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Wortartist mit Cello

Radiocollage für Franz Hohler

17. Februar 2018, 18:05 Uhr

Franz Hohler in seinem Züricher Arbeitszimmer [Quelle: Radio Bremen]
Franz Hohler in seinem Züricher Arbeitszimmer

von Michael Augustin und Walter Weber

Am 1. März 2018 wird der Schweizer Autor, Kabarettist und Entertainer Franz Hohler 75. Jahre alt. Michael Augustin und Walter Weber gratulieren ihm mit einer audiophonen Collage.

Der Schweizer Franz Hohler ist der Alleskönner unter den deutschsprachigen Schriftstellern. Viele Jahre war er auf ungezählten Kabarettbühnen unterwegs. Mit großem Erfolg ist er im Radio und im Fernsehen aufgetreten, ist Autor von Hör- und Fernsehspielen, hat Romane und Theaterstücke, Erzähl- und Kinderbücher verfasst, Schallplatten und CDs produziert. Ein "realistischer Fantast oder fantasiebegabter Realist" (Urs Widmer), dem offenbar nichts unmöglich ist. Schon gar nicht der virtuose Umgang mit einem geradezu angeborenen Wortwitz, der ihn berühmt gemacht hat.

Franz Hohler im Luchterhand Verlag Franz Hohler im Zytglogge Verlag

Michael Augustin und Walter Weber haben den großen "Wort-Werker" in seinem Schweizer Domizil in Zürich aufgesucht und mit ihm über sein Leben und seine Arbeit gesprochen.

Sprecher: Jens Schellhass
Ton und Technik: Adrian Eichmann
Regie: Walter Weber
Redaktion: Michael Augustin
Produktion: Radio Bremen 2018

Premiere pizzicato

Geboren wurde Franz Hohler am 1. März 1943 als Sohn eines Lehrerehepaars. Fünf Semester lang studierte er in Zürich Germanistik und Romanistik, wechselte dann aber in den Heizungskeller der Universität, wo er im Jahr 1965 die erste Bühne zur Erprobung seines kabarettistischen Talents fand. "Pizzicato" hieß sein erstes Soloprogramm, dem zahlreiche weitere folgten.

Franz Hohler - Der realistische Fantast - Buchpiloten [Quelle: Radio Bremen]

Der Mann mit dem Cello

Berühmt wurde er als "Mann mit dem Cello", einem vom Großvater ererbten Instrument, das zu seinem Markenzeichen avancierte. Bald war er nicht nur auf den Schweizer Kleinkunstbühnen zu Hause, sondern dehnte seinen Radius auf Deutschland und ganz Europa aus. Ein Künstler, mit einem besonders ausgeprägten Sensorium für die Doppelbödigkeit von Scherz, Satire und Ironie, der von sich selbst sagt: "Ich war immer an einem Humor interessiert, der als Leichtgewicht daherkam, aber bei dem ein Schatten mitläuft. Oder der – nautisch gesprochen – einen Tiefgang hat, wo unter dem fröhlichen Deck des Schiffes ein sehr tiefes Kielwasser brodelt und blubbert."

Franz Hohler: Kompakt; Zytglogge [Quelle: Zytglogge Verlag]
Franz Hohler: Kompakt; Zytglogge [Quelle: Zytglogge Verlag]

Für seinen Freund und Schriftsteller-Kollegen Adolf Muschg ist er ein Schweizer Weltbürger, dessen entwaffnender Persönlichkeit einfach niemand widerstehen kann: "In der Schweiz ist er ein unverdächtiger Eidgenosse. Das heißt, einer auf den Verlass ist, wenn es darum geht nachdenklich kritisch zu sein – nicht von vornherein kritisch zu sein, sondern: Hohler gehört ja auch zu denen, die dem anderen die Wohltat des Zweifels zu seinen Gunsten erweisen. Und er ist in diesem Sinne in einem ganz unverdächtigen und hochverdienten Sinne populär."

Wie man literarisches Kabarett mit politischem Anspruch verbindet, hat keiner so leichthändig und unterhaltsam vorgeführt wie Franz Hohler. Wenn er sich Reizthemen aus Politik, Kultur oder Ökologie widmet, tut er das auf unnachahmliche Weise – man denke nur an seine berühmte Nummer "Der Weltuntergang", einen furiosen Rap für eine Solostimme mit Finger-Begleitung!

