihn die Rolle als Ali Levent. Als türkischer Leiharbeiter musste er sich an hochkontaminierten Arbeitsplätzen in Industriebetrieben regelrecht "verheizen" lassen. Das dazugehörige Buch "Ganz unten" (erschienen 1985) ist bis heute das meistverkaufte deutsche Sachbuch nach dem Zweiten Weltkrieg. Die Strapazen wirken bei ihm gesundheitlich bis heute nach.

Günter Wallraff und Christian Erber [Quelle: Radio Bremen, Christian Erber]
Günter Wallraff hat unseren Redakteur Christian Erber zu einem Match an der Tischtennisplatte herausgefordert. [Quelle: Radio Bremen, Christian Erber]

Alles in allem präsentiert sich der 75-Jährige jedoch topfit. Davon konnte sich auch Christian Erber überzeugen, den Günter Wallraff während des Interviews gleich mehrmals an die heimische Tischtennisplatte zitierte. Eine schweißtreibende Angelegenheit – für beide Journalisten.

Das Gespräch zum Anhören:
Enthüllungsjournalist Günter Wallraff [37:16 Minuten]

Moderation: Christian Erber

Dieses Thema im Programm: Bremen Zwei, 28. September, 13:05 Uhr.

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