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Zwei nach Eins

Bodo Janssen

Hotelbetreiber

12. Januar 2018, 13:05 Uhr

Bodo Janssen ist Sohn des Gründers der Upstalsboom-Hotels an Nord- und Ostsee, aber mit der Hotellerie wollte er einst nichts zu tun haben. Nach dem Abitur ging der Ostfriese nach Hamburg und führte ein ziemlich wildes Leben als Fotomodel und Kiez-Barkeeper. Nun ist er doch Hotelmanager, macht vieles anders und vor allem achtsamer.

Bodo Janssen [Quelle: Upstalsboom Kultur & Entwicklung GmbH, Tim Rost]
Bodo Janssen [Quelle: Upstalsboom Kultur & Entwicklung GmbH, Tim Rost]

Mit 24 Jahren wurde Bodo Janssen entführt. Acht Tage hielt man ihn fest, verschleppte ihn durch ganz Deutschland, bis ein Sondereinsatz-Kommando ihn befreien konnte. Im vergangenen Jahr bekam er Post von einem der Täter und verzieh diesem in einem persönlichen Schreiben. Dankbarkeit für das Leben, für die Freiheit, Verzeihen und Neuanfangen, das sind für Janssen keine leeren Worte. Im Gegenteil, für ihn sind es diese Werte, die den Unterschied ausmachen. Für ein glückliches Leben, für ein gelungenes Miteinander überhaupt und eben auch in der Wirtschaft, in den Betrieben.

Leben nach der Abmahnung

2010 ergatterte Bodo Janssen einen letzten Platz in einem Seminar zum Thema "Spirituelles Führen" im Kloster Münsterschwarzach bei Pater und Erfolgsautor Anselm Grün. Er kam als der Chef, den keiner wollte. Bei einer Mitarbeiterbefragung kam heraus, dass die Mitarbeiter ihn ablehnten. Er war alles andere als ein Top-Manager. Er selbst musste sich eingestehen, dass er, wie er sich selbst später nannte, ein Flop-Manager war. Der Weg ins Kloster: "Das war die letzte Ausfahrt".

Bodo Janssen und Anselm Grün, einer der erfolgreichsten deutschen Autoren und ehemaliger Cellerar – also wirtschaftlicher Führer des Klosters – sind heute Co-Autoren. Das jüngste Buch haben sie gemeinsam geschrieben. Ein Ratgeber, der Mut machen will, selbst und im beruflichen Umfeld neue Wege zu gehen. "Stark in stürmischen Zeiten – die Kunst sich selbst und andere zu führen" war innerhalb von  48 Stunden ausverkauft.

Der Upstalsboom-Weg

Janssen selbst hat mit Beginn seiner ersten Seminare im Kloster begonnen, im eigenen Unternehmen alles auf den  Kopf zu stellen. Heute sind die Mitarbeiter so zufrieden mit ihm und ihrem Unternehmen wie nie, und erfolgreich sind sie auch. Das Unternehmen gehört zu den branchenübergreifend fünf besten Arbeitgebern in Deutschland. Viele Mitarbeiter dürfen sich selbst in Teams einteilen, auf allen Visitenkarten steht schlicht "Upstalsboomer", es gibt kein förmliches "Sie" mehr und dafür einen Wertebaum, auf dem das verewigt ist, auf das sich alle verständigt haben: Toleranz. Achtsamkeit. Freude.

Längst gibt Bodo Janssen selbst Seminare für Führungskräfte. Die meisten, so erzählt er, wollen wissen, wie er geschafft hat, was er geschafft hat. Er selbst fragt aber nach dem wofür. Es geht immer um die innere Haltung, so Janssen. Wofür steht mein Unternehmen, wofür stehen meine Mitarbeiter ein. Meine Aufgabe, so Janssen heute, liegt vor allem darin, Menschen glücklich zu machen. Sie zu fragen, was für sie persönlicher Erfolg bedeutet. Dann kommt alles andere von selbst, so der vielfach ausgezeichnete Manager.

Die Stille Revolution – jetzt auch im Kino

Schon einmal hat Bodo Janssen zusammen mit Regisseur Kristian Gründling einen Trailer über sein Umdenken gedreht. Einige wenige Minuten, eigentlich entstanden, um die Mitarbeiter noch stärker, noch emotionaler mitzunehmen auf den neuen Wegen ihres Chefs. Doch der kleine Trailer wurde ein viraler Hit in mehr als 150 Ländern, und wurde in viele Sprache übersetzt. Und nun kommt die ganze Geschichte in Kinolänge und -qualität daher, ebenfalls produziert von Kristian Gründling. Ein Film, der vor allem neben Janssen andere große Unternehmerpersönlichkeiten zu Wort kommen lässt.

Dieser Film ist ein Abgesang auf die alte Welt. (...) Wir treffen auf eine große Sehnsucht bei den Menschen. Sie wollen anders beteiligt sein, ihre Persönlichkeit auch im Beruflichen einbringen, ein Leben führen, das nicht unterscheidet zwischen Arbeit und Freizeit. Es geht um pure Lebenszeit.

Mit dabei: Hirnforscher Hüther, Drogeriechef Götz Werner, der ehemalige Finanzminister Hans Eichel. Ab März kommt der Film in ausgesuchte Programmkinos. Von den 330 Plätzen im großen Savoy Kino in Hamburg sind gerade noch einige wenige Karten zu haben.

Das Gespräch zum Anhören::
Radikaler Wandel – Hotelmanager Bodo Janssen [37:35 Minuten]

Moderation: Carola Schede

Dieses Thema im Programm: Bremen Zwei, 12. Januar 2018, 13:05 Uhr

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