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Zwei nach Eins

Aharon Appelfeld †

Israelischer Schiftsteller

4. Januar 2018, 13:05 Uhr

Der israelische Schriftsteller und Holocaust-Überlebende Aharon Appelfeld ist im Alter von 85 Jahren gestorben. Wir senden in "Zwei nach Eins" ein Gespräch mit ihm aus dem Jahr 2007 – eines der ersten, das Appelfeld in deutscher Sprache führte.

Aharon Appelfeld [Quelle: DPA, Frank May]
Aharon Appelfeld starb im Alter von 85 Jahren. [Quelle: DPA, Frank May]

Appelfeld wurde am 16. Februar 1932 in Rumänien geboren und wuchs in der Ukraine auf. 1939 musste er miterleben, wie seine Mutter und seine Großeltern ermordet wurden. Zusammen mit seinem Vater wurde er ins Ghetto gebracht. Von dort gelang ihm aber die Flucht, und er schlug sich die nächsten Jahre allein durch die Wälder Russlands und der Ukraine. Mit nur acht Jahren musste er nach dem Einmarsch der Deutschen also seine Heimat verlassen und seine deutsche Muttersprache hinter sich lassen.

In den Wäldern bekam Ukrainisch und Russisch meine Sprache. Ich unterdrückte meine Muttersprache. Ich wollte sie vergessen. Es war eine Gefahr deutsch zu sprechen, weil in dieser Gegend nur Juden deutsch sprachen.

Neuanfang in Israel

Mit 13 Jahren kam er nach Israel. Das Leben wurde dort aber nicht schlagartig besser. Appelfeld hatte zwar schon viel gesehen, aber seine Bildung ließ zu wünschen übrig. Er war gerade erst ein Jahr zur Schule gegangen und musste aus dem Stand Hebräisch lernen. Er schaffte es, machte seinen Abschluss, studierte an der Hebräischen Universität in Jerusalem. Von 1975 bis zu seiner Emeritierung Anfang der 2000er Jahre arbeitete er als Professor für hebräische Literatur.

Über 40 Bücher in 35 Sprachen

Seit den 1950er Jahren veröffentlichte Aharon Appelfeld erste Erzählungen und war dann einer der produktivsten und angesehensten Schriftsteller seines Landes. Für ihn war das Schreiben ein magische Berührung.

Ich habe das Papier berührt, und das Papier begann mir Worte zu geben. Ich habe Worte und Farben gesehen. Ich habe Klang gehört und viele Bilder kamen von allen Richtungen. Das heißt, das Schreiben hat mich irgendwie erlöst als Mensch.

Über 40 Bücher schrieb er, die in 35 Sprachen übersetzt wurden, darunter "Der Mann, der nicht aufhörte zu schlafen", "Zeit der Wunder" und "Ein Mädchen nicht von dieser Welt". Die Hauptthemen seiner Werke waren das jüdische Leben vor dem Holocaust und Kindheitserinnerungen aus Osteuropa. Erst im November des vergangen Jahres erschien im Rowohlt Verlag sein Roman "Meine Eltern" in deutscher Sprache.

Moderation: Silke Behl

Das ganze Gespräch zum Anhören:
Schriftsteller Aharon Appelfeld [25:16 Minuten]

Dieses Thema im Programm: Bremen Zwei, 4. Januar 2018, 13:05 Uhr

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