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Die Morgenandacht

Fastnacht

13. Februar 2018, 5:53 Uhr

Klaus Priesmeier [Quelle: Klaus Priesmeier]
Klaus Priesmeier, Superintendent [Quelle: Klaus Priesmeier]

Heute ist Fastnacht: so was wie der Abend der tollen Zeit. Nach der kommenden Nacht ist Schluss mit lustig – jedenfalls erstmal, denn dann beginnt die Fasten- oder Passionszeit. Am Abend kehrt man zu sich ein, oder dort, wo man zuhause ist. Oder auch dort, wohin man eingeladen wird. „Herr, bleibe bei uns, denn es will Abend werden und der Tag hat sich geneiget“, laden unbekannte Jünger in einer österlichen Bibelgeschichte ihren unerkannten Herrn ein. Abendstimmung – und das nun schon am Morgen!? – heißt doch dieser ganze Tag so: Fastnacht.

Wer es am Rosenmontag zu doll trieb, der hat heute vielleicht Katerstimmung. Für den wird Fastnacht zum Saure-Herings-Tag. Nach dem Tag der lauten Pauken und Trompeten und der Ekstase also – ein Tag der Besinnung? Der heißt nicht umsonst Fast-Nacht: bietet doch die Nacht die Gelegenheit, vom Tag zurückzutreten, ihn zu besehen, zu bedenken. Nicht die reine Sinnenfreude erfüllt den menschlichen Durst – es ist viel mehr noch das Erleben des Erfülltwerdens, die Erfahrung des Bekommens, der aufkeimende Dank, eine neue Ahnung vom Wert des Lebens und des Lebendigseins.

So wie die Bettlerin in dieser Geschichte: es heißt, Rilke, der Dichter, habe ihr eine Rose geschenkt – danach saß sie mehrere Tage nicht an ihrem Bettel-Platz. Wovon hat sie gelebt? Von der Rose…

Natürlich nicht von der Blume als solcher. Von der Geste des Schenkens, des Wertseins, des Würdigseins. Erst wo die Sinnenfreude von den Nerven ins Hirn fällt, wo die sinnliche Befriedigung von den Sinnen und Organen kommend das Herz berührt – da geschieht das, was wir im Tiefsten brauchen. Um nicht nur zu überleben sondern zu leben. Um dankbar zu werden – und noch ein anderes Gefühl von Leben zu spüren als das der nur sinnlichen Befriedigung. Die allein hinterlässt irgendwann nur noch ein schales Gefühl, eine Leere. Anders, wo wir Sinn erfahren. Wo wir das große „Ja“ spüren, das Gott zu uns spricht – auch durch diese sinnliche Erfahrung hindurch. Auch in ihr wahrnehmen, wie Gott zu uns spricht – mit den Worten Tomas Haliks: „Ich will, dass du bist.“ Das ist ein Wort aus der Quelle selbst. Ich will, dass du bist. Gott spricht: „Ich will dem Durstigen geben von der Quelle des lebendigen Wassers umsonst.“ (Offenbarung 21,6) Weil ich will, dass du bist. Ein leises Wort – auch im Widerhall des Rosenmontags am Fastnachtstag?

Autor: Klaus Priesmeier, Superintendent

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