Livestream

Bremen Zwei Rubriken Radio-Bremen-Krimipreis

Jetzt neu: butenunbinnen.de, alles wichtige aus der Region

Radio-Bremen-Krimipreis 2012

Kate Atkinson

19. September 2012

Der Radio-Bremen-Krimipreis geht in diesem Jahr an die britische Autorin Kate Atkinson. Die Jury zeichnete Atkinson für ihre, so die Begründung, doppelbödige Erzähltechnik und für die gelungenen Psychogramme innerfamiliärer Beziehungsdramen aus. Nach Einschätzung der Jury sind ihre Werke nicht nur "große Kriminalliteratur", sondern ebenso Gesellschaftsromane.

In diesem Jahr verleiht Radio Bremen seinen Krimipreis an die Autorin Kate Atkinson. Die Jury zeichnet Kate Atkinson wegen ihrer meisterhaft doppelbödigen, in lakonischen Humor getränkten Erzähltechnik und ihrer höchst gelungenen Psychogramme innerfamiliärer Beziehungsdramen aus.

Die Krimipreis Gewinnerin Kate Atkinson [Quelle: Droemer Knaur]
Die britische Autorin Kate Atkinson erhält den Krimipreis 2012. [Quelle: Droemer Knaur]

Mit sicherem Gespür und einer gehörigen Portion Sarkasmus nimmt sich diese Autorin genau den Bereich vor, in den wir alle eingebunden sind – die Familie. Atemlos folgt man ihren Figuren über jeden Szenenwechsel hinweg. Atmosphärisches wird mit nur wenigen Worten in stimmige Bilder verwandelt. Jede Szene entsteht plastisch vor dem inneren Auge des Lesers, jeder innere Monolog, jede Reflexion erscheint, häufig vor dem Hintergrund einer Vorgeschichte, nachvollziehbar. Bis in die geheimsten Seelenwinkel leuchtet Atkinson die einzelnen Charaktere aus, erzeugt fließende Übergänge zwischen Opfer- und Täterdasein, verkehrt gar deren Rollen. Glücklicherweise kann Kate Atkinson wie viele ihrer Figuren noch im Tragischen das Komische entdecken, und ihre Sprache ist höchst poetisch und von großer Musikalität.

Längst ist sie Stammgast auch auf deutschen Krimi-Bestenlisten – im November 2011 kam ihr jüngstes Buch "Das vergessene Kind" auf den ersten Platz, und auch die Sunday Times-Bestsellerliste führte der neue Roman an. Dabei schreibt Kate Atkinson, auch wenn die Juroren ihr begeistert "große Kriminalliteratur" attestieren und ihre Geschichten nicht weit von diesem Genre angesiedelt sind, eher Gesellschafts- als Kriminalromane.

Preisverleihung

Am Mittwoch, 19. September 2012 wird der Preis im Rahmen des 15. Bremer Krimifestivals "Prime Time – CrimeTime" bei Radio Bremen im Weserhaus verliehen. Die Veranstaltung beginnt um 20..00 Uhr. Mit dabei sind im Rahmen der großen Radio-Bremen-Krimi-Nacht neben der Preisträgerin Kate Atkinson die Autorinnen und Autoren Mechthild Borrmann, Jutta Profijt und Rob Alef. Musik: Allessandro Amoretti, Moderation: Hilke Theessen.

Prime Time Crime Time - 15. Bremer Krimifestival

Die Jury

Der Preis wird im Wechsel deutschsprachigen und ausländischen Autoren verliehen und ist mit 2.500 € dotiert. Der Jury gehören an:

  • Dr. Lore Kleinert, Leiterin der Kulturabteilung bei Radio Bremen
  • Jörg-Dieter Kogel, Programmleiter Nordwestradio
  • Dr. Jürgen Alberts, Glauser-Preisträger 2011
  • Thomas Böhm, Leiter des Literaturfests Berlin
  • Rainer Moritz, Leiter des Literaturhauses Hamburg

Kate Atkinson – Ein Porträt

1951 im englischen York geboren, studierte Kate Atkinson Literatur, arbeitete dann in der Sozialbetreuung und als Teilzeitlehrerin. Anfang der achtziger Jahre begann sie nebenher zu schreiben. Für ihren ersten Roman „Familienalbum" erhielt sie 1995 den renommierten Whitbread Award.

Nach zwei weiteren Romanen und einem Erzählband führte sie 2004 in "Die vierte Tochter" den eigenwilligen Jackson Brodie ein, einen Privatdetektiv der Extraklasse, dem sie – oder der ihr – drei weitere Bände lang die Treue hielt. Im Abstand von je zwei Jahren erschienen "Liebesdienste", "Lebenslügen" und zuletzt "Das vergessene Kind".  Dennoch will Atkinson diese vier Bücher nicht als Serie betrachtet wissen.

Großartige Geschichten

Das Geschehen ihrer Romane ist rund um Leeds in der Grafschaft Yorkshire angesiedelt. Auch wenn nichts so ist, wie es scheint, die Erwartungshaltung listig unterlaufen wird, wirkt das Gesamtszenario immer schlüssig, so, als könnte es gar nicht anders sein. Das liegt nicht zuletzt daran, dass Atkinsons bedürftige, verkümmerte, entgleiste, im- oder explodierende Figuren keine Psychopaten sind, sondern normale Menschen, die unausweichlich entweder schleichend oder auch urplötzlich in Grenzsituationen geraten.

Buchcover: "Das vergessene Kind" [Quelle: Droemer]
Kate Atkinson: Das vergessene Kind, Droemer, 2011 [Quelle: Droemer]

Da verschwindet ein kleines Mädchen, dort eine Ehefrau mit ihrem Kind, der Blick einer überforderten jungen Mutter fällt auf eine Axt, ein gefühlskalter Vater vergeht sich an seinen Töchtern, die Polizistin kauft einer brutalen Prostituierten ihr Kind ab, geliebte Menschen laufen einem Mörder ins Messer. Gerne stellt sie ihren Protagonisten Nebenfiguren mit eigenen Schicksalen an die Seite. Mit Finesse lässt sie mehrere Handlungen aus unterschiedlichen Blickwinkeln parallel verlaufen, die nur scheinbar nichts miteinander zu tun haben und verwebt das Ganze kunstvoll zu einem bunten Erzählteppich. Am Ende ergibt sich dann ein vollendetes Muster. Man hat eine großartige Geschichte und versteht bis ins letzte Detail, warum all diese Fäden gesponnen wurden. Die Leser werden zu Zeugen, wie Menschen Schuld auf sich laden, was sie einander antun, und dass sie sich angesichts unerfüllter Sehnsüchte doch nur nach Liebe und Anerkennung sehnen. Beklemmend stellt die Autorin dar, wie von einer Sekunde auf die andere ein Leben in hoffnungslose Trauer umschlagen oder zerstört werden kann.

Bisherige Kriminalromane Kate Atkinsons bei Droemer:

  • Die vierte Schwester 2005
  • Liebesdienste 2007
  • Lebenslügen 2008
  • Das vergessene Kind 2010

Bremen Zwei