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Kino-Tipp

Happy End

12. Oktober 2017

Der österreichische Regisseur Michael Haneke hat es seinem Publikum nie besonders leicht gemacht. In seinen Filmen passierten unglaublich gewalttätige Dinge. Allerdings immer unsichtbar, außerhalb der Kamerabilder. Auch in seinem neuen Film, ein Familiendrama, zeigt er empathielose Menschen.

Ein Mann sitzt an einem großen Schreibtisch [Quelle: Les Films du Losange]

Happy End im Kino [3:42 Minuten]

Eine normale Familie ist das nicht. Die großbürgerliche Bauunternehmersippe Laurent lebt feudal in Calais wie unter einer Glocke. Ihre Verbindung zur Außenwelt wird im Großen und Ganzen von Anne, der Chefin, aufrecht erhalten. Ihr Sohn Pierre, eigentlich als Geschäftsführer vorgesehen, ist für diesen Job gänzlich ungeeignet. Er lässt jede Spur von Ehrgeiz vermissen. Dafür ist sein Gespür, peinliche Situationen heraufzubeschwören, umso größer.

Wunderliche Mitglieder

Großvater Georges war mal das Familien- und Firmenoberhaupt. Aber das ist eine Weile her. Nach dem Tod seiner sterbenskranken Frau, die er eigenhändig erstickt hat, denkt er eigentlich nur noch über die geeignete Methode nach, selbst aus dem Leben zu scheiden. Und der Reigen der wunderlichen Mitglieder der Laurents geht noch weiter: Annes Bruder Thomas, eigentlich frisch verheiratet, unterhält ein sexuelles Sado-Maso-Verhältnis mit einer Musikerin. Meist über das Internet. Und dann ist da noch die kleine Eve, die Tochter aus Thomas´ erster Ehe. Sie haben wir gleich zu Beginn des Films kennengelernt. Da filmte sie mit ihrem Mobiltelefon zunächst die Vergiftungserscheinungen ihrer Mutter. Dann den Exitus ihres Hamsters. Dem hat sie die Tabletten ihrer Mutter verabreicht. Und nun muss Eve ins Haus der Laurents einziehen. Großvater George zeigt ein wenig Interesse an dem Mädchen.

Verfall einer Familie

Die Mutter stirbt, und Eve ist gezwungen zu bleiben. "Happy End" von Regisseur Michael Haneke, und der Titel kann nur ironisch verstanden werden, ist eine filmische Farce. Es ist in Kaleidoskop des unaufhaltsamen Verfalls einer Familie. Und die Beschreibung des völligen Unvermögens aller Beteiligten, das Unglücklichsein, die Hoffnungslosigkeit zu beschreiben. Die erschreckend kalt und fast erwachsen wirkende Eve ausgenommen.

Mit humorigen Zwischentönen

Nun ist "Happy End" allerdings kein durchgängig depressives Drama über den Untergang familiärer Strukturen. Man glaubt es kaum, aber der Film hat humorige Zwischentöne. Da stürzt ein Arbeiter mit einem Dixie-Klo auf einer Baustelle in den Tod. Und ein Selbstmordversuch scheint bei den Laurents als eine Art von Kommunikationsversuch zu gelten. Regisseur Haneke erzählt ebenso akribisch wie lakonisch von den eklatanten Emotionsdefiziten seiner Protagonisten. Ihr Verhältnis zur Umwelt ist mehr als gestört.

Fazit

Mit Isabelle Huppert, Jean-Louis Trintignant, Matthieu Kassowitz oder Franz Rogowski weist dieser sehenswerte Film hervorragende Darsteller aus. Und eigentlich müsste man "Happy End" nach Verlassen des Kinos gleich noch einmal sehen. Denn was die Bilder dieses Films an Informationen am Rande oder im Hintergrund zu bieten haben, das ist beim einmaligen Ansehen gar nicht zu erfassen.

Dieses Thema im Programm: Bremen Zwei, 12. Oktober, 10:40 Uhr

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