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Die Morgenandacht

Tun, was gut und richtig ist

20. Oktober 2017, 5:55 Uhr

Anja Bär [Quelle: Radio Bremen, Martin von Minden]
Anja Bär, Pastorin, evangelische freikirchliche Gemeinde Bremen-Lesum, Auferstehungskirche [Quelle: Radio Bremen, Martin von Minden]

Ich glaub, ich bin ihm ein Dorn im Auge. Ganz ehrlich? Immer wenn wir einander begegnen, nimmt die Spannung zu, wird regelrecht greifbar. Warum? Das wüsste ich auch gern. Am besten, ich gehe ihm aus dem Weg.

Aus dem Weg gehen -  mit dieser Methode war ich bislang ganz gut gefahren. Ohne Berührungsflächen kein Stress. Und das gefiel mir. Aber natürlich geht sowas nicht für immer und es geht auch nicht immer gut. Im Gegenteil. So geschah, was geschehen musste, wir gerieten gleich zweimal an einem Tag aneinander. Ich ärgerte mich maßlos über ihn. Warum musste er auch gleich so verbiestert reagieren. Kann doch jedem mal passieren, dass er achtlos ist. 

Sicher, an meiner Bereitschaft, mich zurückzunehmen, könnte ich noch arbeiten. Aber ganz ehrlich? Er auch!

Das Gefühl, dass ich Mist gebaut hatte, ließ mich jedoch leider nicht los. Und dann las ich eines Morgens in der Bibel: „Der Herr will, dass die Menschen tun, was gut und richtig ist; das ist ihm lieber als ihre Opfergaben.“

Das saß. Der Herr will, dass die Menschen tun, was gut und richtig ist. Mein schlechtes Gewissen hatte mich ohnehin schon geplagt und nun noch dieser Bibelvers.

Was ist denn gut und richtig, wenn dich jemand die ganze Zeit schon ablehnt, ohne dass du den Grund kennst? Ich begann, im inneren Dialog mit Gott zu handeln. Ich bot ihm an, demütiger zu werden oder mehr in der Gemeinde zu arbeiten. Ich wäre sogar bereit... Aber nein, was immer ich vorschlagen würde, es wäre immer am eigentlichen vorbei. Tun, was gut und richtig ist. Gut, sagte ich, ich werde hingehen und um Entschuldigung bitten. Aber nur, wenn ich ihn in der kommenden Woche sehe. Sonst hat er eben Pech gehabt.

Es kam, wie es kommen musste: Erst vier Wochen später konnte ich tun, was gut und richtig war: Nämlich um Verzeihung bitten für meine Achtlosigkeit. Die Reaktion war umwerfend: Mit Tränen in den Augen konnten wir einander gegenseitige Wertschätzung versichern.

Tun, was gut und richtig ist, braucht manchmal Überwindung, ist aber wirklich gut und richtig.

Autorin: Anja Bär, Pastorin

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