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Luchs 342

Meine wunderbar seltsame Woche mit Tess

9. Juli 2015

Der Kinder- und Jugendbuchpreis Luchs geht im Juli an das Buch "Meine wunderbar seltsame Woche mit Tess" von Anna Woltz. In dem Buch geht es um den Urlaub von Samuel, der ein wenig anders verläuft als gedacht.

Buchcover Meine wunderbar seltsame Woche mit Tess, Anna Woltz, Carlsen Verlag [Quelle: Carlsen Verlag]

Luchs-Rezensentin Esther Willbrandt hat es gelesen. Warum ist denn die Woche so wunderbar und so seltsam?

Es gibt doch diesen blöden Spruch: Erstens kommt es anders, und zweitens als man denkt. So ist das für Samuel auch. Samuel ist der Ich-Erzähler. Er fährt mit seiner Familie auf eine Nordseeinsel in den Urlaub, alles ganz normal. Aber schon am ersten Tag muss sein großer Bruder zum Dorfarzt. Und da lernt Samuel ein einheimisches Mädchen kennen, Tess – und die stellt sein Leben ganz schön auf den Kopf.

Wieso? Was macht die denn?

Na, erstmal ist sie komplett anders gestrickt als er. Samuel ist sehr klein für sein Alter, Tess’ Mutter nennt ihn deshalb "den Zwergtourist". Und er ist unheimlich schlau und nachdenklich, er fragt sich zum Beispiel solche Sachen wie: War der letzte Dinosaurier eigentlich traurig, weil er der letzte war und wie wird das sein, wenn meine Eltern irgendwann sterben? Tess wiederum ist frech und selbstbewusst. Und sie ist auch noch ausgerechnet sehr groß für ihr Alter. Die beiden sind also ein echt seltsames Paar. Und der Moment, als sie sich zum ersten Mal begegnen, ist wahrscheinlich die merkwürdigste Kennenlernszene, die je ein Autor erfunden hat!
Aber ganz so witzig bleibt es nicht. Denn Tess hat ein Problem. Sie kennt ihren Vater nicht, sie lebt nur bei ihrer Mutter, und die will ihr seinen Namen nicht sagen. Und ihr Vater weiß nicht mal, dass es sie gibt. Aber in dieser wunderbar seltsamen Woche soll sich das ändern, so ist zumindest der Plan.

Das klingt wirklich nicht so witzig für Tess. Geht der Plan denn auf? Findet sie ihren Vater?

Sie hat ihn eigentlich schon gefunden, sie hat seinen Namen doch rausgekriegt und ihn unter einem Vorwand auf die Insel gelockt. Und da wohnt er jetzt in dem Ferienhaus, das Tess und ihre Mutter vermieten, nur er hat keine Ahnung. Tess will erstmal herausfinden, wie er so ist, und nicht gleich mit der Tür ins Haus fallen. Aber der Schock, ihn dann zu sehen, ist doch ganz schön heftig. Und sie ist auch enttäuscht, weil sie dachte: Wenn sie ihm zum ersten Mal die Hand gibt - das wird ein ganz großer Moment, und dass da irgendeine Verbindung sein wird zwischen ihnen beiden. Aber so läuft das eben nicht im wahren Leben.

Aber Samuel ist ja auch noch da, und am Ende wird alles gut?

Das klingt jetzt alles furchtbar ernst und dramatisch. Es geht ja um Verlustängste, um Identitätsfragen, und darum, was das bedeutet: "Eine Familie sein". Anna Woltz macht daraus aber ein sehr spannendes Ferieninselabenteuer mit viel Situationskomik und ganz warmherzigen Momenten. Es ist nie so, dass man erdrückt wird vom Ernst der Lage. Für mich ist das ein tolles Sommerlesebuch, für den Strand oder für die Berge oder für die Couch – für überall.

Die Autorin

Anna Woltz [Quelle: Carlsen Verlag]
Anna Woltz [Quelle: Carlsen Verlag]

Anna Woltz wurde 1981 in London geboren und wuchs in Den Haag auf. Sie studierte Geschichte in Leiden und arbeitet seither als Autorin und Journalistin. ›Meine wunderbar besondere Woche mit Tess‹ ist ihr erstes Buch auf Deutsch.

Angaben zum Buch

Titel: Meine wunderbar seltsame Woche mit Tess
Autorin: Anna Woltz
Illustratorin: Regina Kehn
Verlag: Carlsen Verlag
Preis: 10,99 €

Das Audio:
Lucia Hodinka im Gespräch mit Luchs-Rezensentin Esther Willbrandt [3:53 Minuten]

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