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Buch-Tipp

Günter Grass und die Deutschen

12. September 2017

Leicht hat er es sich und seinen Deutsche nie gemacht – Günter Grass. Der Literaturnobelpreisträger ist keinem Streit, keiner Diskussion aus dem Weg gegangen, oft genug war er selbst Auslöser und Vorantreiber öffentlicher Debatten. Der Literaturwissenschaftler Harro Zimmermann hat einen Essay über das konfliktreiche öffentliche Verhältnis zwischen Grass und den Deutschen geschrieben.

Cover: Harro Zimmermann, Günter Grass und die Deutschen, Wallstein Verlag [Quelle: Wallstein Verlag]
Harro Zimmermann, Günter Grass und die Deutschen, Wallstein Verlag [Quelle: Wallstein Verlag]

Ob um seine Vergangenheit als Angehöriger der SS oder als Mahner gegen israelischen Militarismus – Günter Grass blieb sich seiner Rolle als engagierter Intellektueller stets treu. Anlass genug für den Literaturwissenschaftler Harro Zimmermann, dieses Verhältnis posthum zu beleuchten. "Günter Grass und die Deutschen. Eine Entwirrung", so heißt das Buch. Kulturredakteur Stephan Cartier hat versucht, den Faden nicht zu verlieren…

Harro Zimmermann:Günter Grass und die Deutschen [4:09 Minuten]

"Der, der immer nervte"

Günter Grass verstand es, alle zu nerven, nicht nur die vermeintlich Konservativen, sondern auch die Linken, seine "Geistesbrüder". Diese Besonderheit des Schriftstellers mache Harro Zimmermann in seinem Buch an einigen Episoden klar, zum Beispiel: der Besuch der Gruppe 47 in den USA, eine Tagung mit 80 Dichtern in Princeton im Jahr 1966. "Und Grass mittendrin". Es gab Proteste, denn die USA führte einen "Aggressionskrieg" in Vietnam.

Glänzend formuliert

Das Buch ist chronologisch aufgebaut, hat etwas von einer Biografie, ist aber auch so etwas, wie "das Panorama der bundesrepublikanischen Kulturgeschichte", mindestens bis zur Vereinigung, aber auch darüber hinaus, so Stephan Cartier.

Es ist glänzend geschrieben. Überbordend formuliert, so wie man es von Harro Zimmermann kennt. Man folgt ihm gerne auf allen seinen stilistischen Ausschweifungen.

Klare Position

Harro Zimmermann beziehe komplett Position, mit guten Argumenten, aber auch mit ein bisschen Polemik für Grass, wie man es auch seinen anderen Büchern schon kenne. Das Buch enthalte "ein bisschen Häme" und "viel Differenziertheit". Hier wurde mit allen stilistischen Mitteln, die zur Verfügung ständen, klar: "dass Grass der Intellektuelle war, den wir leider heute vermissen müssen." (Stephan Cartier)

Buchinfos:
Harro Zimmermann: Günter Grass und die Deutschen. Eine Entwirrung. Essay, Wallstein Verlag, 364 Seiten, 29.90 Euro

Dieses Thema im Programm: Bremen Zwei, Der Morgen, 12. September 2017, 9:20 Uhr

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