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Der Missionar aus Kassebruch

4. Oktober 2017, 10:45 Uhr

Kassebruch ist ein kleiner Ort im südlichen Landkreis Cuxhaven. Ein Sohn des Ortes hat es schon im 19. Jahrhundert bis ins südliche Afrika geschafft – Johann Hinrich Schmelen wurde Missionar im Gebiet des heutigen Namibias.

Hinrich Schmelen auf einer Briefmarke aus Südwestafrika aus dem Jahre 1989. [Quelle: Republik Südwestafrika]
Hinrich Schmelen auf einer Briefmarke aus Südwestafrika aus dem Jahre 1989. [Quelle: Republik Südwestafrika]

Johann Hinrich Schmelen: Der Missionar aus Kassebruch [3:03 Minuten]

Die Johann-Hinrich-Schmelen-Straße in Kassebruch zu finden, ist kein Kunststück: Sie geht von der Hauptstraße ab, direkt am Kriegerdenkmal aus Feldsteinen. Hohe Bäume säumen die Straße, weiter hinten macht sie eine Kurve. Das alte Bauernhaus am Ende rechts: ist das vielleicht Schmelens Elternhaus? Ein ortskundig aussehender Radfahrer erzählt:

Johann Hinrich Schmelen war ein Missionar, einer der ersten. Der hat da gewohnt, wo das neue Haus steht. Die haben da eine kleine Landwirtschaft gehabt. Wie das früher so war.

Schmelens Geburtshaus steht also nicht mehr. Dafür erinnert sich Jürgen Rosenbohm – so heißt der Mann auf dem Rad – an seine Kindheit in Kassebruch, zu der auch der Unterricht in der Dorfschule gehörte:

Alle Kassebrücher, die hier zur Schule gegangen sind, wissen da einiges drüber. Weil nämlich der Lehrer Selle sehr großen Wert darauf gelegt hat, dass wir das alles wissen. Und wer das nicht gewusst hat, der hat Ärger gekriegt mit ihm.

Auf Spuren von Schmelen

Aber nicht nur Lehrer Selle hat sich mit Johann Hinrich Schmelen beschäftigt. Seine Geschichte interessierte auch Heinz Gustafsson. Er lebt in Stuhr. Beruflich hatte er öfter in Nordafrika zu tun. Auf privaten Reisen nach Namibia und Südafrika stieß er auf Spuren von Schmelen: Ein 1814 gebautes Steinhaus, Schmelens Grab, ein Einkaufszentrum mit seinem Namen und zwei von ihm gegründete Städte. Gustafsson recherchierte in Afrika und Deutschland:

Er wurde in Kassebruch geboren, 1779, glaub ich. Und ist, nachdem er den Hof seiner Eltern nicht übernehmen konnte, Schmied geworden. Als Schmied konnte er von seinem Einnahmen aber wohl nicht leben, und wie denn Napoleon mit seinen Soldaten hier eintrudelte und neue deutsche Soldaten suchte, hat er gesagt: "Nein!"
Straßenschild "Joh.-Hinrich-Schmelen-Str." [Quelle: Radio Bremen, Catharina Spethmann]
Die Johann-Hinrich-Schmelen-Straße in Kassebruch. [Quelle: Radio Bremen, Catharina Spethmann]

1811 als Missionar nach Südafrika

Mit etwas Geld vom Vater – viel kann es nicht gewesen sein, die kleine Landwirtschaft warf wenig ab, und Johann Hinrich hatte viele Geschwister – geht er mit 26 Jahren nach London. In der deutschen Gemeinde dort trifft er den Geistlichen Steinfeld, der ihn für die Arbeit als Missionar begeistert. Einmal noch besucht er Kassebruch, dann geht er nach einem Aufenthalt in Berlin zurück nach London und 1811 als Missionar nach Südafrika, erzählt Heinz Gustafsson:

Von dort aus ist er dann auf Wunsch der Londoner Mission mit etwa 100 Leuten durch die Wüste gezogen nach Norden, bis zu einem Ort, der hieß damals Klipfontein, den hat er in Bethanien umbenannt.

Schmelen kehrt nie nach Kassebruch zurück

Zwischen Bethanien und Südafrika zieht Schmelen in den folgenden Jahren hin und her, zusammen mit seiner Frau Zara, einer Nama (Anm. d. Red.: Ein Volk, das in Südafrika und Namibia beheimatet ist). Das Paar bekommt vier Kinder. Zara hilft ihm, das Alte Testament in die Nama-Sprache zu übersetzen. Möglicherweise, so vermutet Heinz Gustafsson, leistete sie dabei sogar die Hauptarbeit. Diese Übersetzung macht Schmelen als Missionar in Namibia bekannt. Zara stirbt 1831 mit Mitte 30, Schmelen heiratet ein zweites Mal. 1848 stirbt auch er. Nach Kassebruch ist er nie wieder zurückgekehrt.

Dieses Thema im Programm: Bremen Zwei, 4. Oktober, 10:45 Uhr.

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