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Zwei nach Eins

Sabine Bomeier

Autorin mit Knasterfahrung

5. Oktober 2017, 13:05 Uhr

Zehn Jahre nach ihrer Entlassung aus dem Gefängnis hat die Bremerin Sabine Bomeier bereits vier Bücher veröffentlicht. Titel wie "Er hat es wieder getan" oder "Momente im Frauenknast" machen deutlich, dass es dabei nicht um leichte Kost geht. Manche Dinge, die die 60-Jährige erzählt und beschreibt, sind aber auch einfach so grotesk, dass darüber gelacht werden darf.

Sabine Bomeier [Quelle: Radio Bremen, Mario Neumann]
Die Autorin Sabine Bomeier [Quelle: Radio Bremen, Mario Neumann]

Auch wenn sie lieber nicht wegen eines sogenannten Kapitaldelikts zu einer zehnjährigen Haftstrafe verurteilt worden wäre, hat Sabine Bomeier die Zeit hinter Gittern etwas gebracht. Zum einen war die Inhaftierung hilfreich, um aus bestehenden Strukturen und Beziehungsgeflechten herauszukommen. Zum anderen entdeckte Bomeier das Schreiben für sich, entwickelte es durch Briefe und Tagebuch vom Mittel zum Zweck zur Leidenschaft.

Recherche am eigenen Leib

Und schließlich ergab sich sozusagen als Nebenprodukt ihrer eigenen Biografie, eine sonst nur aufwändig durchzuführende Recherche in einer im wahrsten Sinne des Wortes verschlossenen Welt. So versteht sich Sabine Bomeier heute auch als Sprachrohr, stellt sich der Aufgabe, Unerhörtes aufzuschreiben und zu veröffentlichen. Ihre Bücher heißen "Er hat es wieder getan", "Liebe hinter Gittern", "Momente im Frauenknast" und "Liesbeths Traum".

Menschen statt Bestien

Anders als in Spielfilmen oder auch journalistischen Texten gelegentlich dargestellt, hat Sabine Bomeier die Gemeinschaft der unterschiedlichen Frauen im Gefängnis als ein starkes, zum Teil sogar fürsorgliches Miteinander erlebt. Viele der Inhaftierten sitzen wegen Delikten im Drogenkontext. Klar gibt es einen Schwarzmarkt, doch Gewalt oder Erpressung hat Bomeier nicht erlebt. Unter der Dusche ging es maximal darum, was man mal mit den Haaren machen könnte. Tatsächlich haben die Inhaftierten damit zu kämpfen, ihre Vergangenheit zu bewältigen, sich auch der Schuld zu stellen und damit fertig zu werden. Aber sie haben auch die gleichen Probleme wie Frauen draußen: Vor dem typischen Stress der Vorweihnachtszeit ist man zum Beispiel auch hinter Gittern nicht sicher.

"Da muss was passieren"

"Liesbeths Traum" heißt Sabine Bomeiers erster Roman, der das Thema Kindesmissbrauch in der eigenen Familie aufgreift. Sie hat viel mitbekommen, das sie loswerden muss. Ohne Verlag-Filter veröffentlichte sie ihre Werke als "Book on Demand". Bomeier will einfach nicht glauben, dass sich eine gewisse Systematik von Unterdrückung, Ausbeutung und Missbrauch nicht ändern lässt. Aus ihrer Sicht könnten mehr Personal, andere politische Rahmenbedingungen und verbesserte gesetzliche Bestimmungen menschenverachtende Systeme zerschlagen. Auch jeder Einzelne sollte "einfach mehr Interesse für den anderen zeigen", nicht weggucken und arrogant aburteilen.

Das Gespräch zum Anhören:
Autorin Sabine Bomeier [33:44 Minuten]

Moderation: Mario Neumann

Dieses Thema im Programm: Bremen Zwei, 5. Oktober 2017, 13:05 Uhr

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