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Luchs 323

Alle Welt

12. Dezember 2013

Der Kinder- und Jugendbuchpreis Luchs von Radio Bremen und Die Zeit geht im Dezember 2013 an das Landkartenbuch "Alle Welt" von Aleksandra und Daniel Mizieliński. Mit mehr als viertausend Miniaturen stellen die beiden Grafik-Designer aus Warschau liebevoll die Vielfalt der Erde vor.

Buchcover Alle Welt [Quelle: Moritz Verlag]
Aleksandra Mizielińska & Daniel Mizieliński: Alle Welt. Das Landkartenbuch, Moritz Verlag, 26 Euro [Quelle: Moritz Verlag]

Wie es sich für ein Kartenbuch gehört, ist es sehr groß, ungefähr DIN A3, also zwei DIN A4 Hefte nebeneinander. Damit ist es prima zum auf dem Schoß sitzen und gemeinsam anschauen geeignet. Oder zum Blättern unter der Bettdecke...
Über drei Jahre haben die beiden Buchgestalter daran gearbeitet. Das muss man sich mal vorstellen! Es ist etwas ganz Besonderes dabei herausgekommen, findet Luchs-Rezensentin Esther Willbrandt.

Drei Jahre – das ist sehr lang für ein Bilderbuch. Warum haben die Autoren so lange gebraucht?

Weil sie wirklich alles selbst gemacht haben. Sogar neue Schriften haben sie dafür erfunden. Als Vorsatz gibt es eine richtig schön nostalgische Weltkarte mit verschiedenen Schiffen darauf. In den unteren Ecken sieht man einen Krake und einen großen Fisch mit spitzen Zähnen, der sein Maul aufreißt.
Dann gibt es auf jeder Seite eben nicht nur eine große Landkarte, sondern Hunderte kleiner Bildchen: Städte, Flaggen und Sehenswürdigkeiten natürlich, aber auch für jedes Land typische Lebensmittel, Sportarten, Tiere, Pflanzen, und immer auch zwei Kinder mit typischen Namen. Also, in Italien zum Beispiel Francesca und Ricardo, in Ägypten Muhamed und Asmaa usw.
Außer in der Antarktis, denn da gibt es – Zitat: "Null Einwohner auf einer Fläche von 14 Mio m² im Sommer und 30 Mio m² im Winter."

Wow! Das klingt wirklich nach viel Arbeit und vielen Details…

Genau!
Es ist eigentlich ein Atlas und ein Wimmelbuch, ganz einzigartig und liebevoll illustriert. Bleiben wir mal in Ägypten, da sieht man das rote Meer und darin einen besonderen Fisch, eine Seegraspflanze, ein Korallenriff und jemanden, der schnorchelt. Also, alles Dinge, die für diese Region typisch sind. An Land sind Ägypterinnen und Ägypter in landestypischer Kleidung zu sehen, außerdem Teller mit Gerichten wie Baba Ghanoush und Falafel, ein Glas mit süßem Minztee und noch viele viele andere Details, so dass man richtig viel erfährt über das Land und das Leben dort. Jetzt weiß ich zum Beispiel auch, dass es in Ägypten Langohrigel gibt und Ameisenlöwen. Das sind übrigens Insekten, die richtig fies aussehen.

Jetzt bin ich neugierig. Was ist denn typisch für Deutschland?

Wenn es nach diesem Buch ginge, dann unter anderem das Bauhaus, Spreewaldgurken, Pumpernickel, Immanuel Kant, die Aspirin-Tablette und Fachwerkhäuser. Unsere Kinder heißen Leonie und Lukas.

Die Autoren leben in Polen. Woher wissen die denn so viel über die anderen Länder?

Die beiden haben natürlich ganz viel recherchiert. Bei den besonderen Details, die eigentlich nur Menschen wissen, die dort leben, haben sie zum Beispiel Berichte von Auswanderern gelesen, die ihre neue Heimat beschreiben.

Diese ganzen Details... Ist das nicht vielleicht ein bisschen zu viel Info auf einmal?

Nee, es macht richtig Spaß! Man kann gar nicht mehr aufhören sich das anzugucken. Man wandert ganz automatisch mit den Augen von einem Bildchen zum nächsten und entdeckt immer noch was Neues und noch was. Also, wirklich ganz großes Kino. Und ein ganz tolles Geschenk!

Daniel Mizieliński und Aleksandra Mizielińska [Quelle: Moritz Verlag]
Daniel Mizieliński und Aleksandra Mizielińska [Quelle: Moritz Verlag]

Die Autoren

Aleksandra Mizielińska, geb. Machowiak und Daniel Mizieliński, beide 1982 geboren, gründeten schon während ihres Grafikdesignstudiums an der Maciej Buszewicz’s Book Design Studio an der Warschauer Akademie der Schönen Künste das Hipopotam Studio, in dem sie sich mit Buchgestaltung, Webdesign und Typographie beschäftigen. Ihre Bücher erscheinen in zwanzig Ländern und wurden mit mehreren Preisen ausgezeichnet. Beide leben in Warschau.

Thomas Weiler mit Kindern an einer Landkarte [Quelle: Moritz Verlag]
Übersetzer Thomas Weiler [Quelle: Moritz Verlag]

Der Übersetzer

Thomas Weiler wurde 1978 im Schwarzwald geboren. Nach seinem anderthalbjährigen Ersatzdienst in einem Heim für behinderte Erwachsene in Minsk/Belarus studierte er Übersetzen mit den Hauptfächern Russisch und Polnisch in Leipzig, Berlin und St. Petersburg. Seit 2007 arbeitet er als freier Übersetzer aus dem Polnischen, Russischen und Belarussischen und bringt neben zeitgenössischer Prosa, Lyrik und Publizistik auch wissenschaftliche Texte über Abfallwirtschaft in Belarus, Postpunk aus Polen oder jüdisches Leben in Russland ins Deutsche. Außerdem organisiert und moderiert er Lesungen und Literaturveranstaltungen und betreibt das Internetportal literabel.de. Nicht erst seit der Geburt seiner drei Kinder beschäftigt er sich intenisv mit Kinderliteratur aus Osteuropa. Er lebt mit seiner Familie in Leipzig und siedelt demnächst auf den Pleißenhof in Markkleeberg über.

Weitere Informationen:
Luchs-Kinderbuchempfehlungen bei "Die Zeit"

Der Luchs