Livestream

Bremen Zwei Rubriken Der Luchs

Jetzt neu: butenunbinnen.de, alles wichtige aus der Region

Luchs 322

Das platte Kaninchen

Kinder- und Jugendbuchpreis Luchs

14. November 2013

Einmal im Monat stellen wir ein richtig gutes neues Buch vor. Denn einmal im Monat wird der Luchs verliehen, der Kinder- und Jugendbuchpreis von Radio Bremen und Die Zeit. Im November hat die Jury das Bilderbuch "Das platte Kaninchen" des Autors Bárður Oskarsson von den Färöer Inseln ausgezeichnet. Esther Willbrandt hat es sich angeschaut.

Buchcover Das platte Kaninchen [Quelle: Jacoby Stuart]
Bárður Oskarsson: Das platte Kaninchen, Jacoby Stuart, 11,95 Euro [Quelle: Jacoby Stuart]

Das Buch

Es ist ein Buch zum Liebhaben. So viel steht fest! Die Geschichte ist rührend und man muss ganz viel lachen, weil sie einfach so skurril ist:
Ein Hund findet ein plattgefahrenes Kaninchen auf der Straße, also wirklich: platt wie eine Briefmarke. Der Hund steht ganz bedröppelt davor und überlegt, was jetzt zu tun ist. Da kommt die Ratte vorbei, und gemeinsam hecken sie einen Plan aus, denn so kann man das Kaninchen ja da nicht liegen lassen, da ihm sicher nicht gefallen würde.

Die Zeichnungen

Das Buch ist ganz minimalistisch gezeichnet, mit wackeligen Tuschestrichen und verwaschenen Pastellfarben. Vor allem Hund und Ratte sind witzig und so liebenswert unvollkommen: Der Hund hat eine riesige, stoppelige Schnauze, ganz dünne Ärmchen, winzige Ohren und so einen schluffigen Gang. Und die Ratte ist klitzeklein neben ihm und hat ein Gesicht, das lang und spitz ist wie eine Möhre. Die sind einfach hinreißend, die zwei.

Gibt es denn auch Text?

Ja, und der hat einen ganz trockenen Witz und führt dabei aber ganz behutsam durch die Geschichte, ohne zu viel vorweg zu nehmen.
"Sie gingen in den Park, um nachzudenken", steht da. Und daneben sieht man die beiden auf einer roten Bank sitzen, der Hund hat die Hände vor dem Bauch gefaltet und grübelt, und die Ratte liest in einer winzigkleinen Zeitung.
Oder auch ihre Überlegung, ob sie das platte Kaninchen vielleicht nach Hause tragen sollen: der Hund weiß, dass es in Hausnummer 34 gewohnt hat, weil er da öfter mal an den Zaun pinkelt.
Aber was würden die Menschen sagen, wenn Hund und Ratte mit dem toten Kaninchen unterm Arm ankommen? Also pellen sie das Kaninchen ganz vorsichtig vom Asphalt, tragen es in die Hundehütte. In der Hütte wird die ganze Nacht gehämmert und gesägt und am nächsten Morgen sieht man, dass sie es mit Klebestreifen an einem Drachen befestigt haben.
Nach 42 Mal hin- und herlaufen auf der Wiese steigt der Drachen dann auch wirklich in die Luft!
Und damit haben die beiden einen Weg gefunden, das Kaninchen so zu bestatten, dass es für alle Beteiligten einen guten Abschluss gibt.

Das eigentliche Thema des Buches ist also Tod und Bestattung?

Das steckt natürlich da mit drin. Es ist ja oft sehr schwierig für Eltern, wenn sie ihren Kindern erklären sollen, dass jemand gestorben ist und was jetzt mit dem passiert und so. Wie soll man da anfangen? Was kann man sagen und wie erklären?
Dieses Buch hilft, dazu erste Gedanken zu entwickeln. Erstmal steht man natürlich ratlos da, wie Hund und Ratte, dann ist die Bestattung ganz wichtig – das Ritual, die Mühe, die man sich damit macht, um sich angemessen zu verabschieden. Irgendwann muss man eben auch loslassen und abschließen.
Das Buch bleibt dabei ganz offen, es gibt nichts vor, sondern lässt ganz viel Raum für die eigenen Gedanken, ist dabei niemals rührselig oder kitschig, eher sehr leicht und humorvoll.
Es macht Spaß und man schaut es einfach gerne an.
Es ist ein wunderbares Gesamtpaket aus Bild und Wort und Botschaft. Und eine tolle Entdeckung, denn es ist tatsächlich das allererste Bilderbuch von den Färöer Inseln, das auf Deutsch übersetzt wurde.

Das Audio:
Luchs 322: Das platte Kaninchen [4:29 Minuten]

Bárður Oskarsson [Quelle: Jacoby & Stuart, privat]
Bárður Oskarsson [Quelle: Jacoby & Stuart, privat]

Der Autor

Bárður Oskarsson, geb. 1972, kommt von den Färöer-Inseln. Er begann seine Karriere als Illustrator 1992, und das erste Buch, das er illustrierte, hatte sein Großvater geschrieben: Undirtussafjøllum – Unter den Trollbergen. Seit 2004 illustriert Oskarsson seine eigenen Texte. Seine Bücher haben bereits zahlreiche Auszeichnungen erhalten, u.a. auch den White Raven.

Weitere Informationen:
Luchs-Kinderbuchempfehlungen bei "Die Zeit"

Der Luchs