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Kultstätte oder Schutzwall?

Der Jedutenberg in Bremerhaven

Im Süden Bremerhavens, in der Weserstrasse, gibt es eine Bushaltestelle namens "Am Jedutenberg". Diese Haltestelle ist benannt nach einer Straße: Auf der einen Seite sind vier Häuser, auf der anderen ein steil ansteigender, kleiner Berg. Eben genau dieser Jedutenberg. Was es damit auf sich hat, wissen die wenigsten. Reporter Mario Neumann hat dem schmuddeligen Wetter getrotzt und versucht, das Geheimnis des Jedutenbergs zu lüften.

Ein kleiner Grasberg [Quelle: Radio Bremen, Mario Neumann]
Knapp 50 Meter lang, 23 Meter breit und 6 Meter hoch: der Jedutenberg in Bremerhaven. [Quelle: Radio Bremen, Mario Neumann]

Der Berg wurde aufgeschüttet, um darauf Signalfeuer anzuzünden. Mit deren Hilfe wurde vor nahenden Wikingern gewarnt. So zumindest eine Erklärung für den rund sechs Meter hohen Berg, die auch am Fuße desselbigen auf einer großen Hinweistafel steht. Tatsächlich sind aber zumindest die obersten Schichten noch gar nicht so alt wie immer vermutet, weiß Nicola Borger-Keweloh vom Heimatbund "Männer vom Morgenstern". Geologen haben nämlich vor ein paar Jahren bei Bohrungen Buchweizen-Pollen gefunden. Die gab es vor dem Jahre 1300 aber hier noch gar nicht. Also müsse die Aufschüttung nach Anno 1300 stattgefunden haben.

Wikinger-Warnfeuer eher unwahrscheinlich

Da waren die Wikinger längst sesshaft und keine Gefahr mehr, erklärt Nicola Borger-Keweloh. Trotzdem: Der Jedutenberg befindet sich auf einer insgesamt etwas höher gelegenen Fläche. Er ist also nicht komplett künstlich aufgeschüttet. So könnte er bereits mit seiner natürlichen Höhe für Signalfeuer genutzt worden sein, sagen Regionalhistoriker. Borger-Keweloh zuckt mit den Schultern:

Das ist alles Spekulation, was es denn seit dem 14. Jahrhundert für einen Sinn machte, hier einen Berg aufzuschütten. Die Vorstellung, dass sich die Wulsdorfer dahinter versteckt haben, und nur die Kanone drüber geschoben haben, ist ja auch ein bisschen lustig.

Vielleicht war es auch eine Gerichts- oder Kultstätte. Das könnte zumindest passen, schauen wir uns an, wo der Name herkommt.

Gott, zu Hilfe

Jedute kommt nämlich von Deo Adiute. Gott, zu Hilfe. Und von daher kann man sich schon vorstellen, dass hier eben auch ein Heiliger verehrt wurde. Der muss ja nicht als Statue hier rumgestanden haben. Also ein Hügel lockt einfach Leute.
Ein kleiner Grasberg [Quelle: Radio Bremen, Mario Neumann]
Sollte er Wikinger fernhalten oder wurde hier Heilige geehrt? genaues weiß man nicht. [Quelle: Radio Bremen, Mario Neumann]

Heute sind es Gassi-Geher mit Hund, im Winter vor allem Kinder, die Schlitten fahren wollen. Offenbar waren hier auch schon ambitionierte Radfahrer unterwegs, denn auf den beiden flacheren Seiten des Hügels stehen Schilder "Radfahren Verboten – Gartenbauamt" – weil die Grasnarbe nicht anders zu schützen war, heißt es auf Nachfrage. Der Berg ist knapp 50 Meter lang, 23 Meter breit und 6 Meter hoch. An den langen Seiten fällt er rechts und links steil ab. Auf der Ebene oben steht ein steinernes Denkmal für gefallene Wulsdorfer im Deutsch-Französischen Krieg von 1870/71.

Ein Ort der Ruhe

Für jüngere Kriege habe es hier auch eins gegeben, sagt Nicola Borger-Keweloh. Das sei jetzt aber weg. Dann habe es mal Geräteschuppen gegeben, die halb in den Berg reingebaut wurden. Als diese dann auch wieder entfernt wurden, habe man den Park-Charakter rekonstruiert. Zum Glück, sagt die Historikerin:

Kein Landschaftsgärtner hätte es sich schöner überlegen können. Es ist heute ein wunderschöner, kleiner Park im Ortsteil  Wulsdorf. Zum Schlendern und ein Ort der Ruhe.

Wo der Berg ausläuft, gibt es eine Boule-Bahn. Wobei da dann die recht stark befahrene Weserstraße mit der Bushaltestelle "Am Jedutenberg" doch ein bisschen nah und laut ist.

Eine Reportage von Mario Neumann:
Der Jedutenberg in Wulsdorf [3:23 Minuten]

Dieses Thema im Programm: Bremen Zwei, 12. September 2017, 15:40 Uhr

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