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Wochenserie "Raumfahrt"

Weltraum-Tourismus und Mondmissionen

9. Januar 2018, 7:45 Uhr

Sternstunden 2018 – das ist das Raumfahrtjahr in Bremen. Im Oktober findet die größte internationale Raumfahrttagung in Bremen statt, die IAC. Und das ganze Jahr über gibt es Veranstaltungen und Diskussionen rund ums Weltall. Um Raumfahrt dreht sich auch unsere Wochenserie. Heute: Wie geht es weiter in der Raumfahrt?

Ein US-Astronaut bei einem Einsatz im Weltall [Quelle: Nasa]
Wohin im nächsten Sommerurlaub? "Vielleicht mal ins All", könnte es in Zukunft heißen. [Quelle: Nasa]

Bald sollen auch Touristen ins All fliegen können. Ist der Beruf des Astronauten dann gar nicht mehr so spannend und außergewöhnlich wie bisher? Thomas Reiter, 15 Jahre ESA-Astronaut und der achte Deutsche im All, verneint das, und er würde den Weltall-Tourismus lieber heute als morgen für jeden Menschen möglich machen.

Diese Eindrücke, die man da oben sammeln kann, sind so tiefgehend, dass ich ich mir sehr gut vorstellen kann, dass das für unser Zusammenleben hier unten einen großen Vorteil bringen könnte.
Der ehemalige Astronaut Thomas Reiter [Quelle: Imago, Christian Schroedter]
Thomas Reiter [Quelle: Imago, Christian Schroedter]

Die Aufgabe der ESA, so Reiter, sei es, nicht nur den Weltraum zu erforschen, sondern auch sein wirtschaftliches Potenzial zu entdecken. Der Bereich der Telekommunikation wird bereits heute am meisten genutzt. Der neueste Hype sei die Satellitenkommunikation.

Die USA, Russland und China wollen als nächstes den Mond noch genauer untersuchen. Aber auch die Europäer liegen nicht auf der faulen Haut, sagt Thomas Reiter. Die Pläne für eine eigene Mondmission wurden zwar nicht uimgesetzt, aber derzeit arbeitet Deutschland zusammen mit den USA am "Orion-Programm". Bei Airbus in Bremen wird das sogenannte Servicemodul gebaut. 2020 soll wieder eine bemannte Mission unternommen werden. Mit an Bord wird dann zum zweiten Mal der Deutsche Alexander Gerst sein.

Gespräch mit Thomas Reiter:
Wie geht's weiter in der Raumfahrt? [5:14 Minuten]

Dies Thema im Programm: Bremen Zwei, 12. Januar 2018, 8:10 Uhr.

Sternstunden in und für Bremen

In Bremen beginnt offiziell das "Jahr der Raumfahrt". Raumfahrttechnologie ist eine Schlüsselbranche in der Hansestadt. Bremen-Zwei-Reporter Folkert Lenz beschäftigt sich seit Jahren mit diesen Themen. Er erklärt, was die Bremer davon haben, dass in ihrer Stadt das Raumfahrtjahr groß gefeiert wird.

Das Orion Servicemodul im Weltall. Eine silberne Kapsel mit Solar-Flügeln. [Quelle: NASA]
Das Orion-Servicemodul - Hightech mit norddeutscher Beteiligung. [Quelle: NASA]

"100 Aktionen sind den Bremern zum Thema Raumfahrt versprochen worden. Aber die Liste der Veranstaltungen liegt noch gar nicht vor. Allerdings wird auch bisher normalen Veranstaltungen das Label 'Raumfahrt' aufgedrückt. Das Straßenkünstlerfestival La Strada zum Beispiel steht dann eben im Zeichen der Raumfahrt". Der Reporter sieht das Raumfahrtjahr und den Höhepunkt, die internationale Raumfahrttagung IAC, auch als "große Werbemaschine", denn "die Staaten sollen ja auch Geld für die Forschung geben."

Zur IAC käme vom 1. Oktober bis zum 5. Oktober die "Crème de la Crème der Raumfahrer" nach Bremen: Astronauten, Raktenforscher, Wissenschaftler aller Bereiche. Insgesamt 4.000 Teilnehmer werden erwartet.

Für uns Laien: Es geht auf der Weltraumtagung um Asteroidenforschung, Weltraumschrott, Satellitentreibstoff...

In Bremen beginnt heute offiziell das "Jahr der Raumfahrt". Nun ist die Stadt unbestritten ein Zentrum, wenn es um die Erforschung des Weltalls und Flüge dahin geht. Raumfahrttechnologie ist eine Schlüsselbranche in der Hansestadt. Bremen-Zwei-Reporter Folkert Lenz beschäftigt sich seit Jahren mit diesen Themen. Er erklärt, was die Bremer davon haben, dass in ihrer Stadt das Raumfahrtjahr groß gefeiert wird.

