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Die Morgenandacht

Vielmehr bedenken, was wir sind

7. Dezember 2017, 5:53 Uhr

Klaus Hagedorn [Quelle: Katholischer Gemeindeverband Bremen]
Klaus Hagedorn [Quelle: Katholischer Gemeindeverband Bremen]

„Was soll ich tun?“ Allzu oft steht diese Frage heute an erster Stelle in unserem Leben. Da melden sich dann innere Stimmen von früher - oder auch Erwartungen von außen. Vor über 700 Jahren gab es diese Frage „Was soll ich tun?“auch schon. Meister Eckhart reagierte darauf wie folgt: „Die Menschen brauchten nicht so viel bedenken, was sie tun sollen; sie sollen vielmehr bedenken, was sie sind. Wären die Menschen gut und ihre Lebensart gut, so würden ihre Werke hell leuchten.“

Meister Eckhart will sagen: „Mensch, nimm dich selbst wichtig! Frage Dich endlich: Was willst du?“ Das setzt ein Hineinhorchen voraus in die eigene Person. Je klarer ich weiß, was ich will und was ich kann, desto mehr wird mir auch klar, was ich tun soll. Wenn ich fremdbestimmt bleibe, dann werde ich nie zu meinem höchst persönlichen Leben finden, zu meiner Wahrheit im Leben. Ich werde dauernd unter Druck stehen. Und ein typisches Indiz ist das dauernde schlechte Gewissen – fast so, als hätte ich Lust daran. Nie genüge ich; also mache ich mich schlecht, denke von mir schlecht oder verdränge einfach alles.

Dabei ist doch die Frohe Botschaft des Jesus von Nazareth die, dass Gott mich annimmt, ohne dass ich etwas leisten müsste. Gott, wie ihn Jesus verkündete und lebte, will das Leben in Fülle. Er hat keine Freude an mir als einem gebrochenen Menschen, der ständig unter der Knute des „Sollens“ steht und von Versagensängsten geplagt wird. Gott hat zu einem Leben in Freiheit befreit. Er will, dass ich mich endlich entdecke und angstfrei vertraue auf Gottes ständiges Zuvor-Kommen. „Was willst du, dass ich dir tun soll?“, das fragt Jesus sehr oft die Menschen, die auf ihn zukommen. Er entmündigt sie nicht, er nimmt sie ganz ernst. Der Gott Jesu freut sich daran, wenn ein Mensch sich selbst ganz treu wird.

Genau das meint der Mystiker Meister Eckhart aus Erfurt. Offenkundig war schon damals das moralische Missverständnis des Evangeliums groß. Dauernd die Fragen, was man tun soll, wie richtig handeln, wie anständig Christ sein, welche Taten angehen, welche guten Vorsätze verfolgen?

Eckhart protestiert gegen diese Fragen. Nicht das Tun ist entscheidend, nicht das Haben, sondern das Sein!  Zu bedenken sei einzig, was wir sind.Die Antwort: Gottes Abbild und Gleichnis, willkommen geheißen von IHM und berufen zu einem eigenen Leben und Wollen. Oft ist vieles verdeckt und verdreckt durch meine Versagensängste, meinen Machbarkeitswahn, meine schrecklich guten Absichten und Vorsätze.

Deshalb bin ich immer ein Ungläubiger, wenn ich meine, ich müsste mir mein Leben erst verdienen durch ständiges Tun und Machen. Diese falsche Annahme kann weg, damit ich innerlich klar werde, wirklich „in Ordnung“!

Klaus Hagedorn, Seelsorger im FORUM St. Peter in Oldenburg

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