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Unbekanntes Europa

Gastfreundliches Sizilien

11. August 2017

Fernes fremdes Europa: Dahin reisen wir in dieser Woche. Diesmal nach Sizilien, auf die Insel im Mittelmeer, auf die seit Jahrhunderten Migranten kommen und die auch heute zum Ziel Tausender geworden ist, die über das Mittelmeer fliehen.

Markstände mit Obst und Gemüse in einer Gasse in palermo [Quelle: Imago, Imagebroker]
Markt in Palermo [Quelle: Imago, Imagebroker]

Ein Volk in Europa, das Migranten mit großer Gastfreundschaft entgegenkommt: So erlebt der Journalist Karl Hoffmann die Sizilianer, seit er vor 17 Jahren dorthin kam. Diese Gastfreundschaft zeigen die Sizilianer auch den Tausenden Migranten gegenüber, sagt er.

Man verhält sich menschlich und solidarisch und versucht zu helfen, wo es eben geht.

Sizilien sei sehr weit weg von allem, was in Italien passiert. Die Insel sei immer eine Einwandererinsel gewesen, und die Menschen seien es gewohnt, nicht in einem geschlossenen Raum zu leben.

Spuren früher Einwanderer sind nicht zu übersehen:. So kamen vor etwa 800 Jahren die Normannen aus dem Norden auf die Insel. Das Resultat: Bis heute trifft man auf rothaarige Sizilianer mit blauen Augen. Und Ende des 16. Jahrhunderts floh eine Gruppe Albaner vor den Türken über das Meer nach Sizilien. Sie ließen sich nieder, und heute leben 6.000 Nachkommen dieser Einwanderer in Piana degli Albanesi, dem Dorf der Albaner. Offizielle Sprachen in dem Ort sind bis heute Italienisch und Albanisch.

Gastfreundschaft in Sizilien [5:20 Minuten]

Dies Thema im Programm: Nordwestradio, 11. August 2017, 7:45 Uhr.

Wo endet Europa?

Im Westen der Atlantik, im Süden das Mittelmeer und im Norden das Eismeer. Diese Grenzen Europas sind klar. Aber wo endet Europa im Osten?

Ein Obelisk auf der Grnze zwischen Europa und Asien in Russland, beidseitig sind in kyrillischen Buchstaben die beiden Kontinente benannt. [Quelle: Imago, Fotoimedia]
Links Europa, rechts Asien: Ohne Obelisken sei die Grenze zwischen den Kontinenten schwer zu erkennen, meint Russlandexperte Boris Reitschuster. [Quelle: Imago, Fotoimedia]

Irgendwo in Russland, im Ural. Zu erkennen ist das nur an einem Obelisken, der an der Bahnlinie der Transsibirischen Eisenbahn steht. Sehr sinnvoll, meint Boris Reitschuster, der ehemalige Russlandkorrespondent des Focus. Denn wenn der Obelisk nicht wäre, würde man nicht merken, dass man auf einem anderen Kontinent ist. Die Landschaft bleibt die gleiche, der Baustil, die Mentalität.

Die Menschen fühlen sich russisch, die Identität ist nicht europäisch oder asiatisch. Die Grenze verläuft nicht im Ural, sondern in den Köpfen der Menschen.

Im Südosten verläuft die Grenze im Kaukasus – die Georgier sind der Meinung, sie verlaufe auf dem Südkamm des Kaukasus, und deshalb gehöre Georgien – genau wie Aserbeidschan – zu Europa. Es sei eine unklare Grenze, sagt Reitschuster, aber man bemerkt sie. Kultur und Architektur in Georgien  seien „schon sehr asiatisch“. Und man bemerke den Unterschied an den Menschen: "Zeit hat bei den Menschen in Georgien gar keine Bedeutung."

Und wenn man an die Grenzen Europas reist: Was muss man gesehen haben?   

Georgien! Eine Welt, die sich mit nichts anderem vergleichen lässt. Und wenn man schon mal da ist, sollte man auch nach Baku und Jerewan reisen.

Wo endet Europa? [4:41 Minuten]

Dies Thema im Programm: Nordwestradio, 10. August 2017, 7:45 Uhr.

Malta: die größte Festung Europas

Weit im Süden, vor der Küste Afrikas liegt Malta, das kleinste Land der EU. Eine Insel mit jahrtausendealter Geschichte, mit alten Tempelanlagen und riesigen Festungsbauten. Im nächsten Jahr wird die Haupstadt Valetta Kulturhauptstadt Europas.

Valetta: Stadtansicht vom Meer aus [Quelle: Imago, Jochen Tack]
Valetta: 2018 wird Maltas Hauptstadt Kulturhauptstadt Europas. [Quelle: Imago, Jochen Tack]

Malta ist klein, nur 43 Kilometer sind es von Nord nach Süd. Und es ist dicht besiedelt. Wer nach Malta reist, trifft auf Spuren von 6.000 Jahren Geschichte, auf Paläste, Strände und ein pulsierendes Nachtleben.

Wer die allerersten Spuren auf Malta hinterließ, ist nicht bekannt, erzählt der Reiseschriftsteller Klaus Bötig. Von ihrem Leben zeugen die Reste riesiger Tempelanlagen, die etwa 6.000 Jahre alt sind. Alle großen Seefahrernationen lebten auf Malta: die Phönizier, die Karthager, Römer und Griechen. Geprägt wurde die Insel von den Kreuzrittern des Johanniter-Ordens, sie herrschten von 1530 bis zum Ende des 18. Jahrhunderts auf Malta und bauten die Insel zur größten Festungsanlage Europas aus.

