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Luchs 324

Die unglaublichen Abenteuer des Barnaby Brocket

Kinder- und Jugendbuchpreis

9. Januar 2014

Der Kinder- und Jugendbuchpreis Luchs von Radio Bremen und "Die Zeit" geht im Januar 2014 an "Die unglaublichen Abenteuer des Barnaby Brocket", eine phantasievolle Parabel – nicht nur für Kinder – des irischen Autors John Boyne.

Buchcover [Quelle: Fischer Verlag]

Wer ist Barnaby Brocket?

Barnaby Brocket ist ein achtjähriger Junge, der fliegen kann. Aber seine Eltern halten davon leider absolut gar nicht. Dazu muss man wissen: Familie Brocket ist total normal. Die Eltern haben ein normales Leben, normale Jobs und finden das auch absolut erstrebenswert. Und dann kommt Barnaby zur Welt, und der weigert sich einfach, dem Gesetz der Schwerkraft zu gehorchen. Das ist für die Eltern, die vor allem Angst haben, was ungewöhnlich und fremd ist, ein absoluter Alptraum. Sie schämen sich furchtbar für ihren Sohn, und Barnaby würde ihnen ja gerne den Gefallen tun und auf dem Boden laufen, wie andere Kinder – aber er kann es nicht. Er steigt einfach in die Luft wie ein Heliumballon und klemmt dann da unter der Zimmerdecke. Der Vater nagelt ihm da immerhin eine Matratze hin, damit er sich nicht immer den Kopf stößt.

Akademie für unerwünschte Kinder

Erstmal verstecken die Eltern den Jungen, sie gehen nicht gerne mit ihm raus, weil er dann immer an einer Leine hinter ihnen herschwebt. Sie schicken ihn dann auf die Ultimative Akademie für unerwünschte Kinder, aber auch das hilft nichts...
Die Akademie für unerwünschte Kinder ist einer von vielen Geniestreichen in diesem Buch. Das ist eine Schule, wo Eltern ihre Kinder abgeben, wenn sie nicht ihren Vorstellungen entsprechen. Und das ist der allerletzte Schuppen, wo die Kinder nur Blödsinn lernen. Aber zum Glück brennt die irgendwann ab. Naja, schließlich halten die Eltern es nicht mehr aus – und lassen Barnaby einfach davonfliegen.

Was passiert mit Barnaby?

Er hat ein Riesenglück, denn als er da so vom Wind davongetragen wird, nehmen ihn zwei ältere Damen in einem Heißluftballon mit auf ihre Kaffeefarm in Brasilien. Dort erfährt er zum ersten Mal, dass es noch mehr Menschen gibt, die anders sind als die Mehrheit, die sich davon aber nicht einschüchtern lassen. Und von Brasilien aus macht er sich auf eine Reise um die ganze Welt, und begegnet vielen Menschen, die ausgegrenzt werden, weil sie zum Beispiel homosexuell sind, oder körperliche Missbildungen haben, und die trotzdem ihren Träumen folgen. Das Buch steckt voller fantastischer Einfälle, immer wieder passieren Barnaby die verrücktesten Sachen - es steckt aber auch viel Gesellschaftskritik drin, deshalb denke ich, dass es ein Buch für jedes Alter ist, nicht nur für Kinder... und ich hab mich immer besonders gefreut, wenn ich wieder einen Verweis auf andere Romane entdeckt habe, die gerade deshalb so berühmt wurden, weil ihre Helden "anders" sind. Harry Potter zum Beispiel.

Was wird aus Barnaby?

Er erlebt so viele Abenteuer, lernt so viele tolle Menschen kennen, die wiederum auch von ihm beeindruckt und berührt werden – und doch will er immer nur eins: Nach Hause. Aber als er da ankommt, muss er sich entscheiden: Will er normal sein, wie seine Eltern, oder will er bleiben, wie er ist. Und da spricht John Boyne glaube ich ein ganz existentielles Thema an, das in seinen Büchern immer wieder eine Rolle spielt: Wie schwer es ist, sich nicht verbiegen zu lassen, wenn man vielleicht nicht der Norm entspricht. Sondern sich Menschen zu suchen, die einen akzeptieren, wie man ist, und auf die Meinung der anderen zu pfeifen. Und was ist überhaupt normal? Das kann ja sowieso keiner sagen.

Das Audio:
Hendrik Plaß im Gespräch mit Luchs-Rezensentin Esther Willbrandt [4:18 Minuten]

Angaben zum Buch

Titel: Die unglaublichen Abenteuer des Barnaby Brocket
Autor: John Boyne
Illustrator: Oliver Jeffers
Aus dem Englischen von Adelheid Zöfel
Verlag: Fischer KJB
ISBN: 978-3-596-85576-6
Preis: 14,99 Euro

John Boyne [Quelle: Richard Gilligan]
John Boyne [Quelle: Richard Gilligan]

Der Autor

John Boyne wurde 1971 in Dublin, Irland, geboren, wo er auch heute lebt. Er ist der Autor von dreizehn Romanen, darunter "Der Junge im gestreiften Pyjama", der sich weltweit fünf Millionen Mal verkaufte, zahlreiche internationale Buchpreise gewann und mit großem Erfolg verfilmt wurde. John Boynes Romane wurden in über vierzig Sprachen übersetzt.

Oliver Jeffers [Quelle: Oliver Jeffers]
Oliver Jeffers [Quelle: Oliver Jeffers]

Der Illustrator

Oliver Jeffers, geboren 1977, ist Designer, Illustrator und Maler. Seine Werke wurden in zahlreichen Ausstellungen gezeigt und vielfach ausgezeichnet, unter anderem mit dem renommierten Nestlé Children’s Book Prize in Gold und dem BBC Blue Peter Book of the Year. Jeffers reist viel durch die Welt und lebt zurzeit in Brooklyn, New York.

Weitere Informationen:
Luchs-Kinderbuchempfehlungen bei "Die Zeit"

Der Luchs