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Radio-Bremen-Krimipreis 2004

Åke Edwardson

Filmischer Blick in die sozialen und existenziellen Randzonen der schwedischen Gesellschaft

23. September 2004

Åke Edwardson [Quelle: Radio Bremen]
Åke Edwardson im Interview

Im Jahr 2004 verleiht Radio Bremen seinen Krimipreis an den schwedischen Krimischriftsteller Åke Edwardson. Die Jury zeichnet Åke Edwardson für sein psychologisches Gespür aus, das ihm ermöglicht, radikal die Perspektiven seiner Figuren einzunehmen, und für seinen genauen, geradezu filmischen Blick in die sozialen und existenziellen Randzonen der schwedischen Gesellschaft.

Einfluss der Vergangenheit auf die Gegenwart

Buchcover: Der Jukebox-Mann [Quelle: Claassen-Verlag]
Åke Edwardson: Der Jukebox-Mann, Claassen-Verlag, 2004 [Quelle: Claassen-Verlag]

Sein jüngster Roman kommt ohne Kommissar Winter aus. Der Titel: Der Jukebox-Mann. Dennoch gibt es Parallelen zu Edwardsons Winter-Büchern: Mord, Totschlag und ausgeklügelte Ermittlungen sind Edwardsons Sache nicht. Ihm geht es um die Menschen, um die Gefühle, ihre Hoffnungen und die Art, wie die Vergangenheit die Gegenwart seiner Protagonisten bestimmt.

Schauplatz Göteborg

Åke Edwardsen, Jahrgang 1953, hat seine Heimatstadt Göteborg zum Schauplatz seiner Kriminalromane gemacht. Hier lebt er mit seiner Frau und zwei Töchtern, nachdem er als Journalist unter anderem. im Auftrag der Uno im Nahen Osten und auf Zypern gearbeitet hat und über Sport, Reisen, Literatur und Außenpolitik schrieb. Die Schwedische Akademie hat ihn bereits zweimal mit dem "Crime Writers Award" ausgezeichnet.

Großer Anteil Menschlichkeit

Bisher sind in Deutschland sechs Krimis um seine Hauptfigur, den jungen Kommissar Winter, erschienen, der sich vom strengen analytischen Snob zum mitfühlenden Vater einer kleinen Tochter gewandelt hat. Seine Markenzeichen - Designeranzüge, Zigarillos und Vorliebe für coolen Jazz sind geblieben, ebenso wie sein zähes Ringen um Einfühlung in die Psychosen, die jede moderne Gesellschaft begleiten. "Wenn man Bücher über Kriminelle und Gewalt schreibt, muss unbedingt ein großer Anteil Menschlichkeit mit drin sein", schreibt der Bestsellerautor.

Kreuzzüge gegen das Böse

Die Kreuzzüge seines Ermittlerteams gegen das Böse ähneln Geisterbahnfahrten, in denen Edwardson die Bilder, die jeder Fernsehzuschauer ohnehin im Kopf hat, stimuliert und sie geschickt mit Elementen des klassischen Bildungsromans verschneidet: "Man muss die Antworten jetzt finden, aber im Damals suchen. Was jetzt geschieht, hat dort seinen Ursprung." In seinem letzten Roman "Segel aus Stein"(Claassen 2003) setzt sich sein Kommissar in Schottland auf die Spur eines Fischers, dessen Vater angeblich im Zweiten Weltkrieg auf See umgekommen ist, und entwirrt ein schreckliches Geheimnis. Schon mit "Die Schattenfrau" und "Der Himmel auf Erden" hat sich Åke Edwardson auch in Deutschland eine feste Fangemeinde erobert.

Porträt: Ake Edwardson
Bremen Zwei