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CD-Tipp

A Deeper Understanding

Schwebendes Sounddesign und monotones Mantra

14. September 2017

Es begann alles ein wenig holprig. 2008 hatten die Freunde Kurt Vile und Adam Granduciel gerade mit "Wagonwheel Blues" das Debütalbum von "The War On Drugs" veröffentlicht. Die Kritiken waren gut, die Tour war lang. Wieder zu Hause verließ jedoch Kurt Vile die Band. Einfach so, von einem Tag auf den anderen.

Cover: The War On Drugs, A Deeper Understanding, Atlantic  [Quelle: Atlantic]
The War On Drugs, A Deeper Understanding, Atlantic [Quelle: Atlantic]

Das vierte Album

Er wolle lieber seine Solo-Arbeit fortsetzen, hieß es. Und irgendwie hatte man das Gefühl, es ist vorbei, bevor es eigentlich angefangen hat. Adam Granduciel machte alleine weiter, holte sich frische Musiker, avancierte 2011 mit dem Album "Slave Ambient" zum Geheimtipp und zwei Jahre später mit "Lost in the Dream" zum Liebling der Presse. Jetzt erscheint mit "A Deeper Understanding" das vierte Werk von "The War On Drugs".

Zunächst eine Warnung: Es ist wahnsinnig leicht, dieses Album nicht gut zu finden. Es gibt nur wenig Akkorde, noch weniger Melodien, konventionelle "Middle of the Road"-Instrumentierung und eine Gesangsstimme, die schon sehr nach Bryan Adams klingt. Es spricht also außergewöhnlich viel gegen "A Deeper Understanding". Auch die Texte werden wahrscheinlich keinen Literaturpreis bekommen.

Absolute Schwerelosigkeit

Trotzdem sollten wir über "A Deeper Understanding" sprechen, denn wir haben es hier mit einer außergewöhnlichen guten Platte zu tun. Es ist ein Album, das sich bewusst der poppigen Erwartungshaltung des Konsumenten entzieht und auch nach mehrmaligem Hören wird es schwer sein, einzelne Titel auseinanderhalten zu können, oder gar später bei den Konzerten mitzusingen.

Dabei ist das Schema immer gleich: Ein Schlagzeug treibt die Produktion schnörkellos voran, Bass und Keyboardflächen schaffen ein sattes Fundament und darauf singt Granduciel mit körperloser Stimme, hier und da erscheint ein Gitarrensolo und einmal auch ein wenig Glockenspiel. Manche Kritiker fühlen sich verpflichtet auf die Spannungsarmut bei diesem Album hinzuweisen. Es sei zu viel Classic-Rock, zu viel Neil Young, Tom Petty, Fleetwood Mac und Bruce Springsteen. Das ist aber so nicht richtig, denn wer sich die Vorgänger-Alben von "The War On Drugs" nochmal anhört, wird merken, dass der gesamte musikalische Output seit jeher nur ein Ziel hat: Absolute Schwerelosigkeit.

Vielleicht sollte für dieses Album, für diese Schnittstelle von schwebenden Sounddesign und monotonen Mantra, wirklich eine Bedienungsanleitung mitgeliefert werden. Okay, ich versuche es mal: Hören Sie die Platte am besten in einem fahrenden Zug. Schauen Sie aus dem Fenster, schauen Sie sich auch ihre Mitreisenden an. Konzentrieren Sie sich am besten gar nicht so sehr auf die Musik, lassen Sie sich ablenken. Dann, genau dann, funktioniert "A Deeper Understanding" von "The War On Drugs" und wird zu einer wunderbaren Platte.

The War On drugs: A Deeper Understanding [3:39 Minuten]

Dieses Thema im Programm: Bremen Zwei, 14. September 2017, 19:05 Uhr

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