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Hörspiel

Broken German

Hörspiel von Noam Brusilovsky nach dem gleichnamigen Roman von Tomer Gardi

10. Dezember 2017, 18:05 Uhr

Am 12. November gingen in Karlsruhe die diesjährigen ARD Hörspieltage zu Ende. Zwölf aktuelle Produktionen der ARD und des Deutschlandradios sowie vom Österreichischen Rundfunk und dem Schweizer Radio standen im Wettbewerb. Das Gewinnerstück von Noam Brusilovsky spielt mit Identitäten, Chronologie, Perspektiven.

Preisträger bei den ARD-Hörspieltagen [Quelle: SWR]

Dor Aloni, Darsteller zusammen mit Noam Brusilovsky, Regisseur und Bearbeiter Quelle: SWR, Monika Maier

Tomer Gardi [Quelle: Arie Kishon]

Tomer Gardi, Autor Quelle: Arie Kishon

Preisträger bei den ARD-Hörspieltagen [Quelle: SWR]

Thomas Kleist, Intendant SR, Dor Aloni, Noam Brusilovsky, Annika Oetzmann, Dramaturgin (SWR) und Thomas Böhm, Vortsitz der Jury Quelle: SWR, Monika Maier

Ein Sprecher bei der Hörspielproduktion "Broken German". [Quelle: SWR]

Dor Aloni bei der Produkion Quelle: SWR, Monika Maier

Sprecherinnen und Sprecher bei der Hörspielproduktion "Broken German". [Quelle: SWR]

Dor Aloni, Aviva Joel und Noam Brusilovsky Quelle: SWR, Monika Maier

Ein israelischer Mann erzählt in gebrochenem Deutsch. Er erzählt, babylonisch-lebendig, von Radili Anuan, der sich in Berlin nach Anpöbelungen durch Skins ein Messer gekauft, es dann aber vergraben hat. Und von einer linken WG, die Jahre später einen Dokumentarfilm auf der Suche nach dem vergrabenen Messer machen will. Er erzählt von einer Reise nach Berlin mit seiner Mutter. Statt ihrer eigenen nehmen sie zwei fremde Koffer vom Flughafen mit, die sich als Koffer eines Arabers und einer aus Eritrea geflüchteten Frau herausstellen.

Der Mann trägt fortan die Kleider der Frau, seine Mutter die des Mannes. Er bespricht mit seiner Mutter Erinnerungen an ein von den Deutschen besetztes Dorf in Rumänien, hält eine Rede zur Neueröffnung des Kafka-Instituts (vormals Goethe-Institut), lässt sich als Arbeitsmigrant in der Prosa eine fremde Sprache nachts im Jüdischen Museum einschließen und entdeckt dort in der Besenkammer eine Leiche: "Also keine Angst. Ich nehme keiner Deutsche Literat seine Arbeit weg. Und deshalb musste ich das Jüdische Museum Besenkammer Tür aufmachen. Für die schwarze Arbeit. Ins deutsche Sprache. Und weil so sind wir Schriftsteller. Wir machen geschlossene Besenkammer Türe auf."

Noam Brusilovskys Bearbeitung verstärkt die Romanvorlage Tomer Gardis nicht nur, sondern macht aus ihr ein eigenständiges, so nur im Akustischen mögliches Kunstwerk.

Broken German Hörprobe: Broken German [2:39 Minuten]

Tomer Gardi, geboren 1974 im Kibbuz Dan in Galiläa, studierte Literatur und Erziehungswissenschaft in Tel Aviv und Berlin, war Herausgeber der Zeitschrift »Sedek: A Journal on the Ongoing Nakba«, ein Projekt der israelisch-jüdischen Initiative Zochrot, die sich mit der Erinnerung an die Vertreibung der Palästinenser befasst. Sein literarischer Essay »Stein, Papier« erschien 2011 auf Hebräisch und 2013 in deutscher Übersetzung. Im Frühjahr 2016 machte er von sich reden, als er beim Ingeborg Bachmann-Wettbewerb in Klagenfurt einen Ausschnitt aus »Broken German« las – und die Jury diskutierte, ob ein Text, der in unkorrektem Deutsch verfasst ist, überhaupt zulässig sei.

Noam Brusilovsky, geboren 1989 in Israel, istTheater- und Hörspielregisseur. 2007 absolviert er die Thelma Yellin High School of the Arts. Seit 2012 lebt und studiert er in Berlin (Hochschule für Schauspielkunst "Ernst Busch") - dort inszeniert er eine biografische Fassung von "Antigone" und Stefan Wipplingers "Als das Meer einer Einladung nachzukommen durchaus im Stande war" (Gastspiel am Deutschen Theater). Unter seiner künstlerischen Leitung findet ein gemeinsames Projekt der HfS "Ernst Busch", des Performing Arts Studio Tel Aviv und des Goethe Institut statt. Sein Stück "Woran man einen Juden erkennen kann" gastiert auf dem Körber Studio Junge Regie 2015 in Hamburg. 2016 wird das Stück als Hörspiel des Deutschlandfunk produziert. 2017 inszeniert er für den SWR das Hörspiel "Broken German" nach einem gleichnamigen Roman von Tomer Gardi. Im Dezember kommt seine erste Solo-Performance "Orchiektomie rechts" auf die Bühne des bat-Studiotheaters in Berlin.

Regie und Bearbeitung: Noam Brusilovsky
Produktion: SWR 2017
Länge: 59`06

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