Livestream

Bremen Zwei Rubriken Der Luchs

Jetzt neu: butenunbinnen.de, alles wichtige aus der Region

Luchs 332

Der gigantische Bart, der böse war

Kinder- und Jugendbuchpreis

4. September 2014

Der Kinder- und Jugendbuchpreis Luchs von Radio Bremen und Die Zeit geht im September 2014 an eine Graphic Novel des britischen Illustrators Stephen Collins: Dem unscheinbaren Dave, der die Ordnung liebt, wächst eines Tages unaufhaltsam ein schwarzer Vollbart... Esther Willbrandt hat den gigantischen Bart angeschaut.

Buchcover [Quelle: Atrium Verlag]

Die Geschichte

Es geht um einen Mann namens Dave, der hat erstmal überhaupt keinen Bart und auch sonst ist er eher unauffällig. Das findet er auch richtig gut so, er mag sein ordentliches kleines Haus und seinen geregelten Tagesablauf und den Song "Eternal Flame" von den Bangles. Und er zeichnet gern, und zwar jeden Tag dasselbe. Das gibt ihm Sicherheit, denn genau wie alle anderen Menschen in seinem Land, das übrigens "Hier" heißt, fürchtet er sich vor der Unordnung. "Hier" ist umgeben von Wasser, und dahinter, erzählt man sich, liegt "Dort“. Und dort herrscht das Chaos, davon muss man sich unbedingt fernhalten. Und das gelingt auch, bis eines ganz gewöhnlichen Tages was ganz, ganz Schlimmes passiert. Ein schwarzer Vollbart wächst Dave plötzlich aus dem Gesicht, und zwar rasend schnell, und er lässt sich auch nicht dauerhaft beschneiden oder ausreißen. Der Bart hat ein richtiges Eigenleben, erst wuchert er Daves Haus voll und bald darauf die ganze Stadt. Panik bricht aus, das Militär rückt an… und mittendrin der arme Dave, der gar nicht weiß, wie ihm geschieht.
Ohne jetzt verraten zu wollen, wie die Geschichte ausgeht – so unappetitlich die ganze Bartsache auch ist, sie hat auch ihre guten Seiten.

Wie sehen die Bilder aus?

Schwarzweiß. Und um rüberzubringen, wie sich die Unordnung im Alltag der Menschen breit macht, hat Stephen Collins eine experimentelle, fast schon filmische Bildsprache gefunden. Es gibt zum Beispiel Doppelseiten, wo man haargenau sieht, wie sich der Bart kräuselt und kringelt, dann gibt es auch Zerrbilder, so wie Strudel. Oder Panels, die in viele Bruchstücke aufgesplittert sind. Oder Dinge werden plötzlich in umgekehrter Reihenfolge gezeigt. Das ist wirklich sehenswert.

Gibt es auch Text?

Es gibt ein bisschen Text, und mir hat der außerordentlich gut gefallen, gerade auch in der Kombination mit dem Bild. Die ganze Geschichte ist ja sehr philosophisch, es steckt viel Kafka drin, aber sie ist auch irre komisch. Stephen Collins hat einfach ein super Gespür für Wortwitz und Timing, und da kann er sich im Comic so richtig austoben. Da ist zum Beispiel das Gespräch zwischen Dave und seinem Hausarzt. Der Arzt weiß nicht weiter und sagt: "Ich fürchte, ich muss sie weiterverweisen." Und dann gibt es eine peinliche Pause – und wie macht das der Zeichner? Er zeigt uns immer abwechselnd den Arzt, dann Dave, dann wieder den Arzt, und zwar ohne irgendwas zu verändern, es geht einfach nicht voran. Bis Dave schließlich fragt: "An wen, Doktor?" Also, das ist nicht so leicht zu beschreiben, man muss das unbedingt selber lesen und sehen.

Das Audio:
Jessica Liedtke im Gespräch mit Esther Willbrandt [3:34 Minuten]

Stephen Collins [Quelle: Stephen Collins]

Der Autor

Stephen Collins wurde 1980 im Süden Londons geboren. Für seine Cartoons und Illustrationen wurde er mit zahlreichen Preisen ausgezeichnet, darunter der Jonathan Cape/Observer Graphic Short Story Prize. Stephen Collins Comics erscheinen im Guardian Weekend und anderen internationalen Magazinen. Er lebt mit seiner Frau in Hertfordshire.

Angaben zum Buch

Titel: Der gigantische Bart, der böse war
Autor: Stephen Collins
Übersetzung: Tim Jung
Genre: Graphic Novel
Verlag: Atrium Verlag
ISBN: 3-85535-073-6
ISBN-13: 978-3-85535-073-5
Preis: 29,99 Euro


Weitere Infos:
Luchs-Kinderbuchempfehlungen bei "Die Zeit"

Der Luchs