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Krimi-Tipp

Grimms Morde

Detailreich und historisch

5. Oktober 2017

Seit vielen Jahren schreibt die promovierte Germanistin Tanja Kinkel dicke historische Romane. Ihre Schauplätze sind auf die ganze Welt verteilt: Italien, die Mongolei, Frankreich. Das jüngste Buch der Bestsellerautorin spielt im nordhessischen Kassel. Dort sind die berühmtesten Söhne der Stadt, die Brüder Jacob und Wilhelm Grimm, in einen Mordfall verwickelt.

Cover: Grimms Morde [Quelle: Verlag Droemer Knaur]
Tanja Kinkel: Grimms Morde, Verlag Droemer Knaur, 2017 [Quelle: Verlag Droemer Knaur]

Krimi-Expertin Martina Bittermann stellt den historischen Krimi vor.

Tanja Kinkel: Grimms Morde [5:48 Minuten]

Die Brüder Grimm spielen die Hauptrolle in diesem historischen Roman im 19. Jahrhundert in der deutschen Provinz. Wie müssen wir uns das vorstellen?

Das war die Zeit des Biedermeier. Hört sich gemütlich an – 1821 war aber eine absolut unruhige Zeit, die napoleonischen Kriege sind gerade vorbei. Jerome Bonaparte, der jüngste Bruder Napoleons, der als König von Westfalen in Kassel residiert hat, ist abgesetzt. Die Landesfürsten haben jetzt wieder das Sagen. Das bedeutet für Hessen: Statt moderner Gesetzgebung gibt es Zopfperücken, Standesregeln, Mätressenwirtschaft und eine Zensurbehörde, die alles Politische verhindern soll.

Die Brüder Grimm sind Märchensammler und Schriftsteller. Wie werden sie zu Krimihelden?

Tanja Kinkel hat in ihrem historischen Roman eine Kriminalgeschichte eingeflochten. Die Stadt Kassel wird von einem Verbrechen erschüttert: Die ehemalige Mätresse des Kurfürsten wurde brutal ermordet. Kurz danach geschieht ein zweiter Mord. Neben den Leichen werden Zettel mit Märchen-Zitaten gefunden...

Jacob Grimm gerät unter Verdacht. Er kannte beide Opfer und gilt darüber hinaus als schwieriger Typ. Und er hat keine besonders gute Meinung von den herrschenden Fürsten. Aber reden kann er. Es gelingt ihm, den zuständigen Ermittler davon zu überzeugen, dass er den Täter finden wird.

Die Brüder als Ermittler. Wie funktioniert das?

Die beiden Brüder Jacob und Wilhelm sind ein gut eingespieltes Team. Diese enge Beziehung zeichnet Tanja Kinkel sehr schön nach, wie auch die familiäre und finanziell prekäre Situation im Hause Grimm. Aber ein Geschwisterpaar reicht der Autorin offenbar nicht. Sie schickt auch noch die Schwestern Anette von Droste-Hülshoff und ihre Schwester Jenny, eine unverheiratete Damen aus dem Münsteraner Adel, nach Kassel. Die beiden haben den Brüdern Grimm Märchen aus dem Münsterland für deren Märchen-Sammlungen zugeliefert.

Als sie hören, dass ein Zitat aus einem ihrer Märchen etwas mit einem Mordfall zu tun hat, reisen sie zu den Grimms. Es ist eine schwierige Konstellation: Jenny ist schwer verliebt in Wilhelm, und Anette kann Jacob nicht leiden.

Das ist ja ziemlich viel Stoff: Die Historie an sich, der Kriminalfall, die prominenten Geschwister. Geht das alles auf?

Es ist schon wahnsinnig viel hineingepackt in diesen Roman. Mich haben die vielen Details fast erschlagen. Aber Tanja Kinkel schafft es, diese Zeit nach den napoleonischen Kriegen, dem Wiener Kongress und dreißig Jahre vor der Paulskirche, lebendig werden zu lassen. Sie zeigt die Konflikte zwischen Adel und Bürgertum, zwischen Freiheitskampf und Restauration. Tanja Kinkel hat sich durch Briefe und Nachlässe gewühlt und war nah dran am Lebensgefühl der Menschen damals.

Dein Fazit?

Natürlich ist vieles erfunden, auch der Kriminalfall um einen Hofmarschall, der als Verräter enttarnt wird. Bis dieser Fall endlich gelöst ist, benötigen die Leser viel Geduld. Geschrieben ist der Roman im Stil eines Märchens, in getragenem Tempo, ohne echte Spannung. Für Krimifans eine große Herausforderung.

Buchinfos:
Tanja Kinkel: "Grimms Morde", Droemer-Verlag, 480 Seiten, 22,99 Euro

Dieses Thema im Programm: Bremen Zwei, Der Morgen, 5. Oktober 2017, 9:20 Uhr

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