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Zwei nach Eins

Chris Kraus

Schriftsteller und Filmemacher

19. September 2017, 13:05 Uhr

Bekannt wurde er als Regisseur großer Kinofilme, deren Drehbücher er selbst verfasst. Außerdem schreibt er Romane. Den Stoff seiner Bücher und Filme schöpft Chris Kraus dabei oftmals aus seiner weit verzweigten Familiengeschichte. Vor allem die NS-Verbrechen seines Großvaters lassen ihn nicht los.

Chris Kraus bei einer Lesung [Quelle: DPA, Henning Kaiser]
Chris Kraus [Quelle: DPA, Henning Kaiser]

In seinem jüngsten Roman "Das kalte Blut" verarbeitet Chris Kraus die Lebensgeschichte seines Großvaters, der im Zweiten Weltkrieg für die Waffen-SS kämpfte.

Sie müssen sich vorstellen, wenn man in die Archive geht und plötzlich ein Telegramm des eigenen Großvaters sieht, über eine Vernichtungsaktion, bei der Menschen lebendig verbrannten. Dann fährt einem das durch Mark und Bein. Und das wollte ich in der fiktiven Form nacherzählen, weil ich mich natürlich auch mit moralischen Parametern beschäftige in diesem Roman.

Ein drehbuchtaugliches Leben

Bei seinen Recherchen in den Archiven hat der Enkel des Nazi-Täters auch Enkel der Opfer getroffen. Denkwürdige Begegnungen, die ihn wiederum zu seinem jüngsten Film inspirierten: "Die Blumen von gestern". Aber auch Chris Kraus' eigenes Leben klingt durchaus drehbuchtauglich. Er hat als Möbelpacker gearbeitet, als Zeitsoldat und als Grafiker, bevor er  an der Film- und Fernsehakademie Berlin studierte. Außerdem wurde er mit 19 Jahren bereits Vater.

Macht das Schriftsteller-Leben leichter: Filme machen

In "Zwei nach Eins" spricht Chris Kraus über die junge Vaterschaft und über seine eigene Kindheit. Damals wollte er Sportler werden und hasste Blockflötenunterricht. Die Liebe zur klassischen Musik erwachte erst Jahrzehnte später, als ihn der italienische Star-Dirigent Claudio Abbado als Opern-Regisseur engagierte. Aber es blieb beim einmaligen Ausflug ins Operngenre. Vertrauter sind Chris Kraus das Dasein als Filmregisseur und als Schriftsteller – für ihn die perfekte Kombination:

Man wird depressiv, wenn man nur schreibt, deshalb ist es eine wunderbare lebenserleichternde Ergänzung, unter Menschen zu gehen und im Team etwas herzustellen.

Moderation: Christine Gorny

Das Gespräch zum Anhören:
Autor und Filmemacher Chris Kraus [38:14 Minuten]

Dieses Thema im Programm: Bremen Zwei, 19. September 2017, 13:05 Uhr

Zwei nach Eins
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