Fernes fremdes Europa: Dahin reisen wir in dieser Woche. Zum Beispiel weit in den Süden, vor die Küste Afrikas. Dort liegt Malta, das kleinste Land der EU, eine Insel mit 6000-jähriger Geschichte, mit alten Tempelanlagen und riesigen Festungsbauten. Im nächsten Jahr wird die Haupstadt Valetta Kulturhauptstadt Europas.

Autor/-in: Anja Goerz
Länge: 5:21 Minuten
Datum:
Sendereihe: Online | Radio Bremen

Auf Malta werden zwei Sprachen gesprochen: Englisch – Malta gehörte lange zum Commonwealth – und Maltesisch. Die Sprache ist aus dem maghrebinischen Arabisch entstanden, und sie ist die einzige arabische Sprache, die mit lateinischen Buchstaben geschrieben wird. Und eine weitere Besonderheit: Die Malteser sind streng gläubige Katholiken – ihren christlichen Gott nennen sie "Allah", seinen Sohn "Unser Sultan Jesus Christus".

Dies Thema im Programm: Nordwestradio, 9. August 2017, 7:45 Uhr.

Skellig Michael: Felsnadel im Atlantik

Zum Beispiel zu einer grünen Stecknadel im Atlantik, ein paar Stunden Bootsfahrt von Irland entfernt: Skellig Michael heißt die Insel, die den meisten völlig unbekannt war – bis der Krieg der Sterne kam.

Klosteranlage auf Skellig Michael  [Quelle: Imago, Robert Harding]
Unesco-Weltkuturerbe und Heimat seltener Vogelarten: Skellig Michael vor der Küste Irlands. [Quelle: Imago, Robert Harding]

Skellig Michael – ein schroffer Felsen, ein spitzes steiniges Dreieck mitten im Atlantik, 13 Kilometer vom Festland entfernt. Dieser Felsen ist von oben bis unten bewachsen und Heimat seltener Vögel. Und die Insel ist Weltkulturerbe der Unesco: Zwischen dem achten und dem zehnten Jahrhundert lebten Mönche auf der Insel, sie bauten Gemüse an und hielten Ziegen. Sie lebten einsam und allein mit der Natur, hielten Wikingerangriffen und Atlantiksstürmen statt. Die Klosterruinen sind in Teilen erhalten. Zwischen den Ruinen nisten Papageientaucher und Atlantiksturmtaucher, sie verstecken sich unter den Treppen und in kleinen Höhlen. Wegen ihnen steht Sekllig Michael zusätzlich unter strengsten EU-Richtlinien für Natur- und Tierschutz.

Und dann kam Unruhe auf: Irgendwie ergatterte die Walt-Disney-Corporation Drehrechte auf Skellig Michael – gedreht wurden Szenen für die Star Wars Episoden 7 und 8. Seitdem kommen die Besucher. Ein Segen für die Region, meinen viele. Die Guides, die in den Sommermonaten die Insel in Stand halten und beschützen, sehen das anders.

Mitten im Atlantik: Skellig Michael [4:06 Minuten]

Dies Thema im Programm: Nordwestradio, 8. August 2017, 8:10 Uhr.

Mayotte – Frankreich in den Tropen

Zwischen Madagaskar und Mosambique, vor der Küste Ostafrikas, liegt das 101. Départment Frankreichs. 8.000 Kilometer weit von Paris entfernt, 15 Stunden Flug. Und dann ist man da, auf der Insel Mayotte, die zur Inselgruppe der Komoren gehört. Die Natur ist fantastisch, sagt die ARD-Korrespondentin Barbara Kostolnik. Es gibt eine wunderschöne Lagune, Strand und Berge.

Ein Junge fischt mit einem Speer. Im Hintergrund Boote. [Quelle: Imago, Peter Giovannini]
Frankreich im Indischen Ozean: die Insel Mayotte. [Quelle: Imago, Peter Giovannini]

Mayotte sei "total französisch" und den anderen Départments gleichgestellt, sagt Kostolnik, aber...

... es ist so weit weg, dass die französische Regierung Mayotte gerne mal vergisst.

Viele fühlen sich von der Regierung im Stich gelassen: die Arbeitslosigkeit ist hoch, die Kriminalitätsrate ebenso. Der größte Slum Frankreichs ist auf Mayotte, viele Flüchtlinge kommen auf die Insel. Und es gibt eine Besonderheit: Viele Schwangere von den Komoren kommen nach Mayotte und bringen ihre Kinder in der größten Geburtsklinik Frankreichs zur Welt – und sind dann automatisch Franzosen.

Das Lebensgefühl auf Mayotte sei afrikanisch, erzählt Kostolnik: die Musik, das Essen, die Orientierung an der Gegenwart. "Es geht immer nur um heute oder morgen." Es ist ein Paradies – allerdings eines mit vielen Problemen.

Unbekanntes Europa: Mayotte [4:56 Minuten]

Dies Thema im Programm: Nordwestradio, 7. August 2017, 7:45 Uhr.

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