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Radio-Bremen-Krimipreis 2011

Elisabeth Herrmann

Politthriller vor dem Hintergrund solider journalistischer Recherche

15. September 2011

Elisabeth Herrmann - Radio-Bremen-Krimipreisträgerin 2011 [Quelle: Radio Bremen, Walter Weber]
Elisabeth Herrmann - Radio-Bremen-Krimipreisträgerin 2011 [Quelle: Radio Bremen, Walter Weber]

In diesem Jahr hat Radio Bremen seinen Krimipreis an die deutsche Krimiautorin Elisabeth Herrmann verliehen. Die Auszeichnung wurde am 14. September im Rahmen der Radio-Bremen-Kriminacht verliehen. Die Jury zeichnete Herrmann für die Souveränität aus, mit der sie aktuelle Politik mit der Aufklärung geheimnisvoller Morde und deutsche Geschichte mit spannender Krimihandlung verbindet. Ihre Protagonisten sind ungewöhnlich und lernfähig, und ihre Geschichten spielen mit den Mitteln des Politthrillers vor dem Hintergrund solider journalistischer Recherche.

Ihr erster Roman "Das Kindermädchen" wurde von der Jury der Krimiwelt-Bestenliste (von Nordwestradio, Arte und der Welt) als bester deutschsprachiger Krimi des Jahres 2005 ausgezeichnet. Elisabeth Herrmann arbeitet als Fernsehjournalistin für den RBB und lebt in Berlin.

Nach den Romanen "Das Kindermädchen", in dem es um Zwangsarbeiterinnen aus der Ukraine ging, "Die siebte Stunde", ein Blick hinter die Fassaden von Live-Rollenspielern und Berliner Privatschulen bot, "Die letzte Instanz", skandalöse Geschehnisse in der Nachwendezeit in Görlitz beschrieb, hat Elisabeth Herrmann nun den Roman "Zeugin der Toten" vorgelegt.

Preisverleihung am 14. September im Weserhaus von Radio Bremen

Verliehen wurde der Preis im Rahmen des 14. Bremer Krimifestivals "Prime-Time, Crime-Time" am 14. September 2011. Mit dabei waren neben der Preisträgerin auch die Autorinnen und Autoren Judith Merchant, Linus Reichlin und Wolfram Tewes.

Der Preis wird im Wechsel deutschsprachigen und ausländischen Autoren verliehen und ist mit 2.500 Euro dotiert. Der Jury gehören Dr. Lore Kleinert, Leiterin der Kulturabteilung bei Radio Bremen, Jörg-Dieter Kogel, Programmleiter Nordwestradio, Dr. Jürgen Alberts, Glauser-Preisträger, Thomas Böhm, Berlin und Rainer Moritz, Leiter des Literaturhauses Hamburg, an.

Radio-Bremen-Kriminacht 2011 [Quelle: Radio Bremen, Walter Weber]
Radio-Bremen-Kriminacht 2011 [Quelle: Radio Bremen, Walter Weber]

Die ungeheuerliche Geschichte eines Kinderheims unter Stasi-Aufsicht

Die Hauptfigur Judith Kepler ist Cleanerin und hat eine bemerkenswerte Aufgabe: Sie muss aus Tatorten wieder vermietbare Räume machen. Dabei wird sie mit ihrer eigenen Vergangenheit konfrontiert. Warum sie im Kinderheim Juri Gagarin in Saßnitz auf Rügen aufwachsen musste, hat sie nie in Erfahrung bringen können. Je näher sie ihrem Geheimnis auf die Spur kommt, desto bedrohlicher wird ihre Situation.

Buchcover "Zeugin der Toten" [Quelle: List]
Elisabeth Herrmann: "Zeugin der Toten", List Verlag, 432 Seiten, 19,99 Euro [Quelle: List]

Noch leben die Schergen der Staatssicherheit. Wer sich mit den Arbeitsweisen, den Schnüffelmethoden und der infamen Erpressung der weit verzweigten Krake des ehemaligen DDR-Geheimdiensten befasst hat, kann dem Roman von Elisabeth Herrmann eine hervorragende Recherche attestieren. Hier schafft es eine Autorin, ohne ins Schwarz-Weiß simpler gestrickter Krimis zu verfallen, ein bissiges Porträt der weitgehend abgetauchten Stasi-Täter zu zeichnen. "Gesellschaft für solidarische und humanitäre Unterstützung", so nennt die Autorin die gegenwärtige Seilschaft der Stasi-Mitarbeiter und sie erinnert an die "Stille Hilfe", die Nazi-Mitläufern in der Bundesrepublik oder wo auch immer auf der Welt half.

"Zeugin der Toten" ist ein Spannungsroman, der die Leser in Atem hält und zugleich eine "Geschichte von Täuschung und Lügen", wie Reinhard Jahn in seiner Rezension schrieb. Nicht zuletzt ist der Roman eine Chronik geheimdienstlicher Machenschaften, die sich ja keineswegs auf die Stasi beschränken.

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