Franz Hohler: Spaziergänge [Quelle: Zytglogge Verlag]
Franz Hohler: Spaziergänge; Zytglogge [Quelle: Zytglogge Verlag]

Der Geschichtenerzähler

Seit längerem tritt Franz Hohler nicht mehr als Kabarettist auf. Inzwischen ist das Geschichtenerzählen längst zum Mittelpunkt seines Daseins geworden. Und wie stets bei ihm erwacht dieses, wenn er seine Texte selbst vorträgt: "Diesen Hang dazu, den hatte ich eigentlich gleichzeitig mit dem Schreiben entdeckt, indem ich immer das Gefühl hatte, ein Text, ein Gedicht, eine kleine Geschichte sei erst dann fertig, wenn ich sie vorgetragen habe. Insofern knüpfe ich durchaus an die Tradition des Geschichtenerzählens, der mündlichen Überlieferung sozusagen und das gehörte für mich immer einfach dazu, das Vortragen."

Auch als Geschichtenerzähler hat sich Franz Hohler als der erwiesen, der er ist: der Träger des "Literaturpreises für grotesken Humor". Den hat ihm nämlich die Stadt Kassel im Jahr 2002 verliehen – dem „freien Gaukler und Spezialisten für cellistische Subkultur“, der bereits mit seinem ersten Buch aus dem Jahr 1967 deutlich genug bewiesen hat, wes Geistes Kind er ist. Heißt es doch "Das verlorene Gähnen und andere nutzlose Geschichten". Seitdem hat Hohler neben einigen Romanen wie "Der neue Berg" (1989) und "Es klopft" (2007) vor allem Erzählbände veröffentlicht, in denen er als Meister der kleinen Form brilliert.

Franz Hohler: Das Grosse Buch - Geschichten für Kinder [Quelle: Hanser Verlag]
Franz Hohler, Nikolaus Heidelbach: Das Grosse Buch - Geschichten für Kinder; Hanser Verlag [Quelle: Hanser Verlag]

Autor für Jung und Alt

Eine der vielen Talente von Franz Hohler ist seine phänomenale Begabung für Erwachsene und Kinder schreiben zu können – und zwar auf Augenhöhe! Man denke nur an seine "Tschipo"- Kinderroman-Reihe oder sein opulentes "Grosses Buch", in dem seine besten Storys für Jung und Alt versammelt sind:

"Für mich gibt es keine scharfe Grenze zwischen Kinder- und Erwachsenenliteratur. Da gibt es viel Verkehr hin und her, da muss kein Ausweis gezückt werden. Wir haben alle noch ein Kinderzimmer in uns, das mindestens einen Spaltweit offen ist. Und ich denke, wenn ich solche Geschichten schreibe, dann geht vielleicht diese Tür zum Kinderzimmer im Erwachsenen noch ein bisschen weiter auf als sie schon grad war."

Hohler forever

"Gäbe es Franz Hohler nicht, müssten wir uns dringend mit der Aufgabe beschäftigen, ihn zu erfinden. "Sagt kein Geringerer als sein Schweizer Kabarett-Kollege Emil Steinberger. Und auch Adolf Muschg kann nur bestätigen, dass ein Franz Hohler einfach unverzichtbar ist für die gegenwärtige literarische Szene. "Hohler gehört zu denen, die nicht konjunkturabhängig angekommen sind. Was ja eigentlich auf Charakter und auch politische Intelligenz deutet. Ich kenne keinen Menschen, bei dem sich weniger die Routine eingeschlichen hat. Natürlich weiß er, was er kann und kommt mit dem an, was er kann. Aber das ist frei von Schielen nach links und nach rechts, nach oben, nach unten. Es ist Ausdruck seiner Person und dazu muss man eine Person geworden sein. Das ist er. Er ist eine Persönlichkeit in einem sehr schönen Sinn.

Franz Hohler - Die Homepage

Franz Hohlers Abschiedsgruß [Quelle: Radio Bremen]
Franz Hohlers Abschiedsgruß

Auch mit siebzig Jahren denkt Franz Hohler nicht daran, sich aufs Altenteil zu setzen. Es besteht auch kein Grund dazu bei einem Autor, der offenbar einfach "zeitlos" und souverän ist. Wovon man sich durch einen Blick auf seine Homepage überzeugen kann. Auch hier beweist Franz Hohler einmal mehr, dass er als Selbstdarsteller nun mal einmalig ist:

"Alle zitieren nur die besten Kritiken über sich. Überall scheint die Sonne. Das ist die feinsinnigste CD seit langem, das ist der erwartete Roman usw. Und schreibe dann: Ich möchte Sie auch mit den Schattenseiten des Künstlerlebens vertraut machen. Und deshalb nehme ich nur schlechte Kritiken. Und habe aus meiner ganzen Sammlung nur die allerübelsten Kritiken ausgesucht. Einfach als Gegenbild und auch um zu sagen: Schau an, ich hab's überlebt."

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