Autor/-in: Folkert Lenz
Länge: 4:09 Minuten
Datum: Donnerstag, 11. Januar 2018
Sendereihe: Der Morgen | Bremen Zwei

Mehr zum Thema:

Weltraum-Tourismus und Mondmissionen

Folkert Lenz weiter: "Bremen spielt beim Thema Raumfahrt weltweit in der ersten Liga mit. Das ist auch der Grund, warum Bremen den Kongress nach 2003 zum zweiten Mal ausrichten darf". Für Bremer Unternehmen ist momentan das wichtigste Thema der Bau des Servicemoduls für das US-Raumschiff "Orion". Das soll Ende kommenden Jahres zu einem ersten unbemannten Flug starten, am Ende könnte dann ein Flug zum Mars stehen. "Das Modul aus Bremen regelt den Antrieb und die Temperatur im Inneren des Gefährts, sorgt für Strom und Atemluft für die späteren Astronauten", so Lenz.

Dies Thema im Programm: Bremen Zwei, 11. Januar 2018, 8:10 Uhr.

Wem gehört der Mond?

Vollmond [Quelle: Nasa, Goddard Space Flight Center]
Ein paar Flaggen stehen schon auf dem Mond. Aber wer darf ihn besiedeln und wem werden die Grundstücke gehören? [Quelle: Nasa, Goddard Space Flight Center]

Auf der Erde ist der Landbesitz unter den Staaten weitgehend geklärt. Aber selbst hier kommt es immer wieder zu Streitigkeiten. Wem gehört diese Insel? Wer darf in dem Seegebiet fischen...? Wie sieht es in den unendlichen Weiten des Weltraums aus? Wem gehören die Sterne, wem gehört der Mond? Darüber haben wir mit dem Direktor des Instituts für Luft- und Weltraumrecht an der Universität Köln, Stephan Hobe, gesprochen.

"Ein großer Schritt für die Menschheit", sagte der Amerikaner Neil Armstrong, der als erster Mensch den Mond betrat und die amerikanische Flagge hisste. Die Fahnen der Amerikaner und Russen auf dem Mond haben allerdings nur symbolischen Charakter, sagt Stephan Hobe, Weltraumrechtler an der Uni Köln. Durch den internationalen Weltraumvertrag sei festgelegt, dass der Mond – wie andere Himmelskörper auch – der gesamten Menschheit gehört und nicht einzelnen Staaten. Deshalb sei es auch vertragsrechtlich nicht möglich, dass der Amerikaner Dennis Hope sich im Jahr 1980 die Rechte am Mond gesichert hat und dort Grundstücke verkauft. "Das ist ein schlechter Scherz", sagt Hobe.

Ressourcenabbau nicht mit geltendem Recht vereinbar

International sei zurzeit umstritten, inwieweit der Abbau von Ressourcen auf dem Mond oder anderen Himmelskörpern möglich sein kann. Aber auch das ist mit geltendem Recht nicht vereinbar, so Hobe. Einige Staaten wollen ihren Unternehmen die Möglichkeit offenhalten, auf dem Mond zu forschen. Doch das geht nicht ohne eine spezielle Erlaubnis, die nach nationalem Recht erteilt wird. Das wiederum können nur die etwa 20 Staaten, die überhaupt ein nationales Weltraumgesetz haben – Deutschland gehört nicht dazu.

Gespräch mit Stephan Hobe:
Wer darf sich auf dem Mond ein Grundstück kaufen? [4:02 Minuten]

Dies Thema im Programm: Bremen Zwei, 10. Januar 2018, 7:45 Uhr.

Laika, Albert II. und echte Überlebenskünstler

Bevor die Menschen sich in den Weltraum trauten, kamen – als eine Art Versuchskaninchen – tierische Astronauten zum Einsatz. Mit ihrer Hilfe wollte man herausfinden, wie Menschen einen Flug ins All überstehen könnten, ohne Schaden zu nehmen. Über tierische Astronauten sprachen wir mit dem Biologen Mario Ludwig.

ein Bärtierchen(Illustration) [Quelle: Imago, Sebastian Kaulitzki]
Fit für's All: Bärtierchen kommen mit Minusgraden, kosmischer Strahlung und fehlendem Sauerstoff zurecht. [Quelle: Imago, Sebastian Kaulitzki]

Das erste Säugetier im All war Albert II., ein Rhesusaffe, den die USA 1949 in einer nachgebauten deutschen V2-Rakete in den Weltraum schickten. Albert erreichte eine Höhe von immerhin 130 Kilometern. Allerdings öffnete sich bei der Landung der Fallschirm nicht. Im Juli 1951 überlebten die sowjetischen Hunde Dezik und Tsygan als erste Tiere einen Weltraumflug auf 110 Kilometer Höhe. Das erste Tier, das mit einer Rakete in die Erdumlaufbahn geschossen wurde, war dann im Jahr 1957 die russische Hündin Laika.

