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Zwei nach Eins

Dietmar Wischmeyer

Satiriker

12. September 2017, 13:05 Uhr

Dietmar Wischmeyer hat bereits Radiocomedy gemacht, bevor andere wussten was das eigentlich ist. Mit "Günther, der Treckerfahrer" oder "Der kleine Tierfreund" hat der 60-Jährige längst Kultstatus erreicht – und in seinen Jahren in der "Humorwirtschaft" kein bisschen an Biss verloren. Auf der Sommergäste-Bühne servierte er sein neuestes Buch "Vorspeisen zum jüngsten Gericht".

Dietmar Wischmeyer [Quelle: Radio Bremen, Sebastian Bredehöft]
2014 erhielt er den Radiopreis für die beste Comedy: Dietmar Wischmeyer. [Quelle: Radio Bremen, Sebastian Bredehöft]

Mit seiner Frau und den vier Hunden lebt Wischmeyer ganz beschaulich in einem Forsthaus im Naturschutzgebiet im Landkreis Schaumburg. Über 6.500 Quadratmeter sattes Grün um ihn herum. Was macht man nur damit, fragt sich Moderator Alexander Brauer. Wischmeyers knappe Antwort: "Mähen".

An einem normalen Samstag würde der Satiriker um kurz nach 11 Uhr zum Naturkostladen im Ort schlendern. Ein Frühaufsteher sei er nicht, "aber ich stehe früh auf". An diesem Sonnabend aber setzte sich der Radiomann in sein Auto und fuhr ungefähr eineinhalb – gefühlte zwei – Stunden Richtung Bremen. Auf der Autobahn beobachte er ein seltsames Phänomen: Eine Horde von Menschen fährt mit Anhängern Grünschnitt irgendwo hin.

Sein Kopf ist ein Geschichtenspeicher

Ab Oktober 2017 ist Dietmar Wischmeyer mit seinem neuen Buch "Vorspeisen zum jüngsten Gericht" auf Lesereise. Wenn er seine Texte schreibt, muss das Bauchgefühl stimmen. Im Fall des Radiomachers heißt das – die Nusszufuhr muss stimmen. Eigentlich müsse er sich mehr Notizen machen, sagt Wischmeyer. Auf seinem Schreibtisch herrsche aber sowieso schon Chaos. Das sei auch völlig in Ordnung. Anstatt viele Notizen zu schreiben, speichere er Situationen lieber im Kopf ab. Anders ausgedrückt:

Ich rede mir meine Faulheit so schön, dass ich sage: "Ein weiterer Meilenstein, um die Demenz zu vermeiden, ist etwas im Kopf zu behalten!"
Das Publikum [Quelle: Radio Bremen, Sebastian Bredehöft]
Auch beim vierten Sommergast blieb kaum ein Platz unbesetzt. [Quelle: Radio Bremen, Sebastian Bredehöft]

Bleibt aktuell: Günther, der Treckerfahrer

Viele kennen ihn in seinen Rollen als "Günther, der Treckerfahrer", "Der kleine Tierfreund" oder als Teil der "Arschkrampen". Alles was er unter seinem richtigen Namen veröffentliche zeige den wahren Wischmeyer. Den gab es auch auf der Bühne des Bremer Theaters zu sehen und zu hören. Es sei aber schön, sich in den verschiedenen Rollen auszuleben und sich in deren Denkweisen hinein zu versetzen.  

"Günther, der Treckerfahrer" mimt er bereits seit 1989. Er funktioniert noch heute. Das habe zwei Gründe, so Wischmeyer: Günther ist ein Mann aus dem Volk, der sagt was die meisten denken, aber nicht sagen würden. Außerdem sei das Material für Günthers Satire immer neu:

So lange es Menschen wie Erdogan, wie Kim Jong-Un gibt, geht einem der Stoff nicht aus. Aber auch ohne die – es reicht manchmal auch Merkel.

Der eigene Sprachkosmos

Seine Sätze und Pointen zu formulieren sei wirklich Arbeit, verrät der Humorarbeiter. Häufig sind wahre Wortschöpfungen dabei – beispielsweise "Großhirnnutzungsverweigerer" oder "Evolutionsverweigerer". An diesen feile er manchmal ewig. Oft wundere er sich auch wie schnell sie in den allgemeinen Sprachgebrauch übergehen. Jede Rolle, die Dietmar Wischmeyer je erfunden hat, hat seinen eigenen Sprachkosmos. "Frühstyxradio"-Fans aus Aachen haben schon ein Lexikon mit über 200 Wörtern der "Arschkrampen" zusammengestellt.

Im Kern ist der Satiriker ein Radiomensch durch und durch. Trotzdem fiel ihm der Schritt zum Fernsehen – speziell zur „heute-show“ – nicht schwer. Die, so sagt Wischmeyer, würde nämlich genauso im Radio funktionieren.

Dietmar Wischmeyer und Alexander Brauer [Quelle: Radio Bremen, Sebastian Bredehöft]
Da gab es ordentlich was zu lachen: Dietmar Wischmeyer war unser vierter und für 2017 letzter Sommergast. [Quelle: Radio Bremen, Sebastian Bredehöft]

Dem Trecker seit Kindheitstagen verbunden

Aufgewachsen ist der Niedersachse in den Sechziger Jahren in Oberholsten, in der Nähe von Osnabrück. Im Hause Wischmeyer wurde viel gelacht. Am liebsten übereinander. Auf dem landwirtschaftlichen Betrieb mussten die Kinder natürlich mit anpacken. Der kleine Dietmar hat es gehasst. Das wichtigste Statussymbol: der Trecker. Die Familie habe nur einen Mittelklassewagen besessen. Die Liebe für Trecker wurde bei Dietmar Wischmeyer trotzdem entfacht und geht soweit, dass er die Landfahrzeuge sammelt. In seinem Forsthaus habe er aber wenig Platz. Daher wurde von sieben auf vier Trecker "abgerüstet".

In "Zwei nach Eins" können Sie noch einmal hören, wie Dietmar Wischmeyer von der Geburt des "Kleinen Tierfreundes" erzählt, wie es ihn 1976 zum Philosophie- und Literaturstudium nach Bielefeld verschlug und warum ihm der Schritt zur "Heute-Show" nicht schwer fiel.

Das Gespräch zum Anhören:
Satiriker Dietmar Wischmeyer [45:19 Minuten]

Moderation: Alexander Brauer

Dieses Thema im Programm: Bremen Zwei, 12. September 2017, 13:05 Uhr

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