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Luchs 338

Ojemine!

12. März 2015

Der Kinder- und Jugendbuchpreis Luchs geht im März an das Buch "Ojemine!" von Iwona Chmielewska. Ausgangspunkt der Geschichte ist ein Mißgeschick beim Bügeln: Ein Fleck hat sich in die Lieblingstischdecke der Mutter gebrannt. Esther Willbrandt stellt "Ojemine!" vor.

Buchcover Ojemine Iwona Chmielewska Gimpel Verlag [Quelle: Gimpel Verlag]
Ojemine!, Iwona Chmielewska Gimpel Verlag, 19,90 € [Quelle: Gimpel Verlag]

Esther, worum geht’s?

Ganz einfache Geschichte: Die gute bestickte Tischdecke, die Mama so gerne mag, weil sie sie an Oma erinnert – heißes Bügeleisen, kurz geträumt – und schon ist ein Brandfleck auf dem weißen Stoff.

Ojemine!

Du sagst es. Denn die Ich-Erzählerin ist natürlich ganz erschrocken: Was wird Mama sagen? Und das ist dann der Ausgangspunkt für die Bilder in diesem Buch, die ich total genial finde: Du kennst das vielleicht: Wenn Du in die Wolken guckst und denkst: Die sieht aus wie ein Rennauto, oder die sieht aus wie zwei Elefanten, die sich küssen oder so...

Ja, klar, kenn ich!

Genau so funktionieren die Bilder hier auch, nämlich assoziativ. Ich hab das Buch mal mitgebracht, du siehst hier auf dem Einband – nur der Titel und ein hellbraunes, dreieckiges Etwas – das ist der Bügeleisenabdruck – den kann man sogar fühlen, wenn man drüber streicht. Und mit diesem schlichten braunen Dreieck gestaltet Iwona Chmielewska die ganze Geschichte. Außerdem benutzt sie nur noch einen dunkelblauen Buntstift.

Das klingt ein bisschen fade und langweilig...

Ist es nicht, ich finde sogar, sie hat das sehr clever und witzig gemacht. Auf der linken Buchseite steht immer ein ganz kleiner Text. Das ist das, was der Pechvogel gerade denkt: Oh nein! Eine Katastrophe! Und auf der rechten Seite passend dazu: Der Bügeleisenabdruck, aber mit wenigen Strichen umgestaltet zu einer Rakete, die nach unten stürzt. Dann geht’s weiter: Was tun? Da hilft kein kluger Ratschlag und da sehen wir wieder den Fleck, mit der Spitze nach unten, diesmal wird daraus eine kluge Eule: zwei Augen, Schnabel, ein Ast – fertig. Man könnte natürlich der Mama sagen, es war der kleine Bruder... und der braune Fleck bekommt einen Schnuller, Schlafaugen und ein spitzes Mützchen verpasst.

Das ist ja witzig – aber irgendwann muss ja auch mal was passieren, oder? Kriegt sie den Fleck weg?

Nein, das geht ja leider nicht – die Erzählerin quält sich noch eine Weile. Sie schämt sich für das Missgeschick und findet keinen Ausweg. Aber irgendwann kommt die Mama nach Hause, und sie ist gar nicht böse. Im Gegenteil, sie hat sogar eine gute Idee: Sie macht noch einen zweiten Fleck, direkt neben den ersten, jetzt hat der Fleck die Form eines Ei’s mit zwei spitzen Enden. Dann nimmt die Mutter Nadel und Faden und stickt Flossen dazu – jetzt ist aus dem hässlichen Fleck ein schöner bunter Fisch geworden. Das hat schon auch was Poetisches. Iwona Chmielewskas Bilderbücher sind immer beeindruckend – sie hat eine unglaubliche Fantasie und macht sehr ausdrucksstarke Bilder – in diesem Fall hat sie aber eben alles 'runtergefahren auf das Allerwesentlichste, auf den Ausgangspunkt der Kreativität. Und ich bin sicher, jedem Kind fallen noch hundert weitere Ideen ein, was man alles aus diesem langweiligen braunen Bügeleisenfleck machen könnte.

Ab wie viel Jahren würdest du das Buch denn empfehlen?

Ich glaube, das ist was für späten Kindergarten/Vorschule, das Alter, in dem viele richtig Lust haben, selber herum zu kritzeln und drauflos zu spinnen. Es macht aber wahrscheinlich Sinn, dass sich Kinder das Buch erstmal gemeinsam mit einem Erwachsenen angucken. Der kann dann den Zusammenhang zwischen Bildern und Text ein bisschen erklären. Schließlich erklärt sich der Bügeleisenfleck, der sich immer weiter verwandelt, nicht ganz von allein.

Die Autorin

Ojemine Iwona Chmielewska Gimpel Verlag [Quelle: Iwona Chmielewska privat]
Iwona Chmielewska [Quelle: Iwona Chmielewska privat]

Iwona Chmielewska studierte Grafik an der Kopernikus-Universität in Thorn, wo sie heute noch Buchgestaltung unterrichtet. Als Autorin und Illustratorin von fantasievollen Bilderbüchern erfreut sie sich seit Jahren großer Popularität, vor allem in Südkorea, wo sie gar einen eigenen Fan-Club besitzt. Ihre Bücher – mittlerweile sind in Korea zwanzig Titel veröffentlicht – wurden mehrfach mit internationalen Preisen bedacht.

Das Audio:
Jessica Liedtke im Gespräch mit Esther Willbrandt [4:45 Minuten]

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