Hündin Laika im Satellit Sputnik 2. [Quelle: DPA, RIA Nowosti]
1957 wurde die Hündin Laika ins All geschossen. Sie starb an Überhitzung. [Quelle: DPA, RIA Nowosti]

Laika  starb allerdings wenige Stunden nach dem Start an Überhitzung und Stress, weil die Wärmeisolierung der Kapsel nicht funktionierte. Als sowjetische Zeitungen also einen weiteren Triumph des Sozialismus verkündeten, war der erste Hund im Weltraum schon längst tot.

Weltraumforschung an Tieren

Bei vielen Weltraummissionen sind Tiere an Bord, mit denen im All Experimente – vor allem zur Erforschung der Schwerelosigkeit – durchgeführt  werden: Vögel, Geckos, Schnecken, Fische, Fruchtfliegen und Bärtierchen. Das sind winzige, einen Millimeter große Tiere, die für ihre unglaubliche Überlebensfähigkeit bekannt sind: Sie können Temperaturen von unter minus 190 Grad Celsius monatelang aushalten. 2007 wollte ein deutsch-schwedisches Forscherteam herausfinden, ob Bärtierchen auch gut im Weltraum überleben können. Also hat man im Rahmen einer Mission der Europäischen Weltraumorganisation zwei Bärtierchenarten ins All geschossen, und die armen Teufel mussten dann dort zehn Tage lang in einer Höhe von rund 270 Kilometern – völlig ungeschützt – die lebensfeindlichen, im Weltraum herrschenden Bedingungen aushalten.

Ergebnis: Die meisten Bärtierchen haben nicht nur die extreme Kälte, sondern auch das im All herrschende Vakuum und die kosmische Strahlung ohne größere Probleme überstanden. Die überlebenden Bärtierchen konnten sich nach ihrer Rückkehr auf die Erde sogar fortpflanzen. Das ist nach Ansicht der Wissenschaft ein Zeichen dafür, dass die Bärtierchen nicht nur sich selbst, sondern eben auch ihr Erbgut schützen konnten.

Gespräch mit Mario Ludwig:
Tiere im All [4:40 Minuten]

Dies Thema im Programm: Bremen Zwei, 9. Januar 2018, 7:45 Uhr.

Urlaub im All?

Wer es satt hat, jedes Jahr im Urlaub wieder nur in die gleichen Berge oder nur ans gleiche Meer zu fahren: Es gibt Alternativen. Wie wäre es zum Beispiel mit der Umlaufbahn um die Erde? Gleich zwei Anbieter wollen in diesem Jahr erstmals Touristen ins All bringen. Und sie werden nicht alleine unterwegs sein: Auch eine ganze Reihe Forschungsmissionen machen sich auf den Weg – oder kommen zum Abschluss. Ein Überblick von Florian Freistetter, Astronom und Blogger.

ISS im Weltall [Quelle: Radio Bremen]
Kein All-Hotel, sondern die internationale Raumstation ISS.

"Ich bin nicht so der große Weltraumreisende," sagt er. Selber mal ins Weltall fliegen – das reize ihn nicht besonders, sagt er. Das sollten die Abenteurer machen, ihm sei es zu gefährlich. Und wirklich angenehm sei es wohl auch nicht:

Es ist eng, es ist laut in den Raumschiffen, es gibt nichts Vernünftiges zu essen. Aber die Aussicht ist großartig. Das ist das Einzige, was entspannend ist.

Und dann erst der Geruch!

Erforschung der Sonne

Interessant dagegen sind große Forschungsmissionen, allen voran die Parker Solar Probe: Die Nasa will eine Raumsonde zur Sonne bringen, so nah wie noch nie. Sie soll Forschungsergebnisse der Solarphysik liefern. Es geht zum Beispiel um die Frage, wie der immense Temperatur-Unterschied zwischen der "Oberfläche" der Sonne – dort herrschen etwa 5.500 Grad Celsius – und der  Korona, dem Strahlenkranz um diesen Stern, entsteht. Denn dort kann es Temperaturen über eine Million Grad geben.

Nasa: Parker Solar Probe

Die bemannte Raumfahrt, insbesondere den Flug zum Mars, sieht Freistetter skeptisch: Immer wieder heiße es, man werde dorthin fliegen, aber letztendlich sei noch niemand dort gewesen. "Das ist nicht so einfach, wie man immer glaubt."

Gespräch mit Florian Freistetter:
All-Tourismus und Weltraumforschung [4:44 Minuten]

Dies Thema im Programm: Bremen Zwei, 8. Januar 2018, 8:10 Uhr.

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Sondersendung: Der Mond
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