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Luchs 319

Wie ein unsichtbares Band

Kinder- und Jugendbuchpreis Luchs

8. August 2013

Einmal im Monat stellen wir ein richtig gutes neues Buch vor. Denn einmal im Monat wird der Luchs verliehen, der Kinder- und Jugendbuchpreis von Radio Bremen und Die Zeit. Im August hat die Jury "Wie ein unsichtbares Band" von Inés Garland ausgezeichnet. Esther Willbrandt hat es gelesen.

Buchcover Wie ein unsichtbares Band [Quelle: Fischer Verlage]
Fischer Verlage, 14,99 Euro [Quelle: Fischer Verlage]

Wie hat es Dir gefallen?

Das Buch hat mir richtig gut gefallen. Es ist wunderschön erzählt, sehr sinnlich. Ich hatte gleich das Gefühl, ich bin mit den Figuren am Fluss. Man spürt die schwülwarme Luft, hört die Insekten und das Wasser... Und es ist auch eines dieser Bücher, die noch lange im Kopf weiter arbeiten.

Wie kommt das?

Es spielt im Argentinien der späten Siebziger Jahre. Die Geschichte beginnt ein paar Jahre vor dem Militärputsch, und danach beginnt dann eine ganz schreckliche Zeit der Diktatur, in der zigtausend Menschen verschleppt, gefoltert und getötet werden.
Und das spielt alles in die Geschichte mit rein.

Das klingt spannend, aber auch hart. Worum geht es denn genau?

Es geht um drei Freunde: Alma, Carmen und Marito. Alma kommt aus einer wohlhabenden Familie aus Buenos Aires. Ihre Wochenenden verbringt sie in einem Ferienhaus auf einer Insel im Flussdelta in der Nähe von Buenos Aires, ihrem Kinderparadies. Carmen und Marito sind Geschwister und wohnen in einer armseligen Hütte auf der anderen Seite des Flusses. Die drei erleben gemeinsam eine tolle Zeit. Marito und Alma verlieben sich sogar ineinander – diese Liebesgeschichte ist ganz zart und wunderbar erzählt – und dann beginnt die Militärdiktatur. Die Geschwister Carmen und Marito gehen in den politischen Widerstand und die drei verlieren sich aus den Augen.

Oh, das klingt traurig...

Ja, es ist total bewegend. Alma weiß lange nicht, was aus ihren Freunden geworden ist. Aber genau darum geht es der Autorin auch: Sie selbst hat die ersten Jahre der Militärdiktatur wie in einer Seifenblase gelebt, so wie Alma. Sie hat gar nicht kapiert, was um sie herum passiert und dass Menschen gefoltert und getötet werden. Deshalb hat sie das Buch geschrieben.

Aber ist das nicht zu brutal für ein Jugendbuch?

Die Autorin erzählt eigentlich zwei Geschichten, eine, die man liest, und die andere, die zwischen den Zeilen steht. Sie sagt nicht "...und dann ist etwas Schreckliches passiert", sondern sie zeigt, wie sich die Stimmung am Fluss verändert. Erst am Ende gibt es eine Stelle im Buch, an der sie erzählt, was mit Marito wirklich passiert ist. Da stockt einem der Atem.
Aber diese Geschichte muss auch erzählt werden.

Für welches Alters kannst Du das Buch empfehlen?

Ich würde es ab 14-15 Jahre empfehlen. Es ist gut, wenn man schon etwas über die argentinische Geschichte weiß, um alle Andeutungen verstehen zu können. So oder so ist es ein sehr lesenswertes Buch.

 [Quelle: ]

Die Autorin

Inés Garland, geboren 1960 in Buenos Aires, Journalistin, Übersetzerin, Autorin von Büchern und Drehbüchern und Leiterin von Schreibwerkstätten. Viele Jahre hat die argentinische Journalistin gezögert, ihre Romanmanuskripte einem Verlag anzubieten. Als sie sich dann doch dazu entschloss, gewannen ihre Texte auf Anhieb mehrere Literaturpreise.

Das Buch wurde von Ilse Layer aus dem argentinischen Spanisch übersetzt.

Das Audio:
Luchs 319: Inés Garland – Wie ein unsichtbares Band [3:30 Minuten]

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