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Kunsthalle Bremen

Max Beckmanns Welttheater

29. September 2017

Max Beckmann zählt zu den bedeutendsten Künstlern des 20. Jahrhunderts. Die Bremer Kunsthalle besitzt großartige Gemälde und fast das gesamte grafische Werk. Diese Schätze werden neu in Szene gesetzt unter dem Motto "Max Beckmann. Welttheater". Dazu kommen Leihgaben aus aller Welt: Aus St. Louis, aus der Londoner Tate Modern, aus Harvard. Christine Gorny hat die Sonderausstellung vor der Eröffnung besucht.

Gemälde von Max Beckmann. [Quelle: VG Bild-Kunst, Bonn 2017, Max Beckmann]
Max Beckmann: Schauspieler, 1941/42, Öl auf Leinwand, 199,4 x 150 cm (Mitte), 199,4 x 83,7 cm, (Flügel links), 199,4 x 83,7 cm (Flügel rechts), Harvard Art Museums/Fogg Museum [Quelle: VG Bild-Kunst, Bonn 2017, Max Beckmann]

Christoph Grunenberg zur Max-Beckmann-Ausstellung [6:11 Minuten] Verena Borgmann zur Max-Beckmann-Austellung [4:44 Minuten] Ausstellung: Max Beckmann "Welttheater" [4:21 Minuten]

Was bietet die Ausstellung?

Gezeigt werden 120 Exponate: Bilder, Graphiken und Skulpturen von 1920 bis 1950, also bis kurz vor Beckmanns Tod, außerdem Raritäten zum Kontext wie Skizzenbücher oder Manuskripte seiner Theaterstücke. Besonders imposant sind zwei große Triptychen, beides Leihgaben aus amerikanischen Museen. Ausgangspunkt der Ausstellung waren allerdings Beckmanns Werke aus dem Besitz der Kunsthalle.

Das Ausstellungsthema "Welttheater" spielt mit Motiven wie Theater, Zirkus, Varieté und Jahrmarkt. Viele Szenen spielen auf oder hinter der Bühne. Zu sehen ist, wie Artisten sich verbiegen, Schauspieler sich umziehen oder Seelöwen durch Reifen hüpfen. Hinzu kommen Selbstporträts, die Beckmann meistens im Kostüm zeigen.

Die Wahrheit hinter der Maskerade

Gemälde von Max Beckmann. [Quelle: VG Bild-Kunst, Bonn 2017, Max Beckmann]
Max Beckmann: Doppelbildnis Karneval, 1925, Öl auf Leinwand, 160,5 x 104,5 cm, Museum Kunstpalast, Düsseldorf [Quelle: VG Bild-Kunst, Bonn 2017, Max Beckmann]

Max Beckmann war leidenschaftlicher Theater- und Varieté-Besucher. Und diese Begeisterung springt einen in den Bildern regelrecht an. Die sind dynamisch, sinnlich, expressiv, kraftvoll, energisch, wild, bunt. Dabei niemals harmlos oder oberflächlich. Es lohnt sich, Details zu entdecken, denn die zeigen das Elend hinter der Fassade, die Einsamkeit in der Menge oder das Desinteresse des Publikums. Beckmann sucht die Wahrheit hinter der Maskerade. Und insofern bedient er sich mit Zirkus und Theater einer sehr passenden Metaphorik. Schließlich ist das Leben nicht nur für Seiltänzer ein Balanceakt und nicht nur für Schauspieler ein Rollenspiel.

"Welttheater" – ein politischer Kommentar zum aktuellen Weltgeschehen?

Den Begriff "Welttheater" hat der Beckmann-Sammler und -Freund, der Schriftsteller Stephan Lackner für Beckmanns Kunst geprägt. Das war 1938, kurz vor dem Krieg, als Beckmann bereits als entartet galt und im Exil lebte. Seine Bilder haben sicherlich das Weltgeschehen in einer unsicheren, von Ängsten und Sorgen bestimmten Zeit kommentiert. Vielleicht wirken sie dadurch heute recht aktuell, wohl auch, wenn es um Armut und um Menschen am Rande der Gesellschaft geht.

Blick in die Max-Beckmann-Ausstellung in der Bremer Kunsthalle. [Quelle: Radio Bremen]
Blick in die Max Beckmann-Ausstellung in der Bremer Kunsthalle.

Warum sollte man in die Ausstellung gehen?

 Max-Beckmann-Ausstellung in der Bremer Kunsthalle. [Quelle: Radio Bremen, Martina Raake]
Max Beckmann in der Bremer Kunsthalle. [Quelle: Radio Bremen, Martina Raake]

Es sind einfach ästhetisch beeindruckende Bilder, besonders die beiden Triptychen in ihrer imposanten Größe. Aber auch Beckmanns Skizzenbücher oder die Manuskripte seiner Theaterstücke waren für mich aufschlussreich. Die Exponate wurden nach formalen Oberbegriffen gehängt, also Varieté, Zirkus, Theater. Es gibt einen reinen Graphik-Raum, ansonsten sind die Druckgraphiken zwischen den Gemälden verteilt. In manchen Räumen zeigen Schaukästen noch ein bisschen historisches Zeitkolorit, Zirkusmagazine aus der Zeit etwa. Was könnte Beckmann damals inspiriert haben? Hier sucht die Ausstellung nach Antworten und gibt den Besuchern die Möglichkeit, diesen Künstler noch intensiver kennenzulernen.

Max Beckmann: Welttheater

Die Ausstellung in der Kunsthalle Bremen ist bis zum 4. Februar 2018 zu sehen. Vom 24. Februar bis zum 10. Juni 2018 wird sie im Museum Barberini in Potsdam gezeigt.

Dieses Thema im Programm: Bremen Zwei, 30. September, 11:20 Uhr

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