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Luchs 356

33 Bogen und ein Teehaus

11. September 2016

Der Kinder- und Jugendbuchpreis "Luchs" geht im September an die Autorin Mehrnousch Zaeri-Esfahani für ihr Buch "33 Bogen und ein Teehaus". Die deutsch-iranische Autorin erzählt darin die Geschichte ihrer Kindheit. Die spielt teilweise im Iran in den siebziger Jahren – eine Zeit des Umbruches. Anja Robert hat das Buch gelesen.

Das Buch-Cover von "33 Bogen und ein Teehaus". [Quelle: Peter Hammer Verlag]
"33 Bogen und ein Teehaus" von Mehrnousch Zaeri-Esfahani. [Quelle: Peter Hammer Verlag]

Wie hat Mehrnousch Zaeri-Esfahani diese Umbruchzeit erlebt?

Sie erzählt das sehr dicht und spannend aus der Sicht des Kindes, das sie damals war: Wie toll sie es fand, hoch auf den Schultern ihres  Vaters zu sitzen und über eine riesige Menschenmenge zu gucken bei einer Anti-Schah-Demo. Und wie sich der Jubel über den Sturz dieses autoritären Herrschers dann schnell  in Entsetzen verwandelte, weil die neuen Machthaber immer mehr Freiheiten einschränkten - eine extrem bedrückende Atmosphäre, sagt Mehrnousch Zaeri-Esfahani.

War auch ihre Familie in Gefahr?

Ja – nicht nur für ihren Vater, ein angesehener Arzt, sondern vor allem für ihre Brüder wurde es gefährlich: 1980 begann der erste Golfkrieg und alle jungen Iraner mussten zum Militär und wurden als erste an die Front geschickt. Um diesem Schicksal zu entgehen, beschließt Mehrnouschs Familie, alles aufzugeben. Sie verkaufen alle ihre Habseligkeiten und ihr schönes Haus, lassen die geliebte Großmutter zurück und fliehen über die Türkei und die DDR nach Deutschland. Das ist eine spannend erzählte Story, mit abenteuerlichen Umwegen.

Am interessantesten waren für mich beim Lesen gar nicht die Umstände der Flucht, sondern die vielen kleinen Bilder und Geschichten, wie Mehnousch das alles als neugieriges und feinfühliges Kind erlebt. Besonders hängengeblieben ist mir eine Szene, die noch im Iran spielt: Am Abend vor der Einschulung muss Mehrnouschs Mutter ihr die schönen schwarzen Haare abschneiden, damit sie unter das Kopftuch passen, das in der Schule Pflicht ist. Der Mutter tut es total weh, ihr eigenes Kind so zu verletzen. Die Sechsjährige erlebt zum ersten Mal, dass ihre Eltern ihr etwas für sie Böses antun. Sie  hat große Angst, mit den Haaren für immer ihre Kraft verloren zu haben – das ist ganz intensiv geschildert und packend zu lesen.

Hat Mehrnousch ihre Kraft verloren?

Erstmal schon - sie findet sie erst so richtig wieder, als die Familie viele Monate später ihre erste eigene kleine Wohnung in Deutschland beziehen kann. Das ist auch wieder sehr bewegend geschildert: Mehrnouschs Vater bekommt einen Brief vom Amt, dass er seine Kinder zur Schule schicken muss. Er Freut sich total, dass er jetzt in einem Land lebt, das ihn zu etwas zwingen will, was sowieso sein größter Wunsch ist.

Für mich ist es ein besonderes Buch, weil es die Geschichte einer Flucht nach Deutschland und eine Geschichte vom Ankommen in Deutschland erzählt. Das ist sehr spannend zu lesen für Jugendliche ab zwölf und auf jeden Fall auch für Erwachsene.

Angaben über das Buch

Titel: 33 Bogen und ein Teehaus 
Autorin: Mehrnousch Zaeri-Esfahani 
Verlag: Peter Hammer Verlag
Altersempfehlung: ab 12 Jahren
Preis: 14,90 Euro

Weitere Infos:
radiobremen.de/Serie Luchs Luchs-Kinderbuchempfehlungen bei "Die Zeit"

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